Video zeigt Überschlag bei Landung

FedEx-MD-11 in Tokio verunglückt

23.03.2009 - 18:12 0 Kommentare

Bei einem Landeunfall einer FedEx-MD-11 in Tokio Narita ist am Montagmorgen die Cockpitcrew ums Leben gekommen. Die aus China kommende Maschine war bei der Landung zweimal heftig auf die Runway aufgeschlagen, überschlug sich danach und fing Feuer. Der Unfall scheint Übereinstimmungen mit ähnlichen MD-11-Unglücken in der Vergangenheit zu haben.

Bruchlandung einer MD-11 von FedEx in Tokio am 23.11.09 - © © dpa -

Bruchlandung einer MD-11 von FedEx in Tokio am 23.11.09 © dpa

Ein Video der Unfall-Landung zeigt, wie die Frachtmaschine gegen 6.50 Uhr Ortszeit (22:50 deutscher Zeit am Sonntagabend) zunächt scheinbar normal auf der Runway 34L am Flughafen Tokio-Narita aufsetzt. Das Bugrad scheint dabei allerdings sehr hart aufzuschlagen, so dass das Flugzeug kurz nochmals abhob, bevor es mit der Nase zuerst ein zweites auf der Runway aufschlug, über die linke Fläche rollt und sich in einem Feuerball überschlug.

Das Unglücksflugzeug mit der Registrierung N526FE kam aus dem chinesischen Guangzhou, wo FedEx seit kurzem einen neuen China-Hub betreibt. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten am Flughafen nach offiziellen Wetterangaben Winde aus 310° mit 26 kt, in Böen bis maximal 40 kt (RJAA 222200Z 31026G40KT 9999 FEW020 12/M02 Q1001 NOSIG RMK 1CU020 A2957 P/RR).

Video der Unglückslandung (Aufsetzen ab ca. 30 Sekunden)

Das Feuer konnte nach gut zwei Stunden gelöscht werden. Rund ein Dutzend Feuerwehrwagen waren im Einsatz. Die aus Pilot und der Copilot bestehende Crew konnte nach dem Unfall nur noch tot aus dem Cockpit geborgen werden. Der Flughafen wurde während der Löscharbeiten für den Flugverkehr gesperrt. Als Folge mussten 35 Flüge gestrichen und 18 weitere Flüge umgeleitet werden.

Problem "Relaxed Stability" - Bereits etliche MD-11-Unfälle

Der Landeunfall von Tokio reiht sich augenscheinlich in eine Serie von MD-11-Unfällen nach Pitch-Problemen ein. Die Maschine hat ein relativ kleines Höhenleitwerk. Zudem ist die dreistrahlige Maschine leicht hecklastiger als es Großflugzeuge normalerweise sind. Die spezielle Konstruktion soll den Luftwiderstand verringern und führt dazu, dass die Steuerung des Flugzeugs um die Pitch-Achse ungewöhnlich leichtgängig ist (Stichwort: "Relaxed Stability").

"Dreistrahler" MD-11: Erfolgreich nur als Frachter

Das dreistrahlige Langstreckenflugzeug McDonnell Douglas MD-11 hatte seinen Erstflug im Januar 1990. Die Maschine ist eine Weiterentwicklung der Douglas DC-10. Nach der Übernahme von McDonnell Douglas durch Boeing im Jahr 1997 wurden alle bestellten Exemplare als Boeing MD-11 ausgeliefert - Neubestellungen wurden von Boeing nicht mehr angenommen. Das 200. und letzte Flugzeug wurde am 22. Februar 2001 an Lufthansa Cargo ausgeliefert.

Mittlerweile ist der Typ fast nur noch als Frachtflugzeug anzutreffen, oft auch als Umbau früherer Passagiermaschinen. Im Passagier-Linienverkehr fliegen MD-11 heute nur noch bei TAM, Finnair und KLM. Hauptbetreiber ist FedEx mit fast 60 Maschinen. Lufthansa Cargo betreibt eine MD-11-Flotte von 19 Maschinen.

Übersteuerung der Piloten bei der Reaktion auf eine plötzliche Änderung des Anstellwinkels wurde bei etlichen MD-11-Zwischenfällen als ursächlich festgestellt. Unter Piloten gilt die Landung bei widrigen Windverhältnissen in der MD-11 als besonders anspruchsvoll. Gefährlich kann dabei vor allem die Tendenz der Maschine sein, nach einem ersten Aufsetzen erneut kurz abzuheben.

Auch vor diesem Hintergrund weist der gestrige Unfall starke Übereinstimmungen mit einem ähnlichen Unglück vom 31. Juli 1997 in Newark auf. Auch damals war eine MD-11 der FedEx betroffen, die nach einem instabilen Ausschweben erneut von der Bahn abprallte und sich beim zweiten Aufschlag überschlug (NTSB-Bericht).

Wie schon die FedEx-MD-11 in Newark überschlug sich zwei Jahre später in Hongkong eine MD-11 von China Airlines bei der Landung (HKG CAD-Bericht). Zum Unglückszeitpunkt herrschte am Flugplatz ein Gewittersturm.

Etliche weitere Vorfälle mit zum Teil dramatischen Höhenänderungen und Oszillationen der Maschine und teilweise Toten in der Kabine gab es bei verschiedensten Airlines während des Reiseflugs.

Zudem gab es eine ganze Reihe von mehr oder weniger glimpflich verlaufenen Zwischenfällen bei der Landung. So war beispielsweise die später in Newark verunglückte FedEx-MD-11 bereits 1994 schon einmal bei der Landung in Anchorage mehrfach mit dem Heck auf der Bahn aufgeschlagen, bevor die Crew das Flugzeug stoppen konnte (NTSB-Bericht). 1996 gab es am selben Platz einen weiteren ähnlichen Vorfall mit einer FedEx-MD-11, bei dem die Maschine nach einem versuchten Durchstartemanöver erneut auf der Runway aufschlug (NTSB-Bericht). Auch Maschinen anderer Airlines waren in Landezwischenfälle verwickelt.

Von: airliners.de, dpa
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