Branche hat klare Klimaziele Fliegen in Zeiten des Klimawandels

13.04.2012 - 12:23 0 Kommentare

Umweltschützer fordern schon seit langem von Flugreisenden, ihre Emissionen durch Spenden auszugleichen. Zahlreiche Organisation leben mittlerweile davon. Sie hoffen, dass Kompensieren schick wird - oder zur Pflicht, denn bislang spenden nur wenige Passagiere. Die Branche hat sich derweil selbst klare Ziele gesteckt.  

Die globale Luftfahrt ist je nach Auffassung für rund zwei, fünf oder zehn Prozent der weltweit von Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich. Obwohl der Anteil des Luftverkehrs also gemessen am gesamten Schadstoffeintrag in die Atmosphäre relativ gering ausfällt, ist die Branche bemüht, so viel wie möglich für die Verbesserung der Klimabilanz zu tun. Helfen könnten dabei auch die Passagiere.

So bieten etliche Airlines und Reiseveranstalter schon seit längerer Zeit ihren Kunden über verschiedene Anbieter die freiwillige Möglichkeit, persönliche Klimafolgen des Fliegens durch Spenden auszugleichen. Im Idealfall wird durch die Investition exakt die Menge CO2 vermieden, die durch den Flug entstanden ist.

Zahlreiche Organisation leben mittlerweile davon, das Thema ist zu einem Geschäftsmodell geworden. Seit 2005 gibt es beispielsweise bei "Atmosfair" die Möglichkeit auszurechnen, wie viel CO2 bei einem Flug entsteht - und dafür eine bestimmte Summe an die Organisation zu spenden. Atmosfair hat allein im letzten Jahr vier Millionen Euro eingenommen.

Das gespendete Geld wird laut Organisation in Projekte investiert, die dazu beitragen, die Entstehung von Kohlendioxid zu verringern - zum Beispiel umweltverträgliche Wasserkraftwerke in Honduras oder Biogasanlagen in Kenia. Die Details sind allerdings umstritten.

Es gibt nicht einmal einheitliche Berechnungen dafür, wie viel CO2 beim Fliegen entsteht - und wie hoch die Kompensationskosten sind. Atmosfair errechnet beispielsweise für den Hin- und Rückflug von München nach Mailand satte 9 Euro für die Kompensation. Bei Studiosus bekommt man dagegen eine 23-tägige Reise durch China für einen Klimaablass von gerade einmal 5,91 Euro.

Alle Kompensationsprojekte seien stark in Misskredit geraten, weil viel geschummelt wurde, fasst Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid die Thematik zusammen und ruft generell zum Verzicht auf: Statt Kitesurfen auf den Malediven könne man allerdings auch in Mecklenburg-Vorpommern Kanu fahren, so der Umweltaktivist.

In der allgemeinen öffentlichen Diskussion um das Fliegen hoffen die Anbieter nun, dass es schick wird, die Folgen des Fliegens durch Spenden auszugleichen. Er habe gehört, "Fliegen sei das neue Rauchen", so Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair. Wenn Kompensieren ein hohes Sozialprestige bekomme, hätten Spender auch einen persönlichen Mehrwert, so bei wie Bio-Lebensmitteln.

Offensichtliches Ziel der Organisation ist dabei, langfristig eine Abgabenpflicht einzuführen. Wenn es bei der Bewusstseinsbildung keine Veränderung gäbe, werde es die Politik schwer haben, "etwas Unbequemes zu beschließen", so Brockhagen.

"Eine Verpflichtung auszusprechen, halten wir für schwierig", sagt dagegen Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV). Das sieht Ute Linsbauer vom Forum anders reisen ähnlich: "Es geht ja auch darum, dem Kunden die Verantwortung nicht abzunehmen, sondern ihn dazu zu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen."

Auch Tui, Marktführer unter den deutschen Veranstaltern, hatte seinen Kunden schon 2008 angeboten, 50 Cent draufzulegen, wenn diese als Beitrag zur CO2-Kompensation mindestens zwei Euro an Myclimate spenden würden. Die Mehrzahl der Kunden hat das Angebot ignoriert. Tui gibt inzwischen in den Katalogen einfach den CO2-Ausstoß an - und überlässt es dann seinen Kunden, ob sie Flüge kompensieren oder nicht und in welcher Höhe.

Branche hat klare Klimaziele

Während die Klimaspenden der verschiedenen Organisationen also derzeit noch zu kaum sichtbaren Ergebnissen führen, ist die Luftverkehrsbranche schon weiter. So hat sich die Branche vor rund zwei Jahren auf einen Plan zur Reduzierung der Emissionen geeinigt.

Der Plan sieht vor, dass der Luftverkehr ab 2020 CO2-neutral wachsen soll. Bis 2050 sollen die Emissionen der Luftfahrt trotz Wachstum sogar auf die Hälfte der Emissionen von 2005 fallen. Dabei setzt die Branche auf zahlreiche operative Maßnahmen, verbesserte Infrastrukturen am Boden und in der Luft sowie neue Technologien.

Ein Großteil der Einsparungen bis 2050 soll dabei auf den Einsatz von Biosprit entfallen. Zahlreiche Tests laufen bereits, wie beispielsweise bei Airbus, Boeing, Rolls-Royce, bei der Lufthansa, KLM und Qatar Airways, um nur einige Zu nennen. Zugleich dringt der Branchenverband IATA auf einen globalen Ansatz zur Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel im Rahmen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO, nachdem die EU einen einseitigen Vorstoß durchsetzen will.

Weitere Informationen: 

 

Von: airliners.de mit dpa
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