Flug wegen Streik verspätet: Airline muss Uhrzeiten angeben

11.11.2013 - 10:48 0 Kommentare

Verspätet sich ein Flug wegen eines Streiks, muss die Fluggesellschaft genau angeben, wann das der Fall war. Ein pauschaler Verweis auf "politische Unruhen" reicht nicht, urteilte jetzt ein Gericht.

Ein Flugzeug startet in der Abenddämmerung  - © © dpa - Hauke-Christian Dittrich

Ein Flugzeug startet in der Abenddämmerung © dpa /Hauke-Christian Dittrich

Kommt es wegen politischer Unruhen zu Streiks am Flughafen und verspäteten Flügen, muss die Airline genau darlegen, wann diese stattfanden. Der pauschale Hinweis, dass es in Folge der Jasmin-Revolution in Tunesien «häufig zu spontanen Arbeitsniederlegungen» gekommen sei, reicht nicht aus. Das entschied das Amtsgericht Düsseldorf (Az.: 39 C 10681/12). Über das Urteil berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift «ReiseRecht aktuell».

In dem Fall hatte der Kläger einen Flug von Düsseldorf nach Djerba gebucht. Geplante Ankunftszeit war 14.50 Uhr, tatsächlich erreichte die Maschine Djerba erst am nächsten Morgen um 3.00 Uhr. Die Kläger haben deshalb laut dem Amtsgericht einen Anspruch auf Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung.

Das Thema Ausgleichszahlung hatte in der Vergangenheit wiederholt Gerichte beschäftigt. In einem Fall kamen die Richter zu dem Schluss, dass Fluggäste Anspruch auf Entschädigung haben, wenn sie ihren Anschlussflug verpasst haben und deshalb am Zielort mit mehr als drei Stunden Verspätung ankommen. Für das Recht auf Ausgleichszahlung sei nur die letztendliche Verspätung am Zielort maßgeblich und nicht die eines der Teilflüge.

In einem anderen Fall urteilte ein Gericht, dass es reiserechtlich einer Annullierung gleichkommt, wenn ein Flugzeug nicht am vorgesehenen Ziel, sondern auf einem Ausweichflughafen landet.

Doch nicht bei jeder Verspätung oder Annullierung eines Fluges bestehen Ansprüche nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Beispielsweise ist das der Fall, wenn ein Triebwerk durch Vogelschlag beschädigt wurde und der Flug deshalb ausgefallen ist. Ein Vogelschlag liege außerhalb des Einflussbereichs der Airline, sie könne nichts dagegen unternehmen, urteilten die Richter.

Und auch ein medizinischer Notfall an Bord eines Flugzeugs ist als außergewöhnlicher Umstand anzusehen. Entstehen daraus Flugverspätungen, so haben Passagiere keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.

Von: dpa, airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Luftrecht kann eine komplizierte Angelegenheit sein. Airline muss bei Stornierung "Taxes" zurückzahlen

    Storniert ein Fluggast ein Ticket, ist die Airline verpflichtet, alle als "Taxes" ausgewiesenen Steuern und Gebühren zu erstatten - unabhängig davon, was sich hinter den einzelnen Posten verbirgt. Die anderen Kostenteile kann die Fluggesellschaft hingegen einbehalten.

    Vom 30.01.2018
  • Andreas Mundt. "Verfahren nicht allein wegen Easyjet entbehrlich"

    Höhere Ticketpreise nach dem Air-Berlin-Aus: Das Bundeskartellamt nimmt Lufthansa ins Visier und beendet die Vorprüfung nun auch nicht, weil Easyjet auf einmal innerdeutsche Konkurrentin ist.

    Vom 29.01.2018
  • Easyjet-Maschine bei der Landung Easyjet muss bei Stornierung Steuern und Gebühren erstatten

    Das Landgericht Frankfurt hat eine Vertragsklausel des Billigfliegers Easyjet zu Flughafengebühren gekippt. Die Fluggesellschaft hatte in den Geschäftsbedingungen ausgeschlossen, ihren Kunden Steuern und Gebühren zu erstatten, falls sie von ihrem Beförderungsvertrag zurücktreten.

    Vom 05.01.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus