Beruf & Karriere

Flugbegleiter sind Allround-Talente über den Wolken

28.09.2015 - 11:55 0 Kommentare

Las Vegas, Singapur oder Tokio - Flugbegleiter bereisen die ganze Welt. Auf den ersten Blick ist es ein Traumberuf. Doch er verlangt einem auch viel ab. Dafür locken nach Feierabend schöne Aussichten.

Eine Flugbegleiterin der Condor beim Service in der Business Class. - © © Condor -

Eine Flugbegleiterin der Condor beim Service in der Business Class. © Condor

Was für viele den Start in den Urlaub bedeutet, ist für Flugbegleiter der normale Arbeitsalltag. Ob von Frankfurt nach New York oder nach München - die Zeit vor dem Abflug und über den Wolken ist für sie reine Routine. Passagiere begrüßen, Koffer verstauen, Sandwiches und Getränke verteilen. Das ist nur ein kleiner Teil der Aufgaben. Das Personal an Bord sorgt für einen reibungslosen Flug.

"Als Flugbegleiter kümmern wir uns in erster Linie darum, dass sich die Passagiere an Bord wohl und sicher fühlen", sagt Susanne Gier. Die 46-Jährige ist seit 24 Jahren Flugbegleiterin bei der Fluggesellschaft Condor und war bisher schon auf weit mehr als 1000 Flügen rund um den Globus im Einsatz. Die Schicht an Bord beginnt dabei schon lange vor Abflug, während die Passagiere sich noch am Check-in tummeln. Das kann je nach Abflugzeit auch mal mitten in der Nacht sein.

Überprüfen der Notausrüstung gehört zum Job

In einem Briefing besprechen die 46-Jährige und ihre Kollegen zuerst alle Besonderheiten des Flugs und teilen die Zuständigkeiten ein. Dazu zählen auch Aufgaben, die für die Gäste nicht direkt sichtbar sind, etwa das Überprüfen der Notausrüstung. Sind die Gäste dann an Bord, schlüpfen die in Uniform gekleideten Stewardessen und Stewards in die Rolle der Ansprechpartner, Gastronomen und auch Erste-Hilfe-Dienstleister.

Was man in dem Job vor allem mitbringen muss, ist eine Menge Stresstoleranz und Empathie. "Man muss seine eigenen Befindlichkeiten auch mal wegstecken können", sagt Daniel Flohr von der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation UFO. Auf den Reisen rund um die Welt begegnen Flugbegleiter tagtäglich anderen Kulturen, mit denen der Umgang oft viel Fingerspitzengefühl bedarf.

Klassisches Wochenende gibt es nicht

Flexibilität ist dabei nicht nur im Kontakt mit den Passagieren gefragt. Ob der Rio-de-Janeiro-Flug über Silvester oder ein Business-Flieger an einem Montagmorgen: Flugbegleiter werden an sieben Tagen in der Woche und an 365 Tagen im Jahr gebraucht. "Feiertage oder das klassische Wochenende kennt man da nicht", sagt Flohr. Auch wenn Mitarbeiter für den Dienstplan teilweise Wunschdestinationen oder -tage äußern dürfen, müssen sie sich auf Flüge weltweit und zu jeder Uhrzeit einstellen. In der Regel sind sie an rund 20 Tagen pro Monat im Dienst.

Wer als Flugbegleiter Teil einer Bord-Crew werden möchte, muss mindestens 1,60 Meter groß und 18 Jahre alt sein. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Allerdings sind für den Umgang mit internationalen Passagieren gute Englischkenntnisse eine Grundvoraussetzung. "Auch Erfahrungen in der Gastronomie- oder Servicebranche sind hilfreich", sagt Frank Petro. Er ist Trainingsmanager bei Air Crew Service, einer Ausbildungseinrichtung für Kabinenpersonal in München. Wichtig sei auch die körperliche Eignung: "Man bewegt sich ständig in einem Wechsel zwischen Zeit- und Klimazonen", sagt Petro. "Das kann auf Dauer belastend sein."

Schulung dauert sechs bis acht Wochen

Der klassische Weg zum Flugbegleiter führt über eine sechs- bis achtwöchige Schulung bei einer Fluggesellschaft, da sie speziell für ihre Maschinen und Flotten ausbilden können. Für den Job über den Wolken lernen die Auszubildenden zum Beispiel theoretische Grundlagen der Luftfahrt oder Kommunikationsregeln der Kabinenbesatzung. "In der Luft müssen alle Verfahren einwandfrei laufen", sagt Petro. "Vor allem in kritischen Situationen." Auch praktische Übungen wie Feuerlöschen, Erste-Hilfe- und Überlebenstrainings stehen daher auf dem Stundenplan.

Im Anschluss an die Ausbildung sind Flugbegleiter fester Teil der mehrköpfigen Crew an Bord. Nach ein paar Jahren Berufserfahrung ist ein Aufstieg zum Kabinenchef, dem sogenannten "Purser" möglich, der auch leitende Aufgaben und die Kommunikation mit dem Cockpit übernimmt. In Luftfahrtgesellschaften wie Condor arbeiten Flugbegleiter außerdem häufig in der Zentrale mit, zum Beispiel als Marketing-Mitarbeiter oder Betreuer des Kabinenpersonals.

© Air Berlin, Lesen Sie auch: Airlines benötigen nicht nur in der Luft qualifiziertes Personal

Je nach Airline variiert auch das Gehalt. Die Bundesagentur für Arbeit spricht von “regionalen und branchenabhängigen Einkommensunterschieden”. Das Grundgehalt könne zum Beispiel einschließlich der Schichtzulage nach dem Ausbildungsende rund 1.850 Euro brutto im Monat betragen. Die Lufthansa beziffert beispielsweis bei einem Vollzeit-Vertrag die Einstiegsvergütung mit 1.670 Euro monatlich. Dazu kommt eine Schichtzulage von 16,3 Prozent, die derzeit steuerfrei ist.

Neben dem Gehalt sammeln Flugbegleiter über ihre Berufslaufbahn hinweg viel Reiseerfahrung. Malediven, Phuket, New York - wer das Reisen liebt, kommt bei dem Job voll auf seine Kosten. Bei Langstrecken-Flügen bleiben der Crew vor Ort meistens ein bis zwei Tage, um sich vom Flug zu erholen. Zeit genug, um ein bisschen Urlaubsfeeling zu genießen. "Man startet manchmal in der Kälte und sitzt nach dem Flug dann mit seinen Füßen im weißen Sand", sagt Susanne Gier. "Da vergisst man oft, dass man eigentlich gerade im Dienst ist."

Aktuelle Stellenausschreibungen für Flugbegleiter - für den Beruf gibt es auch die Bezeichnungen Air Hostess (f), Cabin Attendant (m/f), Flight Attendant (m/f) oder Steward/Stewardess - gibt es hier im airliners.de-Stellenmarkt.

Wer sich generell über einen neuen Job oder Umschulungs- sowie Trainingskurse in der Luftfahrtbranche informieren will, findet viele Angebote im Luftfahrt-Stellenmarkt sowie in der Trainings-Kursdatenbank auf airliners.de.

Von: gk, dpa
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