Flugbegleitergewerkschaft will Tarifverhandlungen mit Ryanair

24.10.2017 - 17:59 0 Kommentare

Nach deutlichen Gehaltssprüngen für Piloten bei Ryanair suchen nun auch die Flugbegleiter den Konflikt mit dem irischen Billigflieger. Die Gewerkschaft Ufo will jetzt Verhandlungen für die in Deutschland stationierten Crews.

Flugbegleiter der Ryanair. - © © Ryanair -

Flugbegleiter der Ryanair. © Ryanair

Bei Ryanair wächst der Widerstand gegen die Arbeitsbedingungen weiter. Nachdem der irische Billigflieger seinen Piloten deutliche Gehaltszugeständnisse angekündigt hat, hat nun die deutsche Flugbegleitergewerkschaft Ufo die Airline zu Tarifverhandlungen für die 700 bis 1000 in Deutschland stationierten Flugbegleiter aufgefordert.

Die Gewerkschaft Ufo bezeichnete die gegenwärtigen Arbeits- und Vergütungsbedingungen der Ryanair als "in Deutschland schlicht illegal". Ryanair beschäftige Flugbegleiter nach irischem Recht, das kürzere Kündigungsfristen, weniger Urlaubstage und vor allem die dauerhafte Anstellung in Leiharbeit ermögliche.

Die günstigen Ticketpreise dürften nicht länger zu Lasten der Beschäftigten gehen, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies. Ryanair verschaffe sich durch "Lohndumping und Umgehung gesetzlicher Bestimmungen unfaire Wettbewerbsvorteile". Insofern seien auch die Beschäftigten der insolventen Air Berlin Opfer von "Konkurrenten, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten".

Flugstreichungen führen zu Boni für Piloten

Bislang hat Ryanair Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften strikt abgelehnt und stattdessen mit lokalen Betriebsvertretungen gesprochen. Das Unternehmen steht unter Druck, für seine ehrgeizigen Wachstumsziele ausreichend Personal zu rekrutieren und musste aus Pilotenmangel bis zum Frühjahr rund 20.000 Flüge absagen.

Für in Deutschland stationierte Piloten hatte Ryanair in der Folge bereits Bonuszahlungen und deutliche Gehaltssprünge angeboten. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit will beim Billigflieger bereits seit einiger Zeit über die Arbeitsbedingungen verhandeln. Bislang allerdings ohne Erfolg.

© Flughafen Weeze, Lesen Sie auch: EuGH ermöglicht Klagen gegen Ryanair in Deutschland

Wie einige Piloten suchen nun auch Kabinenmitarbeiter die Unterstützung von Gewerkschaften. Die Mitgliedszahlen der Ufo seien in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen, erklärte Ufo-Chef Alexander Behrens.

Damit spürt der irische Billigflieger nun auch in Deutschland deutlichen Gegenwind. Mitte September hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass Arbeitsrechtsprozesse gegen Ryanair ab sofort nicht mehr nur in Irland geführt werden können.

Die deutschen Beschäftigten würden nun erwarten, dass sich Ryanair zukünftig an deutsche Gesetze hält, hatte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle deutlich gemacht: "Mit der EuGH-Entscheidung gelten die Regeln der Länder, in denen die Beschäftigten stationiert sind. Das begrüßen wir außerordentlich."

Ryanair lehnt Forderungen ab

In einer Stellungnahme lehnte Ryanair-Sprecher Robin Kiely ein Treffen mit der Ufo ab, weil diese falsche Aussagen verbreite. Ryanair-Flugbegleiter könnten bis zu 40.000 Euro im Jahr verdienen und müssten nach irischem Recht in Irland ihre Einkommenssteuer zahlen. Ufo solle die Zeit besser investieren, "um gegen die Arbeits-, Renten- und Lohnkürzungen vorzugehen, die aktuell dem Air-Berlin-Personal als Ergebnis der Lufthansa-Übernahme widerfahren."

In Deutschland konkurrieren die Ufo und die Verdi um die Gunst der Flugbegleiter. In den Lufthansa-Kabinen gilt Ufo als größere von beiden. Bei Air Berlin und Eurowings ist das nicht klar. Mit dem Lufthansa-Billigflieger hatten nun beide Gewerkschaften Tarifverträge abgeschlossen, die auch Air-Berlin-Personal beinhaltet. Auch mit Easyjet gibt es bereits deutsche Verträge für Flugbegleiter.

Von: dh
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