Flugbegleiter streiten mit Ex-Chef Baublies

Exklusiv 10.07.2018 - 07:15 0 Kommentare

Der ehemalige Ufo-Chef Baublies hat drei Jahre lang für Lufthansa-Flugbegleiter die "Agenda Kabine" ausgehandelt. Nun ist er im Vorstand entmachtet, ihm droht der Gewerkschaftsausschluss. Doch er wehrt sich.

Nicoley Baublies. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Nicoley Baublies. © dpa /Frank Rumpenhorst

In der Flugbegleitergewerkschaft Ufo ist nach airliners.de-Informationen ein offener Machtkampf ausgebrochen. So hat der Vorstand kürzlich auf einer außerordentlichen Sitzung Ex-Chef Nicoley Baublies von dessen Aufgaben entbunden. Dieser kündigt im Gespräch mit unserer Redaktion Widerstand an.

Erste Stimmen für die Abberufung Baublies' vom Posten des Vorstands für Tarif und Öffentlichkeitsarbeit waren bereits im vergangenen Herbst laut geworden. Doch das neunköpfige Gremium sträubte sich dagegen. "Natürlich fragen wir uns im Vorstand, ob wir alles Notwendige getan haben, um die Situation hinzubekommen", berichtet ein Vorstandsmitglied. "Es gab aber einen Punkt, ab dem eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr gewährleistet war. Und dann muss ein Gremium auch handeln."

Übergabe an den neuen Chef hakte

Denn: Im April 2016 hat Baublies den Vorstandsvorsitz an Alexander Behrens abgeben. Die Übergabe soll gehakt haben und das trotz externer Mediatoren, die zum Einsatz kamen. "Die Wege zwischen beiden gingen immer weiter auseinander."

Baublies hatte sich in der Ufo einen Namen als Hardliner gemacht, weil er 2015 drei Jahre lang für die Lufthansa-Flugbegleiter die "Agenda Kabine" aushandelte. In Kranich-Kreisen spricht man von einem Tarifabschluss, der "finanziell wehtat"; bei Ufo heißt das Ergebnis anerkennend nur "Agenda Baublies".

Langjähriger Kündigungsschutz

So hat Ufo die Mitarbeiter unter anderem umfassend gegen eine etwaige finanzielle Schieflage des Konzerns abgesichert, die umstrittene Übergangsversorung erhalten, die Mitbestimmung ist gestärkt und ein langjähriger Kündigungsschutz ausgehandelt worden. Am Ende soll es bei Lufthansa geheißen haben, man müsse den Vorschlag nun annehmen - noch länger könne man nicht verhandeln.

© dpa, Wolfgang Krumm Lesen Sie auch: Luftfahrt-Tarifexperte: "Ufo-Mitglieder waren des Tariftheaters müde"

Der Chefunterhändler des Konzerns soll kurz nach der Einigung längere Zeit abwesend gewesen sein. Sein Vertreter soll entsetzt gewesen sein, worauf man sich eingelassen hatte, heißt es.

Vertrag mit 29 Einzelverträgen

"Die Verhandlungen liefen sehr stark auf Baublies zugeschnitten. Er hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe und kann viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten", berichtet ein Kollege anerkennend. Der von Baublies erzielte Tarifabschluss sei "sehr gut" für die Mitarbeiter.

Doch genau das wurde ihm nun offenbar zum Verhängnis: "Erst jetzt wurde allen so richtig klar, wie komplex das gesamte Tarifwerk ist" - von 29 einzelnen Kapiteln ist die Rede. "Letztlich kumuliert alles im Vertrag 'Monitoring'"; es sei alles eine "Blackbox", und niemand würde die genauen Zahlen kennen, die am Ende rauskommen.

Baublies gesteht Komplexität ein

"Klar ist der Vertrag komplex", so Baublies im Gespräch mit unserer Redaktion. "Aber ich glaube das geht" - schließlich habe die Gewerkschaft gut besetzte Gremien und mittlerweile zwölf hauptamtliche Mitarbeiter, allein in der Tarifabteilung.

Baublies räumt auch ein, dass man an der ein oder anderen Stelle zu detailverliebt gewesen sei. Aber: "Deswegen sind wir bereit gewesen in Verhandlungen zu gehen, in denen einige Punkte nachverhandelt werden sollten."

"Ihr seid nicht mehr präsent"

Doch genau diese Nachverhandlung sei laut Baublies nicht geschehen - stattdessen ignoriere der Ufo-Vorstand die Forderungen der Mitglieder. "Es beschweren sich Kollegen, einige treten sogar aus und sagen uns: 'Ihr macht ja nix mehr, seid nicht mehr präsent!'"

Eskaliert ist die Situation wegen eines Facebook-Postings von Baublies Anfang Juni. Ein vertrauliches Schreiben mit Kritikpunkten am Kurs des Ufo-Vorstands wurde in der Gruppe "Freunde der Unabhängigen Flugbegleiter" publik - Mitglied sind dort aber nicht nur Arbeitnehmer.

Mitgliederversammlung Mitte September

Der Ufo-Vorstand spricht von "vereinsschädigendem Verhalten", Mitte September könnte die Mitgliederversammlung Baublies aus dem Vorstand abberufen und gar ein Ausschlussverfahren anordnen. Er spricht davon, dass der Gang auf Facebook die "schlechteste Alternative" gewesen sei - "aber es war auch die einzige".

Bereits Wochen vorher hätte er im Vorstand klargemacht, dass sich der Kurs ändern müsse: "Zehn Schlüssel habe ich ausprobiert, der elfte ist Dynamit. Aber ich bin überzeugt davon, dass die Tür aufgehen muss", soll Baublies damals laut Teilnehmern gesagt haben.

Baublies fordert mehr Engagement

Die Lethargie seiner Gewerkschaft hat Baublies mehrfach angemahnt. "Einmal wollte er, dass wir unsere Meinung zur Großen Koalition öffentlich äußern. Aber das wäre kontraproduktiv für unsere Ziele, wenn wir zum Beispiel mit dem Verkehrsminister zusammenarbeiten", erzählt ein Vorstand. "Wir müssen uns einfach mehr engagieren", verteidigt sich Baublies heute.

Ich hab Sorge, dass wir über den Tisch gezogen werden.

Nicoley Baublies, Vorstand von Ufo

Dabei geht es Baublies gar nicht um Statements zur aktuellen politischen Landschaft, er will mit Ufo den Arbeitgebern "wieder die Stirn bieten", sagt er. "Ich habe Sorge, dass momentan einfach aus einem falschen Harmoniebedürfnis heraus, dem Konflikt mit Lufthansa aus dem Weg gegangen wird. Konzernchef Spohr will die Gewerkschaften systematisch schwächen - damit darf er nicht durchkommen."

Dabei gäbe es dringend Punkte, die man bei der "Agenda Kabine" nachverhandeln müsse und auch bei Eurowings müsse man an die Einigung noch einmal ran. "Wir müssen die Diskussion führen", so Baublies. Am Montagmittag hat er eine einstweilige Verfügung gegen die Abberufung von seinen Ämtern eingereicht.

Von: cs
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