Faury wird Nachfolger von Airbus-Chef Enders

09.10.2018 - 09:17 0 Kommentare

Der Führungswechsel bei Airbus ist entschieden: Der Franzose Guillaume Faury folgt im April 2019 auf Konzernchef Tom Enders. Dabei könnte er seine bisherige Position behalten.

Guillaume Faury - © © Airbus -

Guillaume Faury © Airbus

Der personelle Umbau der Airbus-Führung geht in die nächste Runde: Konzernchef soll im April 2019 der Franzose Guillaume Faury werden. Das entschied der Verwaltungsrat am Montag. Wie Airbus mitteilte, soll Faury nach der Hauptversammlung am 10. April 2019 die Nachfolge von Tom Enders antreten. Dort sollen ihn die Aktionäre in den Verwaltungsrat des Luftfahrtkonzerns wählen.

Faury gilt seit längerem als Favorit für die Spitzenposition. Im Februar stieg der 50-Jährige zum Leiter der Verkehrsflugzeugsparte auf, des größten Airbus-Geschäftsbereichs. Vorher hatte er seit 2013 die Helikopter-Sparte geführt.

Einstimmige Wahl im Verwaltungsrat

Enders bezeichnete seinen Nachfolger als "ausgezeichnete Wahl". Der Manager kenne die Branche gut und stehe durch seine Werte und seine internationale Orientierung "für eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten, die Airbus im kommenden Jahrzehnt benötigt". Enders sicherte Faury zu, für einen reibungslosen Übergang zu sorgen.

Verwaltungsratschef Denis Ranque sagte, das Gremium habe geschlossen für Faury gestimmt. Der Konzern habe darüber hinaus sowohl interne als auch externe Kandidaten geprüft.

Das ist der neue Airbus-Chef

Guillaume Faury ist seit Februar 2018 Chef der Sparte Airbus Commercial Aircraft. Er studierte Ingenieurwissenschaften an der renommierten französischen Elite-Hochschule École Polytechnique und Luftfahrttechnik in Toulouse. Er hat auch eine Lizenz als Flugtest-Ingenieur. Seine Karriere begann er bei der französischen Rüstungsbehörde DGA, wo er unter anderem für die Flugtests des Kampfhubschraubers Tiger zuständig war. Später arbeitete er viele Jahre bei Airbus Helicopters, das früher Eurocopter hieß, mit einem zwischenzeitlichen Abstecher zu Peugeot.

Faury soll Medienberichten zufolge weiterhin auch das Verkehrsflugzeuggeschäft leiten. Dafür gab es von Airbus zunächst keine Bestätigung. Allerdings berief der Konzern am Montag auch noch keinen Nachfolger für Faurys bisherigen Posten.

Enders, seit 2012 an der Airbus-Spitze, hatte Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass er keine neue Amtszeit anstrebt. Der von Korruptionsermittlungen erschütterte Luftfahrt-Riese hatte damit einen personellen Neuanfang eingeleitet. Auch Finanzchef Harald Wilhelm geht im kommenden Frühjahr von Bord. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Weitere Spitzenposten werden neu besetzt

Außerdem soll im April 2020 Verwaltungsratschef Ranque abgelöst werden. Aussichtsreicher Kandidat dafür ist der ehemalige Telekom-Chef René Obermann. Auch seine Berufung scheint durch die Benennung Faurys für Beobachter so gut wie sicher. Denn traditionell werden die beiden Spitzenposten bei Airbus unter den beiden Anteilseignern Deutschland und Frankreich aufgeteilt. Sprich ein Deutscher wird CEO und ein Franzose Chefkontrolleur, wie bei Enders und Ranque - oder eben umgekehrt.

Etwas holprig verlief die Nachfolge des legendären Verkaufschefs John Leahy, der nach 24 Jahren in dem Job in den Ruhestand gegangen war. Nach langer Suche hatte der frühere Rolls-Royce-Manager Eric Schulz den Job übernommen, er trat aber nach wenigen Monaten "aus persönlichen Gründen" wieder ab. Seit September ist nun der deutsche Airbus-Manager Christian Scherer für die Vermarktung der großen Airbus-Jets zuständig.

© Airbus, Lesen Sie auch: Airbus tauscht erneut Verkaufschef aus

Nach dieser Erfahrung setzt Airbus nun auch an der Konzernspitze auf einen internen Kandidaten. Ursprünglich hatte der Konzern angekündigt, die Enders-Nachfolge bis Ende des Jahres zu regeln - nun fiel die Entscheidung früher als geplant. Spekulationen, dass Enders schon vor Ende seiner Amtszeit den Chefsessel räumen müsse, bestätigten sich jedoch nicht.

Für die Besetzung der Spitzenpositionen bei Airbus gilt traditionell der nationale Proporz, weil Deutschland und Frankreich jeweils 11,1 Prozent der Anteile an dem Erzrivalen des US-Flugzeugbauers Boeing halten. Spanien ist in geringerem Umfang ebenfalls beteiligt.

Milliardenbußen drohen im Korruptionsprozess

Enders hat in seinen beiden Amtszeiten den Konzern umgebaut. Er leitete die Umbenennung von EADS in Airbus ein und straffte die Führungsstrukturen. Dabei setzte er sich stets dafür ein, den Staatseinfluss zurückzufahren und den Luftfahrtriesen zu einem "normalen Unternehmen" zu machen.

Im vergangenen Jahr hatten schon länger laufende Ermittlungen in Großbritannien und Frankreich den Konzern unter Druck gesetzt. Eine britische Behörde geht dem Verdacht auf Betrug, Bestechung und Korruption bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte nach, Auslöser war eine Selbstanzeige des Unternehmens. Auch die französische Finanz-Staatsanwaltschaft ermittelt. Welche Folgen die Sache für Airbus haben wird, ist noch offen. Enders hatte vor der Möglichkeit "erheblicher Strafen" gewarnt.

Probleme mit A320 Neo und A380

Auch geschäftlich hat Airbus massive Probleme: Beim Verkaufsschlager A320 Neo können zahlreiche Flugzeuge nicht ausgeliefert werden, weil die Triebwerkshersteller zu langsam produzieren. Bei den Neos, die bereits in Betrieb sind, treten technische Probleme auf.

© AirTeamImages.com, Steve Flint Lesen Sie auch: Mit diesen Problemen kämpft Airbus' "Kassenschlager" Hintergrund

Gleichzeitig findet der Riesenjet A380 wesentlich weniger Abnehmer als erhofft. Die Produktion musste heruntergefahren werden, zeitweise wurde über eine Einstellung spekuliert. Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Der angekündigte Verkauf deutscher Tochterunternehmen wurde zuletzt aber ausgesetzt.

Airbus beschäftigt laut seinem jüngsten Jahresbericht weltweit gut 129.000 Mitarbeiter, davon 46.000 in Deutschland. Neben den großen Verkehrsflugzeugen baut der Konzern beispielsweise den Militärtransporter A400M, Hubschrauber und Satelliten.

Von: pra mit Material von dpa
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