Fluggastrechte: Airlines lehnen automatische Zahlung ab

09.11.2018 - 17:03 0 Kommentare

Der Europäische Rechnungshof fordert eine schnellere Entschädigung von Passagieren. Die Fluggesellschaften halten das für nicht praktikabel. Kritik kommt auch von einer ganz anderen Seite.

Reisende checken ihre Flüge am Frankfurter Flughafen. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Reisende checken ihre Flüge am Frankfurter Flughafen. © dpa /Frank Rumpenhorst

Die jüngsten Vorschläge zur besseren Umsetzung der Fluggastrechte stoßen bei den deutschen Fluggesellschaften auf wenig Gegenliebe. Der Europäische Rechnungshof hatte am Mittwoch gefordert, Entschädigungen für Verspätungen und Ausfälle sollten künftig automatisch ausgezahlt werden, ohne dass Passagiere selbst aktiv werden müssen.

Der Luftfahrtverband BDL hält eine solche Lösung für nicht durchführbar. Um eine Prüfung jedes Einzelfalls komme man nicht herum, erklärte eine Sprecherin gegenüber airliners.de. "Gegen eine Automatisierung spricht, dass der Flugablauf komplex ist und es oft nicht eindeutig ist, ob eine Unregelmäßigkeit einen außergewöhnlichen Umstand darstellt. Dies zeigen die zahlreichen Urteile zu den Fluggastrechten."

Auch Fluggastrechteportale gegen Automatisierung

Auch die Fluggastrechteportale sehen die Vorschläge des Rechnungshofes kritisch. "Wir glauben nicht, dass eine automatische Durchsetzung von Entschädigungszahlungen durch die verantwortlichen Airlines korrekt funktionieren würde. Gleiches gilt für die automatische Information von Passagieren über die Gründe für eine Flugverspätung oder einen Flugausfall", sagte Laura Kauczynski, Sprecherin des Portals Airhelp.

Der Europäische Rechnungshof hatte am Mittwoch einen umfangreichen Bericht zur Umsetzung von Flug- und Fahrgastrechten vorgelegt. Dabei forderte er, die Beförderungsunternehmen zu mehr Transparenz und zu einer rascheren Entschädigung bei Störungen zu verpflichten.

© dpa, Wolfram Kastl Lesen Sie auch: EU-Rechnungshof fordert automatische Entschädigung für Passagiere

Solche Forderungen waren in der jüngsten Zeit wiederholt laut geworden. In der Unionsfraktion im Bundestag wurde im September ein Eckpunktepapier vorgelegt, dass nicht nur mehr Informationspflichten vorsieht, sondern auch empfindliche finanzielle Strafen bei verzögerten Ausgleichszahlungen.

Kurz darauf beschloss Nordrhein-Westfalen die Entwicklung einer mobilen App, die den Reisenden die Durchsetzung der Fluggastrechte erleichtern soll. Die Anwendung soll von der Verbraucherzentrale erstellt werden. Zudem ist ein Portal geplant, dass einen Überblick über Flugverspätungen bietet.

© SITA, Lesen Sie auch: NRW will "Fluggastrechte-App" für Entschädigungen

Die Luftfahrtbranche wehrt sich dagegen, in Sachen Fluggastrechte immer wieder gezielt von der Politik ins Visier genommen zu werden. Schließlich gebe es auch in vielen anderen Branchen Defizite bei der Umsetzung der Verbraucherrechte, heißt es aus Airline-Kreisen. Zumindest müssten aber Neuregelungen verkehrsträgerneutral gestaltet werden und nicht nur die Airlines betreffen.

Eigentlich tritt die Branche eine baldige Neufassung der EU-Fluggastrechte ein, um die Belastung für Airlines zu reduzieren. Entsprechende Vorschläge der EU-Kommission hatte die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich unterstützt.

© dpa, Sebastian Kahnert Lesen Sie auch: Bund befürwortet Reform der Fluggastrechte

Vorantreiben wird die Bundesregierung das Thema in Brüssel gleichwohl nicht. "Ob und wann die Verhandlungen im Rat fortgesetzt werden, obliegt der Entscheidung der jeweiligen Präsidentschaft", erklärte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums auf Anfrage von airliners.de. Die Ratspräsidentschaft hat Deutschland zwar im Jahr 2020 inne. Aber ob die Novelle der Fluggastrechte dann auf die Agenda gesetzt werde, sei noch nicht entschieden, so der Sprecher.

Von: pra
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