Fliegen wird das neue Öko

11.04.2016 - 15:31 0 Kommentare

In der vergangenen Woche hat die Zukunft begonnen, glaubt airliners.de-Herausgeber David Haße. Schon bald werden die Menschen umdenken müssen, was Fliegen und Umwelt angeht. Ein elektrischer Gedankenflug.

E-Thrust hybrid concept von Airbus und Rolls Royce für größere Verkehrsflugzeuge mit Elektroantrieb. - © © Airbus -

E-Thrust hybrid concept von Airbus und Rolls Royce für größere Verkehrsflugzeuge mit Elektroantrieb. © Airbus

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In der vergangenen Woche ist etwas Bemerkenswertes passiert: Airbus und der bislang nicht gerade für Flugzeugtriebwerke bekannte Turbinen- und Technologiekonzern Siemens wollen gemeinsam den Durchbruch zum elektrischen Fliegen schaffen. Die beiden Großkonzerne investieren einen dreistelligen Millionenbetrag. Damit ist klar: Das ist kein weiteres Forschungsprojekt für Tüftler. Das hier wird die Zukunft.

Die alte Technik ist maximal ausgereizt. "MAX"imiert sozusagen. Wie sollte Boeing die nächste 737-Generation noch nennen können? Auch eine weitere "neo"-Lösung wird es bei Airbus nicht geben. Die Airlines brauchen Flugzeuge, die massiv weniger verbrauchen. Alles andere wird zukünftig einfach zu teuer. So kommen jetzt ganz neue Ansätze für Verkehrsflugzeuge. Dazu wird es disruptiv - aber nur ein bisschen.

Prinzipiell genial einfach

Wer die generelle Machbarkeit von elektrifiziertem Fliegen anzweifelt und vor den weitgreifenden Veränderungen am bestehenden System von Flughäfen und Infrastruktur warnt, sollte sich die nun vorangetriebenen Hybrid-Projekte genauer anschauen. Die grundsätzliche Idee hinter einem Flugzeug mit Elektro-Hybridsystem ist nämlich keinesfalls besonders abgehoben - vom Prinzip her ist es sogar extrem simpel:

Im Reiseflug werden beim Hybridflugzeug Elektromotoren von einer Batterie angetrieben. Eine Gasturbine läuft ebenfalls mit und erzeugt gerade so viel Strom, um die Batterie auf ein bestimmtes Ladelevel zu bringen und dann zu halten. Ganz aufladen muss die Gasturbine die Batterie nicht, denn das kann warten.

Es ist der Sinkflug, bei dem die Öko-Magie beginnt: Jetzt werden nämlich aus den Elektromotoren des neuen Flugzeugs Windräder, die Strom erzeugen. Das Flugzeug landet mit vollen Batterien. Die haben dann wieder genug Energie, um zusammen mit der Gasturbine ausreichend Kraft für den nächsten Start bereitzustellen. Nur etwas Flüssiggas muss am Boden nachgetankt werden. Nach der energiefressenden Steigphase geht es wieder von vorne los.

Die Gasturbine ersetzt dabei all zu große und schwere Batterien an Bord, die direkt nach dem Start schon wieder halb leer wären. Das Konzept verspricht einen Bruchteil der heutigen Treibhausgas-Emissionen, weniger Lärm am Boden und geringere Kosten für die Fluggesellschaften. Das wiederum ermöglicht letztlich sogar günstigere Tickets.

Wie mein Elektroauto nur besser

Technisch machbar ist das prinzipiell alles schon heute. Die neuen Hybrid-Verkehrsflugzeuge funktionieren nämlich kaum anders als etwa mein Plug-In-Hybridauto, das mit Elektromotor durch die Stadt gleitet und den Benziner nur auf der Autobahn mit anwirft - nur dass ein Hybridflugzeug deutliche Vorteile hat:

Während mein Auto zum Aufladen stundenlang an die Steckdose gefesselt werden muss, lädt das Hybrid-Flugzeug seine Batterie einfach in der letzten Flugphase im Wind auf. Anders als für die Elektromobilität auf der Straße braucht man somit für die fliegende Elektromobilität auch keine grundlegend neue Abläufe am Boden.

In den nächsten vier Jahren soll jetzt die Machbarkeit für den sicheren Betrieb in der Luft bewiesen werden. Bald danach können die ersten Regionalflugzeuge mit Hybridtechnologie abheben, bevor schließlich auch Flugzeuge für über 100 Passagiere elektrisch fliegen.

Das wird sicher nicht einfach. Und dennoch: Es kann tatsächlich klappen mit den selbstgesteckten Umweltzielen der Branche: Bis 2050 sollen die Emissionen der Luftfahrt auf die Hälfte der Emissionen von 2005 fallen. Dann ist Fliegen wirklich das neue Öko.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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