Jahresrückblick

Das tragische Ende von Flug MH17

28.12.2014 - 08:13 0 Kommentare

Es ist die zweite rätselhafte Luftfahrt-Katastrophe des Jahres - und wieder ist eine Malaysia-Airlines-Maschine verwickelt: 298 Menschen sterben, als die Boeing 777 mit der Flugnummer MH17 über ukrainischem Kriegsgebiet explodiert.

OSZE-Beobachter besuchen am 18.07.2014 unter Begleitung von prorussischen Separatisten das Unglücksgebiet von Malaysia Airlines Flug MH17 nahe Rassypnoye.

OSZE-Beobachter besuchen am 18.07.2014 unter Begleitung von prorussischen Separatisten das Unglücksgebiet von Malaysia Airlines Flug MH17 nahe Rassypnoye.
© dpa - ITAR-TASS/ Zurab Dzhavakhadze

Prorussische Separatisten übergeben die gefundenen MH17-Flugdatenschreiber an eine Delegation aus Malaysia.

Prorussische Separatisten übergeben die gefundenen MH17-Flugdatenschreiber an eine Delegation aus Malaysia.
© dpa - EPA/ROBERT GHEMENT

Trümmer der am 17. Juli 2014 in der Ukraine abgestürzten Malaysia-Airlines-Boeing.

Trümmer der am 17. Juli 2014 in der Ukraine abgestürzten Malaysia-Airlines-Boeing.
© dpa - AFP PHOTO/DOMINIQUE FAGET

Ein ZDF-Videograb vom 25.07.2014 zeigt Wrackteile der Boeing 777 der Malaysia Airlines (Flug MH17) in der Nähe von Donezk, Ukraine.

Ein ZDF-Videograb vom 25.07.2014 zeigt Wrackteile der Boeing 777 der Malaysia Airlines (Flug MH17) in der Nähe von Donezk, Ukraine.
© dpa - ZDF/dpa

Ein Kameramann filmt am 20. Juli 2014 ein Wrackteil der über der Ukraine abgestürzten Boeing 777 der Malaysia Airlines.

Ein Kameramann filmt am 20. Juli 2014 ein Wrackteil der über der Ukraine abgestürzten Boeing 777 der Malaysia Airlines.
© dpa - Robert Ghement

Australische und niederländische Ermittler untersuchen ein Wrackteil der über der Ukraine abgestürzten Maschine der Malaysia Airlines.

Australische und niederländische Ermittler untersuchen ein Wrackteil der über der Ukraine abgestürzten Maschine der Malaysia Airlines.
© dpa - Igor Kovalenko

Auf einem Rastplatz vor der deutsch-polnischen Grenze steht ein Schwerlasttransport mit Wrackteilen des in der Ostukraine am 17. Juli abgeschossenen Flugzeuges MH17 zur Weiterfahrt in die Niederlande bereit.

Auf einem Rastplatz vor der deutsch-polnischen Grenze steht ein Schwerlasttransport mit Wrackteilen des in der Ostukraine am 17. Juli abgeschossenen Flugzeuges MH17 zur Weiterfahrt in die Niederlande bereit.
© dpa - Jochen Lübke

Das Schicksal der Menschen an Bord von Flug MH17 bewegt die Menschen.

Das Schicksal der Menschen an Bord von Flug MH17 bewegt die Menschen.
© dpa - EPA/Koen Van Weel

Das Schicksal von Malaysia Airlines Flug MH370 ist noch nicht geklärt, da wird die Fluggesellschaft von der nächsten Katastrophe heimgesucht: Am 17. Juli 2014 sterben alle 298 Passagiere des Fluges MH17. Die Boeing 777 ist auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur, als sie über ostukrainischem Krisengebiet in der Nähe von Donezk plötzlich vom Radarschirm verwindet.

Die Maschine ist vermutlich abgeschossen worden. Ein Untersuchungsbericht des niederländischen Sicherheitsrates legt diesen Schluss nahe. Darin heißt es, dass die Boeing von zahlreichen Objekten in der Luft durchbohrt worden sei, bevor sie in der Luft auseinanderbrach und abstürzte. Technisches oder menschliches Versagen schließen die Experten zunächst aus, auch wenn noch nicht alle Trümmerteile untersucht worden sind.

Von einem Abschuss spricht der holländische Sicherheitsrat zwar nicht, der australische Premier Tony Abbot sagt jedoch: Die Ergebnisse würden zur Annahme seiner Regierung passen, dass das Flugzeug von einer großen Boden-Luft-Rakete getroffen worden sei. An Bord von MH17 sind 38 Australier gestorben, zwei Drittel der Toten kommen jedoch aus Holland. Darum hatte die Ukraine, eigentlich offiziell verantwortlich für die Bergung und die Untersuchungen, die Aufarbeitung an die Niederländer delegiert.

© airliners.de, Lesen Sie auch: „Sir Tim, wurde MH17 bewusst abgeschossen?“

Chaos an der Absturzstelle

Das Absturzgebiet ist umkämpft, darum ist eine geordnete Untersuchung zunächst unmöglich. Auch die Bergung und die Überstellung der Opfer nach Holland passiert erst nach mehreren Tagen. Der Grund: Die das Absturzgebiet kontrollierenden Separatisten erlauben zunächst nur OSZE-Beobachtern den Zutritt zur Unfallstelle.

Auch um die Flugschreiber gibt es zunächst Verwirrung. Kurz nach dem Absturz behaupten Rebellen und ukranische Stellen jeweils, sie hätten die Black Box geborgen. Dann heißt es von den Separatisten, sie hätten die Flugschreiber doch nicht. Fünf Tage nach dem Unglück übergeben sie dann doch die Flugschreiber an Vertreter der Malaysia Airlines.

Trümmer der abgestürzten Malaysia-Airlines-Boeing in der Ukraine. Foto: © dpa, ITAR-TASS/ Zurab Dzhavakhadze/dpa

Der Hickhack hat einen politischen Hintergrund: Die Ukraine hält die abtrünnigen Rebellen für den Abschuss verantwortlich. Die prorussischen Separatisten behaupten dagegen, nichts mit dem Absturz zu tun zu haben und verdächtigen ihrerseits die Ukraine. Für den Westen steht dagegen Russsland als Übertäter fest. Ein Kremlsprecher bezeichnet es dagegen als "Blödsinn", Russland mit dem Absturz in Zusammenhang zu bringen. In den gegenseitigen Vorwürfen geht es um angebliche Verlagerungen von Flugabwehrgeschützen und um angeblich aufsteigende Kampfflugzeuge, angebliche Beweise an den Trümmern, Einträge in sozialen Netzwerken, Fotos und sonstige Dokumente.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die Wrackteile untersucht werden können. Erst zwei Wochen nach dem Unglück bekommen die Flugunfalluntersucher zum ersten Mal vollständigen Zugang zu dem Gelände. Die Unglücksstelle muss dafür von niederländischen und australischen Soldaten abgesichert werden. Mehr als 100 Experten sammeln mit Hilfe von Spürhunden weitere menschliche Überreste und die persönlichen Gegenstände der Toten ein. Wegen der anhaltenden Gefechte zwischen der ukrainischen Armee und den Separatisten müssen die Ermittler ihre Arbeit jedoch immer wieder unterbrechen.

Forderungen nach mehr internationaler Zusammenarbeit

Ungeachtet der politischen Folgen aus dem mutmaßlichen Abschuss muss die Tragödie von Flug MH17 auch Folgen für die zivile Luftfahrt haben. Wie konnte es sein, dass einige Fluggesellschaften den Luftraum über der Krisenregion schon länger gemieden haben, andere aber einfach darüber hinwegflogen?

Nicht nur Malaysias Premierminister Najib Razak fordert nach dem Zwischenfall mehr internationale Zusammenarbeit im Luftverkehr. Der Austausch von Wissen und Fluginformationen müsse verstärkt werden, um zu vermeiden, dass sich eine solche Katastrophe wiederhole.

"Nach MH17 müssen wir kollektive Sicherheit über nationale Interessen stellen", schreibt der 61-Jährige in einem Kommentar für die "Financial Times". Es gäbe keine staatenübergreifende Behörde, die zuständig wäre, die Sicherheit im Luftraum zu gewährleisten. "Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), die internationale Luftfahrtstelle der UN, gibt Empfehlungen zu Regionen, die es zu meiden gilt - aber sie erklärt Flugrouten nicht für unsicher", so Razak. Stattdessen seien die einzelnen Länder für Warnungen zu ihrem Luftraum verantwortlich und jede Airline gehe anders mit dem Überfliegen von Konfliktzonen um.

© dpa, Jochen Lübke Lesen Sie auch: Konvoi mit MH17-Wrackteilen durchquert Deutschland

Die Bergung der Trümmerteile beginnt derweil am 17. November - genau drei Monate nach dem Absturz. Mitglieder der Katastrophenschutzbehörde der selbst ernannten Republick Donezk sägen die Wrackteile auseinander. Sie werden über Deutschland nach Holland transportiert, wo sie wieder zusammengebaut werden sollen.

Die Ermittler hoffen, dadurch Hinweise auf die Absturzursache zu bekommen. Ob, wie, warum und vor allem von wem die Maschine abgeschossen worden sein könnte sind die Fragen, die dennoch vielleicht nie mit 100 prozentiger Sicherheit beantwortet werden können.

Alle Meldungen zu Malaysia Airlines Flug MH17

Weitere Jahresrückblicke finden Sie hier:

Von: airliners.de, dpa, dpa-AFX, AFP
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