Zollhunde

Feine Nasen gegen Artenschmuggel

19.08.2008 - 19:04 0 Kommentare

Die beiden ersten Artenschutzspürhunde des deutschen Zolls sind seit Dienstag am Frankfurter Flughafen im Einsatz. Die beiden knapp vier Jahre alten Tiere sollen mit ihren feinen Nasen tote und lebende artgeschützte Tiere sowie verbotene Tierprodukte aufspüren, wie der Zoll und die Tierschutzorganisation WWF mitteilten. Ziel sei es, durch den Einsatz der beiden eigens ausgebildeten Hunde den Artenschmuggel an Deutschlands größtem Flughafen nachhaltig einzudämmen.

Amy und Uno sind zwei ganz normale verspielte junge Hunde. Der Zoll am Frankfurter Flughafen will nun die Artenschmuggler mit eben diesem Spieltrieb das Fürchten lehren. Allein am größten deutschen Flughafen habe es im vergangenen Jahr 561 Fälle von Artenschmuggel gegeben, berichteten der Zoll und die Tierschutzorganisation WWF am Dienstag. Dabei seien mehr als 111 000 vom Aussterben bedrohte oder geschützte Tiere oder verbotene Tierprodukte sichergestellt worden, darunter rund 5600 lebende Tiere. Die beiden ersten ausgebildeten Artenschutzspürhunde des deutschen Zolls sollen nun bei der Suche nach Schmuggelgut helfen.

Labrador Uno wedelt freudig mit dem Schwanz. Langsam geht er mit Hundeführer Guido Nikl an einer Reihe Koffer vorbei, bis der etwa vier Jahre alte Rüde wie wild mit seinen Pfoten an einem der Koffer zu kratzen beginnt. Nikl zieht Uno ein Stück an der Leine zurück und lenkt ihn mit einem Kauknochen ab. Die beiden albern ein bisschen herum, während Nikls Hundeführer-Kollege Tobias Groß den verdächtigen Koffer öffnet. Er holt eine weiße Leinentasche heraus, darin krabbelt eine handtellergroße Schildkröte.

Doch so gut wie in diesem Test in der Gepäckkontrollhalle des Zolls am Frankfurter Flughafen geht es den wenigsten geschmuggelten Tieren. «Da werden schon mal 20 lebende Papageien in einen einzigen Koffer gepackt», erzählt ein Zoll-Mitarbeiter. Damit die exotischen Vögel während des Transports in den oft luftdichten Schalenkoffern keinen Radau machen, werden sie oft in Folie eingewickelt, damit sie sich nicht mehr bewegen können. Diese Tortur überlebten in der Regel ungefähr 2 von 20 Tieren, sagt ein Zoll-Fahnder. Trotzdem lohnt sich der illegale Handel mit geschützten Arten für die Schmuggler noch.

Neben professionellen Schmugglern sind es oft auch Touristen, die illegale Mitbringsel aus fernen Ländern im Gepäck haben. Laut WWF-Artenschutzexperte Volker Homes sind die Touristen bei der Einfuhr verbotener Devotionalien durchaus erfinderisch: Ob Pfeilgiftfrösche in Trinkflaschen, Reptilien in leeren Videokassetten-Hüllen oder auch Papageieneier in der Unterhose - die Leute wüssten um die Verbote und versuchten die Kontrolleure auszutricksen. «Dabei vergessen die meisten, dass der Schmuggel bedrohter Arten genau der Grund dafür ist, dass sie vom Aussterben bedroht sind», sagte Homes.

Dass der Zoll eigens zwei Hunde zehn Wochen lang in seiner Hundeschule im mittelfränkischen Neuendettelsau ausbilden ließ, geht auf eine Initiative des WWF zurück. Zusammen mit dem Frankfurter Zoo wollten die Tierschützer wissen, ob Spürhunde überhaupt in Koffern oder Kisten versteckte Tiere riechen können. Vor allem bei Reptilien waren sich die Biologen vor dem Experiment sehr uneins, erzählt der stellvertretende Zoodirektor Rudolf Wicker. «Reptilien riechen kaum, weil sie nur wenige Schweißdrüsen haben», sagt er. Doch schon in den ersten Tests überzeugten die Test-Hunde, die gar nicht speziell auf Tiere, sondern auf Drogen und Sprengstoffe abgerichtet waren.

Dass sich der Aufwand der eigenen Ausbildung von Artenschutzspürhunden lohnt, davon ist WWF-Experte Homes überzeugt. Einer Schätzung von Interpol zufolge werden weltweit jährlich geschützte Pflanzen, Tiere oder daraus hergestellte Produkte im Wert von 13 Milliarden Euro geschmuggelt. Insgesamt 33 000 Tier- und Pflanzenarten weltweit sind durch das Washingtoner Artenschutz-Abkommen geschützt, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Den Artenschmugglern müsse man deshalb so schnell wie möglich das Handwerk legen, sagt Homes.

Uno hat in den vergangenen Tagen schon mal ein bisschen Probe geschnuppert, bevor sein täglicher Dienst am Flughafen beginnt. Und schon dabei hat er erste Erfolge verbucht, berichtet Herrchen Guido Nikl: «Wir haben zwei Mal Kaviar gefunden.» Pro Person sind nur 125 Gramm erlaubt - doch in einem Koffer erschnüffelte der Labrador zwei Kilogramm der teuren Fischeier.

Von: Von ddp-Korrespondent Daniel Staffen-Quandt
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