Niki-Verkauf kann wohl nicht für Air-Berlin-Kredit genutzt werden

12.01.2018 - 08:23 0 Kommentare

Die 20 Millionen Euro, die Vueling für Niki bezahlen will, fließen laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther nicht in den Topf der Air Berlin. Indes plant der Ferienflieger schon den Neustart - auch wenn die Übernahme juristisch wackelt.

Flugzeug der Air-Berlin-Tochter Niki. - © © AirTeamImages.com - Danijel Jovanovic

Flugzeug der Air-Berlin-Tochter Niki. © AirTeamImages.com /Danijel Jovanovic

Dass der Bund den an die insolvente Air Berlin vergebenen Millionenkredit komplett zurückerhält, wird immer unwahrscheinlicher. So warnt nun Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther, dass der Erlös aus dem Verkauf der Ferienflieger-Tochter Niki nicht zur Tilgung des Massedarlehens genutzt werden könne.

Schließlich gehe es hier um einen Verkauf der Niki-Assets und nicht um einen komplette Veräußerung des österreichischen Ferienfliegers, berichtet das "Handelsblatt". Somit fließe das Geld von IAG-Billigflieger Vueling in die Insolvenzmasse der Niki.

Der Bund hatte Air Berlin nach Bekanntwerden der Pleite mit 150 Millionen Euro in der Luft gehalten - offiziell, um deutsche Urlauber während der Sommerferien nach Hause zu bringen. Inoffiziell vermuteten Branchenkenner, dass damit lediglich die Slots der Air Berlin gesichert werden sollten, damit der Carrier attraktiv genug für eine Übernahme bleibt.

Rückzahlung des
Air-Berlin-Bundeskredits
Angaben in Millionen Euro
LGW-Kauf
der Lufthansa
18
Easyjet übernimmt
Tegel-Engagement
40
Offener Betrag
(inklusive Zinsen)
107

Anmerkungen:
Der Kaufpreis von Thomas Cook für die Air-Berlin-Tochter Aeronautics (Aviation) ist nicht bekannt.
Laut Angaben des Bundes sind bis zum 9. Januar 61 Millionen Euro zurückgezahlt worden. Quelle: Eigene Recherche

Laut Flöther sei der staatlichen KfW-Bank im Sommer Niki als Sicherung für das Darlehen zugesprochen worden. Da Niki jedoch nicht komplett verkauft werden konnte - sondern nur die Assets in einem "Fire Sale" nach dem Insolvenzantrag -, könnten die 20 Millionen Euro nicht auf der Air-Berlin-Seite verbucht werden.

Doppelrolle

Lucas Flöther ist sowohl bestellter Insolvenzverwalter der Air Berlin - der Antrag dort wurde am 15. August eingereicht, das Verfahren am 1. November eröffnet -, als auch vorläufiger Insolvenzverwalter von Niki - der Antrag wurde am 14. Dezember eingereicht, das Verfahren ist noch nicht eröffnet. Um Interessenskonflikte bei Forderungen von Unternehmen innerhalb der Air-Berlin-Gruppe zu vermeiden, wurde Rainer Eckert nach Informationen von airliners.de zum Sonderinsolvenzverwalter bestellt.

Vueling hatte kurz vor Jahresende den Kaufvertrag für Niki unterschrieben. Über das österreichische Tochterunternehmen Anisec sollen Teile des Ferienfliegers übernommen werden. Zuvor war ein Komplettverkauf der Air-Berlin-Tochter an den Lufthansa-Konzern gescheitert.

Ausstiegsklausel von Vueling

Doch der vereinbarte Verkauf an den IAG-Billigflieger scheint auf einmal in der Schwebe zu hängen. Das Fluggastrechteportal "Fairplane" hat in zweiter Instanz erwirkt, dass das Niki-Insolvenzverfahren nach Österreich verlegt werden muss. Wie airliners.de aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat Vueling für den Fall, dass ein anderer Insolvenzverwalter berufen wird, vertraglich ein Ausstiegsrecht zugesichert bekommen.

Zwar hat die Niki-Geschäftsführung - die in engem Kontakt zum vorläufigen Insolvenzverwalter Flöther steht - vor dem Bundesgerichtshof Beschwerde eingelegt, doch der Fall könnte vors EuGH gehen und somit wertvolle Zeit kosten. Abgesehen davon muss am Ende auch die EU-Kommission dem Kauf noch zustimmen.

Neues Bieterverfahren über Komplettverkauf möglich

Auch auf einer anderen Ebene läuft die Uhr gegen Niki. Denn ein österreichischer Insolvenzverwalter könnte das Bieterverfahren um Niki neu aufrollen, wenn er der Meinung ist, es könnte ein besserer Deal gemacht werden - zum Beispiel über den Komplettverkauf der Niki. IAG hatte sich allerdings aus dem ursprünglichen Poker um Niki schnell verabschiedet. Angeblich störte den Konzern, dass der Ferienflieger im Rahmen der Air-Berlin-Restrukturierung einen äußerst teuren Deal mit Tuifly von der Mutter übernommen hatte - dieser hätte bei einem Komplettverkauf weiter an Niki gehaftet.

Die Niki-Spitze will das eigene Insolvenzverfahren hingegen schnell eröffnet haben, um den Verkauf an Vueling abzuwickeln. Dies will man mit einer juristischen Finte erreichen: Der 20-Millionen-Euro-Deal solle weiterhin im Zuständigkeitsbereich Flöthers liegen, während ein Sekundärverfahren in Österreich laufe. Hierfür war am Donnerstag der Antrag gestellt worden.

Niki will wieder abheben

Bis Ende März hat Niki für Vueling noch einen Wert, so Experten. Danach kann das österreichische Verkehrsministerium die "operating license" inklusive der Slots nicht mehr aufrechterhalten. Um dem gegenzusteuern, hat Vueling laut Medienberichten bereits jetzt über drei Millionen Euro in Niki gepumpt - das Volumen der Übergangshilfen ist bislang auf 16,5 Millionen Euro gedeckelt.

Indes ist klar, dass Niki nach der anvisierten Übernahme durch Vueling (Anisec) zunächst weiter existieren wird. Laut Unternehmenskreisen soll bereits im Februar der Ticketverkauf starten; der Erstflug unter einem neuen Eigentümer des österreichischen Carriers ist demnach kurz nach Beginn des Sommerflugplans Ende März geplant. Vueling darf Niki erst nach dreijähriger Übergangszeit zu sich nach Spanien holen und voll konsolidieren.

Von: cs
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