Tag 1 Farnborough startet mit Milliardenauftrag

09.07.2012 - 18:06 0 Kommentare

Das erwartete Feuerwerk der Bestellverkündungen auf der Luftfahrtmesse in Farnborough bei London hat mit einem Milliardenauftrag für Boeing begonnen. Aber auch Airbus, Embraer, Bombardier und Triebwerkshersteller haben Bestellungen bekannt gegeben.

Boeing

Boeing hat am ersten Tag der Luftfahrtmesse in Farnborough einen Großauftrag über rund sieben Milliarden US-Dollar für seinen modernisierten Mittelstreckenflieger 737-MAX bekannt gegeben.

Der US-Flugzeugfinanzierer Air Lease Corporation (ALC) bestellte 75 Flugzeuge und sicherte sich Optionen für weitere 25 Exemplare, wie ALC-Chef Steven Udvar-Hazy und Boeing-Verkehrsflugzeugchef Ray Conner mitteilten. Bei den festen Bestellungen handelt es sich um 60 737-MAX 8 sowie and 15 737-MAX 9.

Die Bestellung ist die erste 737-MAX-Bestellung einer Leasinggesellschaft. ALC-Chef Udvar-Hazy hatte anfangs am Boeing-Konzept gezweifelt, zeigte sich nun aber begeistert: «Heute kaufen wir ein ganz anderes Flugzeug als das, was wir zu Beginn des Jahres gesehen haben.» Boeing und der Triebwerkshersteller CFM, ein Gemeinschaftsunternehmen von GE und der Safran-Tochter Snecma, hätten in den vergangenen Monaten hart an dem Flieger gearbeitet.

Bereits am Freitag hatte die Fluggesellschaft Virgin Australia 23 Exemplare der 737-MAX 8 bestellt. Damit hat Boeing jetzt Aufträge für insgesamt 549 Exemplare des Fliegers in den Büchern.

Die 737-MAX ist der Nachfolger des Boeing-Klassenschlagers 737-NG. Der Jet soll vor allem durch neue Triebwerke und eine bessere Aerodynamik 13 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Mit der Neuauflage reagierte Boeing auf den Erfolg des Konkurrenzmodells Airbus A320neo.

Airbus

Airbus hat auf seiner Auftaktpressekonferenz in Farnborough am Montag eine verbesserte Version der A330-300, -200 und -200F vorgestellt. Ein höheres Startgewicht sowie aerodynamische Verbesserungen sollen den Maschinen eine höhere Reichweite verleihen und so zur Boeing 777 und 787 aufschließen.

Am Nachmittag verkündete der europäische Flugzeughersteller zudem eine Order für vier A321neo: Die isralische Arkia Israeli Airlines hat sich für die neue Version des größten Mitglieds aus der A320-Familie entschieden. Der Charterflieger wird die Maschinen in einer reinen Economy-Konfiguration mit 220 Sitzen einsetzen. Die Triebwerkswahl wurde noch nicht bekannt.

Für Gesprächsstoff sorgte auch der Militärtransporter Airbus A400M: Die Maschine bleibt in Farnborough am Boden, nachdem in einem Triebwerk Metallspäne entdeckt worden waren. Flugmanöver über der Messe waren dem Hersteller daher zu riskant.

Embraer

Die chinesische Hebei Airlines hat in Farnborough fünf weitere E-Jets bestellt. Die Embraer 190 sollen noch in diesem Jahr ausgeliefert werden und die E-190-Flotte der chinesischen Regionalairline auf sieben vergrößern.

Bombardier

Bombardier hat bereits einen Tag vor Farnborough einen Auftrag über insgesamt 15 C-Series-Maschinen verkündet. Allerdings ließen die Kanadier offen, wer sich hinter dem "neuen Kunden" verbirgt. Die Bestellung beinhaltet fünf CS100 sowie 10 CS300.

Die zu Bombardier gehörende Charterfluggesellschaft Flexjet hat zudem drei Learjet 70 bestellt. Die Businessjets sollen 2013 ausgeliefert werden.  

Bestellübersicht erster Tag

Auflistung Bestellungen und Optionen in Farnborough 2012 (Stand: 09.07.2012, 18:00 Uhr)

Auftrag Anz. Typ Anm.
ALC 60 Boeing 737 MAX 8 -
ALC 15 Boeing 737 MAX 9 -
ALC 25 Boeing 737 MAX ? Optionen
Arkia Israeli Airlines 4 Airbus A321neo -
Flexjet 3 Bombardier Learjet 70  
Hebei Airlines 5 Embraer 190 Optionen
Ungenannt 5 Bombardier CS100 -
Ungenannt 10 Bombardier CS300 -

Triebwerkshersteller

Pratt & Whitney hat einen Großauftrag von den Philippinen erhalten. Cebu Pacific orderte für ihre bereits bestellten 30 Airbus-A321neo das Triebwerk PW1100G-JM. Auch die zehn Optionen sollen mit dem neuen Getriebefan-Triebwerk von Pratt & Whitney betrieben werden.

Norwegian Air Shuttle hat derweil ein Memorandum of Understanding zur Bestückung von 50 Airbus A320neo unterzeichnet. Zum Einsatz kommt auch hier das PW1100G-JM.

Die Airbus-Kunden haben bei den Jets der A320neo-Familie die Wahl zwischen dem PW1100G aus dem Hause Pratt & Whitney und dem Konkurrenzantrieb Leap-X von CFM, einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und der Safran-Tochter Snecma. Die 737 MAX wird dagegen exklusiv vom CFM LEAP-1B angetrieben (Bestellungen s.o. Boeing).

Pratt & Whitney stockt seinen Anteil am Konsortium "International Aero Engines" (IAE) auf 61 Prozent auf. Das gab IAE heute in Farnborough final bekannt. Rolls-Royce zieht sich demnach wie angekündigt aus dem Triebwerkskonsortium zurück. Der Anteil von MTU steigt durch den Ausstieg des britischen Triebwerksbauers von elf auf 16 Prozent. IAE hatte als Gemeinschaftsunternehmen aus Rolls-Royce, Pratt & Whitney, Japanese Aero Engines Corporation JAEC und MTU Aero Engines das V2500-Triebwerk für die Airbus-A320-Familie entwickelt und vertrieben.

Der chinesische Leasinggeber ICBC Financial Leasing hat sich im Zuge der Festbestellung von fünf weiteren A320 für den Einbau von V2500 Triebwerken von IAE entschieden. ICBC hatte bereits Festbestellungen für 42 A320 aufgegeben. Die Flugzeuge sollen von 2013 bis 2015 ausgeliefert werden.

Von: airliners.de mit dpa
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