Finnair baut das Deutschland-Geschäft aus

12.04.2018 - 07:39 0 Kommentare

Eine neue Strecke ab Stuttgart, mehr Frequenzen in Berlin und größeres Fluggerät: Finnair erweitert das Deutschland-Angebot deutlich - auch um die Air-Berlin-Lücken zu füllen. Wichtigstes Geschäft sind aber die Umsteigeverbindungen nach Asien.

A320 von Finnair am Flughafen München. - © © AirTeamImages.com - Jesus Moreno

A320 von Finnair am Flughafen München. © AirTeamImages.com /Jesus Moreno

Finnair kehrt am 23. April nach Stutgart zurück: Die Airline startet dann wieder täglich nach Helsinki. Auch sonst bringt der Sommerflugplan ein deutliches Wachstum, berichtet Jan Pellinen, Chef für die deutschsprachigen Märkte, im Gespräch mit airliners.de. "Wir haben aus Deutschland 24 Prozent mehr Kapazitäten als 2017."

Besonders markant ist das Plus mit 61 Prozent in Berlin: In Tegel starten die Finnen jetzt viermal täglich. Grund dafür ist wohl vor allem der Wegfall der Air-Berlin-Flüge. "Wir haben uns bemüht, die entstandenen Lücken zu schließen", sagt Pellinen, "wir haben um zwei Flüge aufgestockt, aber auch das Fluggerät vergrößert."

Finnair in Deutschland

Im Sommer bietet die Airline 15 tägliche Flüge ab Berlin-Tegel, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart. Eingesetzt werden Maschinen der A320-Familie sowie Embraer E190, die von der Regionaltochter Norra (Nordic Regional Airlines) betrieben werden. Das Deutschland-Team von Finnair umfasst acht Mitarbeiter. Jan Pellinen ist seit 2009 Vertriebsdirektor für die deutschsprachigen Märkte, seit 2016 General Manager für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Slowenien.

Abflughäfen in Deutschland
Prozent
Berlin-Tegel 32.0
München 19.9
Düsseldorf 17.2
Frankfurt 16.7
Hamburg 9.9
Stuttgart 4.5

Die Grafik zeigt den Anteil der Abflughäfen am Sitzplatzangebot von Finnair im Sommerflugplan 2018.Quelle: ch-aviation

Damit verschieben sich die Gewichte im deutschen Markt: "Unser umsatzstärkster Flughafen war immer Düsseldorf, aber jetzt ist es Berlin", erklärt Pellinen. Dabei wächst das Angebot auch an dem rheinischen Flughafen um rund zehn Prozent, in Frankfurt stockt Finnair durch größeres Fluggerät um zwölf Prozent auf, in München um 16 Prozent.

Um das zusätzliche Angebot abzudecken, setzt Finnair im Sommer in Berlin, aber auch in Wien auf einigen Flügen Wet-Lease-Maschinen ein. Anders als bei vielen Fluggesellschaften gehört das aber bei Finnair nicht zum Geschäftsmodell, betont Pellinen. "Das kann nur eine kurzfristige Lösung sein. Denn wenn ein Kunde Finnair bucht, muss auch Finnair drin sein."

Asien ist das Brot-und-Butter-Geschäft

Besonderheit in Berlin: Finnair steht hier mit der einzigen Low-Cost-Verbindung aus Deutschland nach Helsinki in Konkurrenz - mit Easyjet. Doch der Punkt-zu-Punkt-Verkehr ist ohnehin nicht der geschäftliche Fokus der Finnen - sondern der Umsteigeverkehr Richtung Fernost. "Asien ist das Brot-und-Butter-Geschäft für uns in Deutschland", erklärt der General Manager.

Und die Langstrecken würden in Berlin nun besser gebucht: "Durch die vier Abflüge in Berlin haben wir die Möglichkeit, das gesamte Streckennetz von Finnair zu verkaufen, auch Ziele, für die es vorher keine Anschlüsse gab - etwa Nordamerika und die Karibik."

Werbung für Stuttgart als Reiseziel

Die Passagiere nach Asien machen auch in Stuttgart den Schwerpunkt des Geschäfts aus. Hier ist Finnair in vergangenen Jahren bereits zweimal an den Start gegangen, hat die Route dann aber wieder eingestellt, zuletzt 2012. Hauptproblem dabei: "Stuttgart ist eine typische Einbahnstraße für Finnair gewesen - wir haben den ganzen Verkehr aus Deutschland heraus geschultert."

Das will Pellinen nun ändern - mit umfangreicher Vertriebsarbeit in Auslandsmärkten wie China oder Russland etwa sollen auch kaufkräftige Touristen auf die Flüge gelockt werden. "Stuttgart als Destination ist sehr unbekannt - anders als etwa München", weiß Pellinen.

Er will für die neue Strecke möglichst bald tägliche Anschlüsse Richtung Asien erreichen - möglichst mit zwei täglichen Flügen. "Gerade im Geschäftsreisebereich brauchen wir einen konsistenten Flugplan", so der Finnair-Manager.

Jan Pellinen ist General Manager von Finnair für die deutschsprachigen Märkte. Foto: © Finnair

Deutschland ist laut Pellinen mittlerweile der größte europäische Markt für Finnair - sowohl von der Kapazität als auch vom Umsatz her. Den Grund dafür sieht er vor allem in der Fernost-Expansion seiner Airline. Mit den neuen A350 habe man auch hierzulande Kunden hinzugewonnen.

Der Asien-Verkehr bei Finnair

In Asien fliegt Finnair von Helsinki aus 19 Ziele an, mit Nanjing in China kommt am 13. Mai ein weiteres hinzu. 2010 hatte die Airline angekündigt, den Asien-Verkehr bis 2020 zu verdoppeln. Nach eigenen Angaben wurde dieses Ziel bereits Ende 2017 erreicht.

Passagiere
in Millionen
Kapazität
in Millionen Sitzkilometern
Ticket-Umsatz
in Millionen Euro
Finnair gesamt 11,9 36.922 2020,8
Asien-Strecken 2,1 18.355 881,7

Angaben für 2017. Quelle: Finnair

Pellinen will aber nicht nur auf die Fernost-Passagiere setzen. "Wir versuchen, noch ein paar andere Standbeine aufzubauen." Dazu gehört der touristische Verkehr nach Lappland. Die Kapazitäten von Helsinki in Finnlands hohen Norden werden im kommenden Winter um 15 Prozent erweitert.

Hinzu kommen Nonstop-Flüge nach Kittilä wie im vergangenen Winter erstmals von Zürich aus. "Das war sehr erfolgreich, und das werden wir auch im nächsten Winter wieder anbieten", so Pellinen. Die ursprünglich geplanten Lappland-Flüge ab Frankfurt kamen dagegen nicht zustande. "Das lag an den Slots, aber auch an der Rotation unserer Flugzeuge. Aber wir arbeiten dran."

Von: pra
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