Air-Berlin-Bundeskredit wird wohl nur zur Hälfte getilgt

24.01.2018 - 16:53 0 Kommentare

Gläubigerversammlung von Air Berlin: Abwickler Flöther äußert sich zu offenen Forderungen von Bund und Passagieren sowie zu einer Klage gegen Etihad - und ehemaligen Piloten.

Bei Air Berlin ist die Luft raus. - © © dpa -

Bei Air Berlin ist die Luft raus. © dpa

Der millionenschwere Kredit der Bundesregierung für Air Berlin wird wohl nur zur Hälfte zurückgezahlt. Dies kündigte Insolvenzverwalter Lucas Flöther auf der Gläubigerversammlung der Air Berlin Luftverkehrs KG an.

Das ist eine vorsichtige Prognose.

Lucas Flöther, Insolvenzverwalter von Air Berlin

Von den 150 Millionen Euro, die der Bund der insolventen Airline über die staatseigene Förderbank KfW zur Verfügung stellte, würden laut Flöther voraussichtlich mindestens 75 Millionen Euro zurückgezahlt. Rechnet man die Zinsen mit ein (Medien spekulierten damals über zehn Prozent), deckt die Summe nicht einmal die Hälfte des Darlehens ab.

Rückzahlung des
Air-Berlin-Bundeskredits
Angaben in Millionen Euro
LGW-Kauf
der Lufthansa
18
Easyjet übernimmt
Tegel-Engagement
40
Offener Betrag
(inklusive Zinsen)
107

Anmerkungen:
Der Kaufpreis von Thomas Cook für die Air-Berlin-Tochter Aeronautics (Aviation) ist nicht bekannt.
Laut Angaben des Bundes sind bis zum 9. Januar 61 Millionen Euro zurückgezahlt worden. Quelle: Eigene Recherche

Hätte die EU-Kommission damals nicht die Niki-Übernahme durch die Lufthansa Group blockiert, wären über das Paket LGW/Niki noch einmal knapp 190 Millionen Euro in die Insolvenzmasse geflossen und das Bundesdarlehen abgesichert gewesen. Niki wurde nun allerdings in einem eigenständigen Verfahren verkauft, weswegen sowohl der anvisierte Kaufpreis von Vueling (20 Millionen Euro), als auch die mit Niki Lauda vereinbarte, unbekannte Summe nicht in den Topf der Air Berlin fließen.

Der Bund hatte Air Berlin nach Bekanntwerden der Pleite mit 150 Millionen Euro in der Luft gehalten - offiziell, um deutsche Urlauber während der Sommerferien nach Hause zu bringen. Inoffiziell vermuteten Branchenkenner, dass damit lediglich die Slots der Air Berlin gesichert werden sollten, damit der Carrier attraktiv genug für eine Übernahme bleibt.

Noch einmal 120 Millionen Euro sind "ungesichert"

Doch nicht nur die Forderungen der KfW bleiben wohl zu großen Teilen unbedient. Auch der Fiskus, die Arbeitsagentur und die Sozialkassen "bleiben auf Millionenforderungen sitzen", zitiert der Rechercheverbund "NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung" aus einem vertraulichen Bericht Flöthers.

So seien nicht nur 84 Millionen Euro des Darlehens "ungesichert", sondern auch 121,3 Millionen Euro - Geld, das "Air Berlin dem Fiskus und der Arbeitsverwaltung schuldet", heißt es. Die Bundesagentur für Arbeit hatte nach der Pleite für die 7200 Beschäftigten in Deutschland von August bis Oktober 2017 die Zahlung von Löhnen und Gehältern übernommen.

Flöther: "Keine Quotenaussicht"

Den "einfachen" Gläubigern wie Passagieren, die aufgrund von Flugausfällen und -verspätungen entschädigt werden müssen, machte Flöther keinerlei Hoffnung auf eine finanzielle Entschädigung: "In dem Verfahren gibt es keine Quotenaussicht." Über eine Million Gläubiger mit Forderungen von insgesamt über vier Milliarden Euro gehen wohl leer aus. Forderungen können noch bis 1. Februar angemeldet werden.

Ebenfalls Thema auf der Gläubigerversammlung war eine angestrebte Klage gegen die ehemalige Geldgeberin vom Golf, Etihad. Die Airline hatte ihre Europa-Beteiligung Air Berlin jahrelang mit Geld versorgt, die Zahlungen trotz einer schriftlichen Zusicherung, im Sommer abrupt eingestellt, weswegen die Berliner Insolvenz anmelden mussten.

Schuldfrage

Einer ersten Analyse von Flöther zufolge sind die Gründe für die Insolvenz vor allem intern zu suchen: Das Unternehmen sei gewachsen, ohne neue Unternehmensteile angemessen zu integrieren. Die Rede ist von einem "ständigen Umbau" und einer "ständigen Verlustsituation".

© AirTeamImages.com, Danijel Jovanovic Lesen Sie auch: Darum ist Air Berlin pleite (1) Analyse

Flöther prüfe nun, ob es gegen Etihad oder gegen frühere Verantwortliche Ansprüche gebe. Ein Team der Wirtschaftsprüfer von PwC seien mit der Prüfung der Buchhaltung beauftragt worden. Genauere Einzelheiten zu diskutierten Klagen müssten in den nächsten Monaten noch geklärt werden.

Auch würden rechtliche Schritte gegen die sogenannten Go-Sicks im vergangenen September geprüft. Die massenhaften Krankmeldungen zahlreicher Piloten hätten einen Schaden von rund fünf Millionen Euro angerichtet.

Flöther rechnet damit, dass sich die Abwicklung der Air Berlin noch ziehen wird. Als groben Zielwert nannte er zehn Jahre.

© dpa, Lesen Sie auch: Das lange Ende der Air Berlin Rückblick

Von: cs
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