Branche rechnet im Sommer erneut mit Problemen

08.03.2019 - 10:25 0 Kommentare

Streiks, Engpässe bei Security und der Flugsicherung sowie Insolvenzen: Der Reisesommer 2018 war an vielen Stellen chaotisch. Die Saison 2019 könnte ähnlich frustrierend werden, fürchten nicht nur Airlines.

Ein Passagier wartet in der Abfertigungshalle des Flughafens München. - © © dpa - Peter Kneffel

Ein Passagier wartet in der Abfertigungshalle des Flughafens München. © dpa /Peter Kneffel

Passagiere müssen sich im Sommer erneut auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Reiseveranstalter und Fluggesellschaften rechnen nach einer teils chaotischer Urlaubssaison im vergangenen Jahr ein weiteres Mal mit Engpässen.

Es sei höchste Zeit, dass sich die Politik gemeinsam in Europa stark macht, nationalstaatliche Besonderheiten, Regularien sowie die Ordnung der Luftstraßen zu überdenken und entsprechend zu überarbeiten, forderte das Board of Airline Representatives (Barig) am Rande der aktuell in Berlin laufenden Tourismusmesse ITB mit.

"Engpässe bei der Flugsicherung sowie logistische Engpässe an den Flughäfen müssen behoben werden, damit der Flugverkehr in Deutschland wieder zuverlässig und reibungslos funktionieren kann", sagte Barig-Generalsekretär Michael Hoppe.

Die Flugverkehrskontrolle in Deutschland müsse besser werden, forderte auch Kenny Jacobs, Marketingchef von Ryanair, auf der Reisemesse ITB in Berlin. Ryanair ist einer der größten Kunden der Deutschen Flugsicherung. Die Iren nutzen den deutschen Luftraum vor allem für Überflüge.

Der Personalmangel bei den europäischen Flugsicherungen sei das größte Thema gewesen, dem Airlines 2018 gegenüberstanden. "Wir denken, dass es 2019 schlimmer wird", sagte Jacobs. Auch Streiks bereiteten im vergangenen Jahr einige Probleme.

Die Lufthansa will möglichst verhindern, dass die Operations-Probleme aus dem vergangenen Sommer in diesem Jahr wieder auftreten. Im gesamten Konzern waren in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres rund 18.000 Flüge aus. Nun soll es mehr Reservemaschinen geben. Eurowings hat zudem eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um einen pünktlichen und stabilen Flugbetrieb gewährleisten zu können:

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Eurowings kämpft mit "Scope" gegen Verspätungen

Der Ferienflieger Tuifly will in diesem Jahr für den Notfall ein Flugzeug in Hannover bereitstehen und "ein halbes" am größten Standort der Airline in Düsseldorf, sagte Tuifly-Chef Oliver Lackmann auf der ITB. Ohne Probleme werde der Sommer 2019 aber nicht ablaufen: Streiks oder Kapazitätsprobleme bei Flugsicherung oder Flughäfen dürften immer wieder zu "Verwerfungen im System" sorgen, so Lackmann.

Tuifly hat nach eigenen Angaben auch am Boden Maßnahmen ergriffen, die für mehr Verlässlichkeit sorgen sollen. Damit Prozesse am Flughafen reibungslos ablaufen, wolle man außerdem mehr Personal einsetzen, um die Abläufe an den Airports zu begleiten.

Auch die Condor hat nach eigenen Angaben ihre Reservekapazitäten an Flugzeugen verdoppelt. Man habe im Sommer außerdem "mehr Personal am Boden und in der Luft" sowie mehr Puffer im Flugplan geplant, sagte ein Sprecher der Airline auf der ITB. Gleichwohl werde der Sommer eine Herausforderung: Die Infrastruktur an den Flughäfen habe mit dem Wachstum des Luftverkehrs nicht mithalten können.

Überkapazitäten nach Insolvenzen ungleich verteilt

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania rechnet auch der Veranstalter Alltours mit Engpässen bei Urlaubsflügen im Sommer 2019. Das gelte besonders für das Flugangebot an kleineren Flughäfen.

Noch nie sind so viele Menschen mit dem Flugzeug gereist wie im vergangenen Jahr, fasste das Institut der deutschen Wirtschaft die Situation zusammen. Die Pleite von Air Berlin Ende 2017 habe nicht zu einem Rückgang des Luftverkehrs geführt, im Gegenteil: Die Lücken seien von anderen Anbietern schnell gefüllt und sogar überkompensiert worden.

Das bringe große Flughäfen an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Das Wachstum habe sich aber sehr ungleichmäßig auf die deutschen Flughäfen verteilt. Ohnehin schon stark genutzte Standorte wachsen weiter, während manche regionale Flughäfen die Verlierer der Situation seien.

Flughäfen wollen mehr Verantwortung übernehmen

An den großen Flughäfen waren vor allem die langen Schlangen an Sicherheitskontrollen ein Ärgernis für viele Passagiere. Die Branche stehe bereit, für die Organisation der Personen- und Gepäckkontrollen mehr Verantwortung zu übernehmen, bekräftigte Fraport-Chef Stefan Schulte auf der ITB.

Die Bundespolizei würde dabei weiterhin die Hoheit behalten, doch könnten die Flughäfen selbst die Abläufe sowie die Personaleinsätze vor Ort flexibler und bedarfsgerechter gestaltet.

Ende März wird sich die Branche nun nochmals mit der Politik zusammensetzen. Auf einem zweiten Luftfahrtgipfel soll dann weiter diskutiert werden, wie ein erneutes Flug-Chaos im Zusammenspiel aller Systempartner nachhaltig vermieden werden kann.

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Von: dh mit dpa
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