Fluggastrechteportal verklagt Ryanair wegen Streiks

15.08.2018 - 15:12 0 Kommentare

Das deutsche Fluggastrechteportal Flightright hat wegen der Streiks in der vergangenen Woche Klage gegen Ryanair eingereicht. Das Unternehmen will erreichen, dass der Billigflieger für die Flugausfälle und -verspätungen Entschädigung zahlen muss.

Anzeigetafel mit gestrichenen Ryanair-Flügen. - © © dpa - Stina Stjernkvist/TT NEWSAGENCY/AP

Anzeigetafel mit gestrichenen Ryanair-Flügen. © dpa /Stina Stjernkvist/TT NEWSAGENCY/AP

"Wir kämpfen dafür, dass Fluggäste zu ihrem Recht kommen", sagte Flightright-Rechtsexperte Oskar de Felice laut Unternehmensmitteilung. Der Streik sei "hausgemacht" und "die logische Konsequenz von Ryanairs fragwürdiger Personalpolitik". Die Airline habe durch "jahrelanges Lohndumping und Salamitaktik bei Gesprächen mit den Gewerkschaften einen solchen Streik heraufbeschworen", so de Felice . Deshalb bestünden "keine Zweifel", dass Ryanair verpflichtet sei, seinen Kunden Entschädigungen für den Flugausfall zu zahlen.

Airlines verweigern Ausgleichszahlungen bei Streiks

Ryanair hatte hingegen argumentiert, seine Passagiere nicht für Flugausfälle und -verspätungen infolge des aktuellen Streiks zu entschädigen. Alle betroffenen Kunden seien rechtzeitig umgebucht worden oder hätten den Preis des Flugtickets zurückerhalten. Darüber hinaus werde man aber wegen der "außergewöhnlichen Umstände" keine Entschädigungen zahlen.

Die Klage wurde Flightright zufolge am Dienstag beim Landgericht Frankfurt am Main eingereicht. Laut einer EU-Verordnung haben Passagiere Anspruch auf eine Entschädigung bei Annullierungen oder Verspätungen von Flügen - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist.

Die Fluggesellschaften werten Streiks aber ebenso wie widriges Wetter als einen solchen Umstand. Verbraucherschützer und Juristen haben an dieser Sichtweise allerdings rechtliche Zweifel. Der Europäische Gerichtshof entschied im April, dass ein Arbeitskampf nicht grundsätzlich als außergewöhnlicher Umstand gilt.

© dpa, Daniel Naupold Lesen Sie auch: Entschädigung ist bei Airline-Streiks nicht ausgeschlossen

Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Das Unternehmen bestreitet dies. Erst im vergangenen Jahr hatte sich Ryanair nach langem Druck grundsätzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen.

Am Mittwoch startet die Gewerkschaft Verdi in der irischen Hauptstadt Dublin Tarifverhandlungen für die rund tausend Kabinenbeschäftigten der Fluggesellschaft in Deutschland.

Von: pra mit Material von AFP
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