Medien: Commerzbank-Aktionär will Alitalia ganz

03.11.2017 - 10:42 0 Kommentare

Hoffnung für Alitalia? Ein Finanzinvestor aus den USA möchte die finanziell angeschlagene Airline komplett übernehmen. Er hat gegenüber der Lufthansa Group und Easyjet einen entscheidenden Vorteil.

Flugbegleiterinnen der Alitalia.  - © © Telenews -

Flugbegleiterinnen der Alitalia. © Telenews

Die Mitarbeiter der finanziell angeschlagenen Alitalia können offenbar doch noch auf eine Komplettübernahme hoffen. Wie die "Financial Times" unter Berufung auf Insider berichtet, habe der US-Finanzinvestor Cerberus gegenüber dem italienischen Carrier erklärt, er wolle diesen übernehmen, wenn die Airline als "restrukturiertes Komplettpaket" zu haben sei. Cerberus ist seit Ende Juli dieses Jahres durch ein Investment von knapp 700 Millionen Euro der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank.

"Das ist keine Rosinenpickerei", stuft einer der Insider der Zeitung gegenüber ein. "Es geht nicht darum, bestimmte Vermögenswerte auszuwählen, nicht nur Flugzeuge oder bestimmte Strecken zu kaufen, sondern das Geschäft als nationale Fluggesellschaft Italiens zusammenzuhalten", sagte einer. Cerberus wolle Alitalia komplett sanieren. Allein die angestrebte Übernahme solle 400 Millionen Euro kosten.

Cerberus habe allerdings noch kein offizielles Angebot eingereicht, da der Investor die ausgeschriebenen Bedingungen als zu "restriktiv" erachte und zunächst mit der italienischen Regierung verhandeln wolle.

Cerberus hat einen entscheidenden Vorteil

Diese hält eine Mehrheit am ehemaligen Staatscarrier und will auch weiterhin einen Teil an der Airline halten. Zudem hatte Rom klargemacht, dass nur ein Komplettverkauf in Frage komme, und nicht etwa die Trennung von Flugbetrieb und Bodendiensten.

Allerdings hat Cerberus einen entscheidenden Vorteil gegenüber Bietern wie die Lufthansa Group oder Easyjet. Der Kranich hatte angekündigt, nur den globalen Netzwerkverkehr von Alitalia und das europäische Inlands-Punkt-zu-Punkt-Geschäft zu erwerben - es geht um eine "neue Alitalia", die in die Gruppe integriert wird. So solle Rom zum Drehkreuz der Netzwerk-Airlines werden, Eurowings hingegen in Mailand aufschlagen.

Die Gewerkschaften sprachen sich schon gegen die Pläne aus. "Wenn eines der anderen Gebote angenommen wird, wäre es das Ende von Alitalia, wie wir es kennen. Es wäre effektiv eine Liquidation ", sagte ein Vertreter. Angebote, die rund 6000 Entlassungen vorsehen, seien nicht akzeptabel. "Dies wäre eine weitere Niederlage für unsere Regierung."

Billigflieger sind geteilter Meinung

Der Vorstoß von Cerberus kommt kurz nachdem mehrere Interessenten offizielle Kaufangebote für Alitalia eingereicht haben. Sieben verbindliche Offerten sind nach Ablauf der Bieterfrist für Alitalia eingegangen. Diese werden jetzt von den drei Sonderverwaltern geprüft. Angebote liegen von Lufthansa sowie Easyjet vor. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse zurückgezogen.

Alitalia musste im Frühjahr in Insolvenz gehen, nachdem die Mitarbeiter sich gegen einen von Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan gestellt hatten. Der Betrieb wird seit dem von einem staatlichen Kredit gestützt, der nun verlängert wurde:

© Alitalia, Lesen Sie auch: Alitalia beantragt neue Staatshilfen

Von: cs
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