Die Born-Ansage (91) ( Gastautor werden )

Fliegerei buchstabiert man neuerdings so: C-H-A-O-S

02.08.2018 - 16:21 0 Kommentare

Statt bequem und entspannt seinen Flug zu genießen, wird fliegen vermehrt zur Farce. Karl Born trägt die chaotischsten Ereignisse in einem "Flug-Bullshit-Bingo" zusammen. Einen Schuldigen gibt es auch.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Ach, wie war es doch vor dem aktuellen Chaos mit dem Fliegen so bequem. Ein Werbespruch von Hapag-Lloyd-Flug, die damals für Qualität standen, lautete (meiner Erinnerung nach) "Ihr Urlaub beginnt mit unserem Flug".

Wer diesen Satz heute laut am Flughafen sagen würde, liefe Gefahr, lustvoll gemeuchelt zu werden. Der Berliner Tagesspiegel sammelt seit langem alle Ausreden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über die alltäglichen Unregelmäßigkeiten bei U-Bahn, S-Bahn und Bus in Berlin, ergänzt diese täglich und nennt das ganze "BVG-Bullshit-Bingo". Ich greife mal den Gedanken auf und mache daraus ein "Flug-Bullshit-Bingo", warum der Urlaub nicht mit dem gebuchten Flug beginnt:

  • Flugzeitenänderung im Vorfeld des Flugs
  • Flugzeitenänderung der bereits erfolgten Flugzeitenänderung
  • verspätete Anzeige der Flugverspätung
  • geänderte Flugverspätungsanzeige
  • keine Info über Flugverspätung
  • Übernachtung am Flughafen wegen Verspätung
  • Übernachtung sitzend/liegend in Sitzmöbeln
  • Übernachtung auf Feldbetten
  • Übernachtung für wenige im Hotel
  • Fahrt im Bus zum geänderten Abflughafen
  • Einstieg in ein Flugzeug einer selbst für Fluginteressierten vollkommen unbekannten Fluggesellschaft
  • stundelanges Sitzen im Flugzeug ohne Info
  • Kurzfristiger Wechsel des Flugzeuges (inklusive folgend jedes der obengenannten Bullshit-Bingo Punkte)
  • Flug ohne aufgegebenes Gepäck
  • doppelte Sitzplatzvergabe (inklusive Herausholen bereits im Flugzeug sitzender Fluggäste).

Das ist nur der Anfang, die Liste lässt sich noch um einiges fortsetzen. Vor allem müssten noch die Unregelmäßigkeiten bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen hinzugefügt werden.

Ja, das alles gab es schon immer, aber ...

Jetzt könnte der geneigte Leser sagen, dass es jede der genannten Unregelmäßigkeiten schon immer gab. Aber das ist der springende Punkt in 2018:

Ja, in Teilen gab es das schon immer, aber nicht täglich über einen so langen Zeitraum und vor allem nicht kumulativ vieler Punkte bei einem Flug wie in 2018.

Wenn Sie demnächst einen Fluggast (oder viele) am Flughafen "Bingo" rufen hören, dann wissen Sie Bescheid, wieder so ein armer Tropf, den es getroffen hat und der Flug mit C-H-A-O-S buchstabiert.

Nur ans Fressen gedacht

Vor allem die Schwierigkeiten von Eurowings bei der Übernahme von Air-Berlin-Teilen überraschen schon, denn Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte ja mehrfach betont, dass sich eine Hundertschaft bei Lufthansa schon seit Monaten (oder Jahren) Gedanken über die "optimale" Übernahme der Konkurrentinn gemacht hatte. Warum macht dann die Eingliederung bei Eurowings solche Probleme?

Ganz einfach: Lufthansa hat nur ans Fressen gedacht, nicht an die Verdauung.

Man hat sich nur Gedanken gemacht, wie "fresse" ich ziemlich viele Kapazitäten der Air Berlin (Kapazität = Flugzeuge und Slots, aber ohne Personal). Aber man hat offensichtlich nicht parallel über ein Projektmanagement "Verdauung", sprich Integration der zu übernehmenden Flugzeuge, nachgedacht.

Ein exzellentes Projektmanagement, wie es die Betriebswirtschaft schon seit Jahrzehnten kennt, berücksichtigt nämlich schon im Vorfeld alle denkbaren Abweichungen. Immer Murphy im Hintergrund: "Alles was schiefgehen kann, geht auch schief."

Der Gegensatz sind Manager, die erst nachdem es schiefging, darüber nachdenken, warum es schiefgegangen ist und wie man sich am besten "zu Lasten der Kunden" möglichst wenig darum kümmert.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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