Flugdienstzeiten: Piloten machen weiter Druck gegen EU-Pläne

25.09.2013 - 16:00 0 Kommentare

Jetzt wird es ernst: In wenigen Tagen wollen die EU-Parlamentarier über die Neuregelung der Flugdienstzeiten befinden. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hofft auf ein Nein, doch die EU-Kommission hat bereits zugestimmt.

First Officer in einer Boeing 777

First Officer in einer Boeing 777
© AirTeamImages.com - Bailey

Flugpersonal demonstriert am 22.01.2013 auf dem Flughafen in Frankfurt am Main.

Flugpersonal demonstriert am 22.01.2013 auf dem Flughafen in Frankfurt am Main.
© dpa - Fredrik von Erichsen

Gegen die geplanten Änderungen bei den Flugdienstzeitregelungen hat sich jetzt erneut die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ausgesprochen. Anlass für die wiederholte Kritik ist eine entscheidende Abstimmung: Am Montag, 30. September, will sich das Transport-Komitee des Europaparlaments mit den Plänen befassen. Die Delegierten der Mitgliedsländer im EASA-Komitee der EU-Kommission haben bereits für den umstrittenen Entwurf der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) gestimmt.

„Einige Regelungen bedeuten eine ausgesprochene Gefahr für die Flugsicherheit“, so VC-Präsident Ilja Schulz. Unter den eklatantesten Beispielen befinden sich aus VC-Sicht die Bereitschaftszeitregelungen sowie die Nachtflugzeiten. So erlaube der Vorschlag weiterhin nach acht Stunden Bereitschaftsdienst anschließend einen vollen Flugdienst von bis zu 14 Stunden zu absolvieren. Somit könne eine Landung nach einer Wachzeit von mehr als 22 Stunden stattfinden. Wissenschaftler fordern nachts ein Maximum von zehn Stunden als Sicherheitsgrenze, so Schulz. „Über diese Zeit hinaus erleben Flugbesatzungen kritische Übermüdungszustände, die eine sichere Flugdurchführung nicht mehr ermöglichen“, erklärt er.

Europaweite Protestaktionen zu Jahresbeginn

Die Piloten und das Kabinenpersonal hatten bereits zu Jahresbeginn europaweit Protestaktionen an Flughäfen organisiert, um auf die Gefahren von Übermüdung bei Flugpersonal aufmerksam zu machen. In einem gemeinsamen Statement hatten damals allerdings die Association of European Airlines (AEA), die European Regions Airline Association (ERA) sowie die International Air Carrier Association (IACA) den Pilotengewerkschaften das gezielte "Streuen von Falschinformationen" vorgeworfen.

Anders als von den Piloten suggeriert, bekäme die EU mit der Neuregelung eine der striktesten Flugdienstzeitregularien der Welt, hieß es. Die geplante Neuregelung beinhalte sogar Elemente, die mehr Restriktionen für die Fluggesellschaften bedeuteten. Auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) unterstützt die geplante Neuregelung der Flug- und Ruhezeiten. Der BDL könne die Aufregung der Gewerkschaften nicht nachvollziehen, hieß es im Januar. Für Europas Piloten würden in Zukunft noch begrenztere Flugdienstzeiten und noch ausgedehntere Ruhezeiten gelten.

Die neuen Regelungen werden die Situation gefährlich übermüdet fliegender Besatzungen verschlimmern, ist sich hingegen Nico Voorbach, Präsident des europäischen Pilotenverbandes (ECA) und selbst Pilot, sicher. „Würden Sie sich an Bord eines Flugzeuges begeben, wenn Sie wüssten, dass ihr Pilot bei der Landung bereits 22 Stunden wach ist? In Zukunft werden Sie keine Wahl haben.“

Die Pilotenvereinigungen setzen nun auf ein Nein der EU-Parlamentarier. "Den Vorschlag nicht abzulehnen wäre unverantwortlich“, befindet Ilja Schulz.

http://www.flugdienstzeiten.de/

Von: airliners.de
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