"Fairplane" strebt gewichtigere Rolle bei Niki-Insolvenz an

Exklusiv 08.01.2018 - 12:50 0 Kommentare

Mit einer Beschwerde geht "Fairplane" gegen den Gerichtsort der Niki-Insolvenz vor. Das Verfahren hängt in den Mühlen der Justiz fest. Nun will das Portal anders mehr Einfluss auf die Abwicklung der Air-Berlin-Tochter nehmen.

Flugzeug der Niki: Es könnte ein Sekundärinsolvenzverfahren eröffnet werden. Foto: © AirTeamImages.com, Danijel Jovanovic

Das Fluggastrechteportal "Fairplane" pocht auf einen Sitz im Gläubigerausschuss der Niki. Wie "Fairplane"-Jurist Ronald Schmid im Gespräch mit airliners.de sagte, habe man den Antrag am vergangenen Freitag beim vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther eingereicht. Dieser verweist auf Anfrage auf das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg.

Das Portal, das die offenen Forderungen tausender Niki-Kunden aus Österreich vertritt, will eine gewichtigere Rolle im Insolvenzverfahren des Ferienfliegers spielen und kämpft vor Gericht aktuell darum, dass die Insolvenz von Deutschland nach Wien verlegt wird.

Flöther argumentiert mit Konzerninsolvenz

Den Insolvenzantrag hatte die Air-Berlin-Tochter Mitte Dezember beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingereicht, das Verfahren von jener Kammer wurde kurz vor Jahresende eröffnet - dort soll es nun auch bleiben, argumentiert Flöther.

Schließlich sei es bei Konzerninsolvenzen vom Gesetzgeber gewünscht, dass "nur ein einziger Insolvenzverwalter eingesetzt wird, um die Sanierung zu erleichtern und die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen". Der Unternehmenssitz von Niki sei zwar Österreich, aber die Airline eine hundertprozentige Tochter der Air Berlin. Auch sei der Ticketverkauf der Niki komplett über die Mutter abgewickelt worden.

"Dieser Vorwurf ist absurd"

"Fairplane" jedoch argumentiert: "In der Fluggastrechteverordnung wird ganz klar zwischen Marketing Carrier und Operating Carrier unterschieden. Für die Flüge, die Niki selbst durchführte, ist die Airline auch selbst Anspruchsgegner", erwidert Jurist Schmid. Daher habe "Fairplane" einen Antrag gestellt, dass der Insolvenzfall einer österreichischen Kammer zugeordnet wird.

Gläubigerstatus

"Fairplane" soll offenbar aus dem laufenden juristischen Verfahren herausgekauft werden, indem ihm der Status des Gläubigers entzogen wird. Das Fluggastrechtportal vertritt gebündelt die offenen Forderungen tausender Niki-Kunden. Nachdem "Fairplane" beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg die Beschwerde gegen den Gerichtsort der Niki mit drei offene Beispielforderungen eingereicht hatte, wurden diese nach Informationen von airliners.de umgehend von der "Stiftung zur Förderung der österreichischen Luftfahrt" beglichen.

Eben diese Stiftung wurde vor drei Jahren gegründet, um Air-Berlin-Großaktionärin Etihad den Kauf von Niki zu ermöglichen. "Mutmaßlich wollte man wohl mit der Aktion 'Fairplane' die Handlungsgrundlage entziehen und so die Beschwerde zu Fall bringen", berichtet ein Insider. Das Portal legte dem Gericht daraufhin weitere Fälle vor.

Sollte das Primärverfahren wirklich von Deutschland nach Österreich verlegt werden, müsste auch der Niki-Verkauf an Vueling neu ausgehandelt werden. Dem Portal wird daher von mehreren Seiten vorgeworfen, es wolle den Deal mit dem Airline-Konzern IAG torpedieren, Schmid bestreitet dies: "Wir wollen nicht den Deal mit Vueling kaputt machen, dieser Vorwurf ist absurd."

Vielmehr poche "Fairplane" auf mehr Transparenz: "Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier ein Drehbuch geschrieben wurde, wie die Insolvenz der Air Berlin und letztlich auch die der Niki ablaufen soll. Wir wollen, dass beide Verfahren sauber getrennt werden."

Entscheidung vom Landgericht erwartet

In einem ersten Beschluss hat das Amtsgericht Charlottenburg den Antrag an das Berliner Landgericht verwiesen. Dieses hat nach Informationen von airliners.de aus Justizkreisen bereits am vergangenen Freitag beraten und will noch in dieser Woche zu einem Beschluss kommen.

Sollte die Kammer "Fairplane" Recht geben, könnte Flöther wiederum Rechtsmittel einlegen und die Streitfrage würde letztlich vom Bundesgerichtshof oder sogar auf EU-Ebene (EuGH) entschieden werden.

"Wir streben ein Insolvenzverfahren in Österreich an, weil nur so die Ansprüche vieler österreichischer Passagiere durchgesetzt werden könnten", so Schmid. Dass nun Air-Berlin-Insolvenzverwalter Flöther ebenfalls vom Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter im Niki-Fall berufen wurde, könne zu einem Interessenkonflikt führen.

Parallel entscheidet österreichische Kammer

So würde der Erlös aus dem Verkauf an IAG-Billigflieger Vueling vermutlich konkret zur Tilgung des Air-Berlin-Bundeskredits genutzt, so Schmid. "Die vielen Niki-Kunden, die ein Ticket bei der Airline gekauft hatten, weil Flöther im Sommer versicherte, diese seien trotz Air-Berlin-Insolvenz sicher, gehen leer aus."

Parallel zum Berliner Landgericht entscheidet auch das österreichische Landesgericht Korneuburg, ob es sich im Insolvenzfall Niki in der Verantwortung sieht. Hier soll es dem Vernehmen nach ebenfalls Anfang dieser Woche eine Entscheidung geben. Dann könnte ein Sekundärinsolvenzverfahren eröffnet werden.

Wir wollen durch alle Instanzen gehen.

Ronald Schmid, Jurist von "Fairplane"
Von: cs
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    Vom 17.01.2018

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