Beruf & Karriere

Fachkraft für Lagerlogistik - Mehr als nur Teile von A nach B bringen

23.01.2017 - 15:01 0 Kommentare

Logistik ist das A und O im Luftfrachtgeschäft. Hier muss es schnell gehen, hier müssen alle Handgriffe stimmen. Fachkräfte für Lagerlogistik werden in der Luftfracht gesucht - aber auch beim Handling von Flugzeugteilen.

Julia Wulf kann gut organisieren. Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei Lufthansa Technik begeistert sie.  - © © Lufthansa Technik - Gregor Schläger

Julia Wulf kann gut organisieren. Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei Lufthansa Technik begeistert sie. © Lufthansa Technik /Gregor Schläger

Wer die teuren Luftfrachtraten in Kauf nimmt, erwartet eine schnelle und professionelle Logistik. Hier muss es schnell gehen, hier müssen alle Handgriffe stimmen. Fachkräfte für Lagerlogistik werden gerade im Air Cargo, aber auch beim Handling von Flugzeugteilen gesucht. Wir porträtieren eine Auszubildende und einen Ausbildungsmeister der Lufthansa Technik Logistik Services (LTLS) in Hamburg.

Die Bandbreite der Bauteile, mit denen sich die LTLS beschäftigt, reicht von einem ganzen Düsentriebwerk in Plastik eingehüllt bis zur kleinen Unterlegscheibe für ein Gewinde in einem Passagierjet. "Ohne uns bleibt der Flieger stehen", sagt die Leiterin Qualifizierung und Ausbildung, Barbara Neumann, selbstbewusst.

2017 werden rund 25 junge Frauen und Männer eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei LTLS in Hamburg, Frankfurt und München beginnen. "Bei uns sind die jungen Kollegen ab der dritten Woche im Betrieb und laufen komplett mit", sagt Neumann. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn wenn ein Kollege zwei Teile-Nummern verwechselt, kann das dazu führen, dass ein Flug komplett ausfällt.

Die Auszubildende Julia Wulf wohnt in Neu Wulmstorf im Südwesten Hamburgs. Sie ist jetzt im dritten Lehrjahr. "Ich habe mich auf viele Angebote beworben, weil ich nicht so richtig wusste, was ich nach dem Abitur machen wollte", gesteht sie. Das Abitur ist zwar keine Einstellungsvoraussetzung für den Beruf, aber viele Bewerber bringen es doch mit.

Mehrstufiger Auswahltest

Sie bestand die Eignungstests. Neumann: "Wir haben da erst einmal den Online-Test, den jeder bei Lufthansa machen muss. Im Schnitt haben wir um die 500 Bewerberinnen und Bewerber für 23 Stellen, Stand 2016. Mehr als die Hälfte der Kandidaten und Kandidatinnen verlieren wir durch die Vorselektion des Lebenslaufs und nach den Auswahltests via Internet." Das war es aber noch nicht, erinnert sich die Auszubildende Julia: "Dann kam eine Gruppenaufgabe. Die Tests dauerten einen ganzen Tag."

"Kolleginnen und Kollegen mit Abitur wollen sich danach sehr zeitnah weiterbilden und streben bei uns eine weitere Karriere an. Stephan ist auch ein Seiteneinsteiger", wendet Neumann sich an den Ausbildungsmeister.

Der 34-jährige Stephan Baruth erklärt es: "Ich bin gelernter Polsterer, bin dann über ganz viele Ecken zur Lufthansa Technik gegangen, habe dort anderthalb Jahre als Leiharbeiter gearbeitet in der Sattlerei, in der Wäscherei, überall so ein bisschen. Schließlich bin ich 2006 zur LTLS gekommen, wurde nach drei Monaten direkt eingestellt und bin da reingewachsen, habe dann meinen Meister gemacht, und jetzt bin ich beim Studium. Ich studiere BWL und Wirtschaftspsychologie."

© dpa, Paul Zinken airliners.de-Stellenmarkt: Aktuelle Stellenausschreibungen zum Thema Logistik

Für die Auszubildende Julia folgten aber zuächst einmal zwei Einführungswochen "mit grundlegenden Informationen über die Firma, über den Beruf, über die Programme, mit denen wir arbeiten, die wichtigsten Schulungen, die gemacht werden müssen". Danach gibt es einen Plan, wer in welchem Bereich eingesetzt ist. "Bei mir war das das Großbauteillager", erzählt sie. Dort stehen große Triebwerke, Triebwerksschäfte - also die zentrale Welle des Aggregats -, aber auch so etwas wie Teppiche.

"Ich bekomme Anfragen, bearbeite sie und stelle die Teile für den Fahrdienst bereit, der es dann zum Bahnhof bringt. Die Haupttätigkeit ist Ein- und Auslagern", fährt Julia fort. Haben sie keine Angst vor Robotern als Jobkiller? Stephan Baruth schüttelt mit dem Kopf und antwortet: "Wir sind jetzt gerade auf ein sehr modernes Kleinteilelager namens Auto Store umgestiegen. Das ist eine Riesenanlage mit Robotern." Ein zwei Stockwerke hoher Kasten. "Da fahren die Roboter oben drauf herum, holen die Teile aus dem Kasten und fahren sie nach vorne."

Computerwissen und Englischkenntnisse sind wichtig

Julia Wulf steht nun, im dritten Lehrjahr, nicht mehr an den Ports, wo die Roboter ihre Teile abliefern. "Was ich jetzt gerade tue, macht mir viel Spaß. Ich bin im Kundenservice. Wir sind letzter Ansprechpartner, wenn etwas schief gelaufen ist oder nicht so schnell geht, wie der Kunde es sich vorgestellt hat." Da rufen Techniker an, wenn Material nicht gekommen ist oder wenn sie den Export oder Import beschleunigen wollen. Oft geht es darum, dass ein Kunde noch Papiere braucht, die zu der Lieferung gehören. Das Dokumentenhandling ist extrem wichtig: Ohne die passenden Papiere können die Kunden ein Teil nicht nutzen, denn ohne Dokumente ist nicht klar, ob ein Teil echt ist.

Einweisung am Kleinteilelager. Es heißt Auto Store und lagert Teile für Flugzeuge, die Roboter verstauen und wieder bereitstellen. Foto: © Lufthansa Technik, Gregor Schläger

Ausbilderin Neumann: "Es ist eben nicht so, dass der Beruf nur darin besteht, Kisten von von A nach B zu schleppen." Die Azubis müssen viele Computersysteme fehlerfrei bedienen können. Sie müssen viele Schulungen absolvieren. Dabei geht es darum, falsches Material zu erkennen oder einen Lieferschein lesen zu können. "Lieferscheine werden überwiegend in englischer Sprache ausgefertigt", sagt Baruth ganz nebenbei und erklärt damit, dass Englischkenntnisse hier unabdingbar sind.

"Computer brauchen wir im Wareneingang, da kommen die Triebwerksschäfte von den Herstellern, von der Werkstatt oder vom Kunden, zum Beispiel als defekte Teile." Sie sind nötig, wenn es um das Anlegen der Papiere geht, "also quasi zum Check-In". Die Zollfragen müssen geklärt werden, das Material wird überprüft, ob es übereinstimmt mit den Papieren, und mit einem SAP-System eingebucht.

Es gibt ganz kleine Pakete mit einem Packstück. Aber es geht auch ein paar Nummern größer: "Letztes Jahr hatten wir eine Sendung, die bestand aus 21 Kisten, das waren zwei Container, erinnert sich Neumann: "Das war die letzte Sendung für die neue Inneneinrichtung der Interkontinentalflotte." Für dieses Projekt namens "intercontinental retrofit" hat Lufthansa Technik ganze Containerschiffe befüllt und extra Hallen angemietet.

Diverse Möglichkeiten zur Weiterbildung

In der Regel wurden Azubis bislang übernommen, wenn sie die entsprechende Leistung erbracht haben. Barbara Neumann sagt: "Zuerst gibt es einen Zeitvertrag direkt bei uns. Später werden die Verträge entfristet." Zur Weiterbildung bietet LTLS diverse Möglichkeiten. "Der Deal ist: Wenn Sie einen unbefristeten Vertrag haben, also in der Regel nach zwei Jahren, und auf Schicht gehen, dann gibt es einen Schichtbildungsfonds, der eine Weiterbildung bis zum Bachelor sponsert."

Neumann erläutert: "Sobald die Karriere in den außertariflichen Bereich führt - was in der Regel ab den Referentenpositionen der Fall ist -, ist ein Studium notwendig." Zu den Aufgaben gehört dann beispielsweise die Durchführung komplexer Projekte, die Konzeption von Prozessen oder die Beratung der Fachbereiche auf Expertenlevel. Die Anforderungen werden tatsächlich auch inhaltlich immer höher. "Man braucht das akademische Wissen, um die weltweite Warenvernetzung beherrschen zu können."

In der Tat wird erwartet, dass es in wenigen Jahren mehr Logistik-Ingenieurstudiengänge geben wird als heute. Und deshalb will auch Julia Wulf studieren. "Vielleicht Logistikmanagement." Es wird wohl eine Fernhochschule werden, damit sie nebenbei weiter arbeiten kann.

Von: Erwin Dreher für airliners.de
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