Köln/Bonn könnte von TNT-Übernahme durch Fedex profitieren

08.04.2015 - 15:31 0 Kommentare

Durch die voraussichtliche Übernahme von TNT Express durch Fedex werden die Karten im weltweiten Expressmarkt neu gemischt. Von dem Zusammenschluss könnte auch der Flughafen Köln/Bonn profitieren.

FedEx-Flugzeuge in Paris - Charles de Gaulle.

FedEx-Flugzeuge in Paris - Charles de Gaulle.
© AirTeamImages.com - Anthony Guerra

Cargo Center am Flughafen Köln/Bonn

Cargo Center am Flughafen Köln/Bonn
© Köln/Bonn Airport

Boeing 777F von TNT

Boeing 777F von TNT
© TNT

Drei Boeing 777F der Fedex stehen am Flughafen Köln/Bonn.

Drei Boeing 777F der Fedex stehen am Flughafen Köln/Bonn.
© Köln/Bonn Airport

In einer gemeinsamen Erklärung haben Fedex und TNT Express ihr Zusammengehen angekündigt. Die Verschmelzung der operationellen und administrativen Tätigkeiten soll bis Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden, hieß es. Das in Memphis ansässige Unternehmen Fedex bietet 4,4 Milliarden Euro für die Übernahme des bisherigen Wettbewerbers TNT.

Es zeichnet sich ab, dass TNT sich aus dem Lufttransport komplett zurückziehen und ihre Frachterflotte veräußern oder teilweise in die Flotte von Fedex integrieren wird. Betroffen davon wäre der Flughafen Lüttich, den TNT Express derzeit als zentralen Luftfrachtknoten nutzt. Vermutlich werden die Aktivitäten verlagert, zum Beispiel nach Paris-Charles-de-Gaulle, wo Fedex seinen Europa-Hub betreibt. Aber auch Köln/Bonn könnte von der Fusion profitieren, da das US-Unternehmen seit 2010 auf dem rheinischen Lufthafen sein Deutschland-Drehkreuz betreibt. Derzeit nutzt Fedex den Airport Köln/Bonn nach eigenen Angaben für mehr als 60 Flüge pro Woche.

Fedex kündigte an, die eigene Offerte zurückzuziehen, sollte ein weiterer Interessent den TNT-Aktionären innerhalb der kommenden zwei Monate deutlich günstigere finanzielle Konditionen bieten. Das ist allerdings unwahrscheinlich, denn als einziger Investor käme die Deutsche Post/DHL in Betracht, deren Vorstoß aber vermutlich keine Chancen auf Genehmigung durch die Wettbewerbshüter hätte.

Zustimmung der Behörden steht noch aus

Auch der Fedex-TNT-Deal steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die EU-Wettbewerbskommission. Diese hatte Anfang 2013 bereits Pläne von UPS mit dem Hinweis auf eine zu große Marktdominanz in Europa vereitelt, sich TNT einzuverleiben. Dies vor allem, weil beide Firmen innerhalb der EU über ein flächendeckendes Kuriernetz verfügen, sich deren Geschäfte also überlappen. Im Falle von Fedex/TNT liegen die Dinge anders, da Fedex in den europäischen Ländern nur wenige Zustellfahrzeuge betreibt. Insofern ergänzen sich speziell in diesem Bereich die Aktivitäten von TNT und Fedex.

Die in Hoofddorp bei Amsterdam ansässige TNT Express fiel ihrem bisherigen Konkurrenten Fedex wie eine reife Frucht in den Schoß. So bietet der US-Paketriese für die Übernahme rund eine Milliarde Euro weniger als seinerzeit UPS. Zudem ist TNT trotz aller Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre finanziell schwer unter Druck: Seit 2011 schreibt das Unternehmen - welches in Europa stark ist, aber global eher die vierte Geige unter den führenden Expressdiensten spielt - kontinuierlich Verluste. Es wird jetzt die Aufgabe von Fedex sein, ihre künftige Tochter wieder in die Gewinnzone zu führen. Dies soll nicht zu Lasten von TNT-Jobs gehen, versicherten beide Unternehmen.

Weltweit bald nur drei große Anbieter

Insgesamt werden durch die sich abzeichnende Fusion die Karten auf dem weltweit rund 20 Milliarden Euro schweren Expressmarkt neu gemischt. Auf absehbare Zeit wird es voraussichtlich nur noch drei große Anbieter geben: Deutsche Post/DHL, UPS und Fedex/TNT.

Der Bonner Postkonzern reagierte gelassen auf die neue Entwicklung. Die Verschmelzung zweier Großunternehmen mit unterschiedlichen Kulturen sei auch immer mit dem Risiko verbunden, das nicht alles nach Plan verlaufe, sagte ein Postsprecher. Dies könnte Kunden dazu bringen, sich neu zu orientieren, zum Beispiel künftig mit der Post/DHL zusammenzuarbeiten.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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