Wie eine Aschewolke die deutsche Luftverkehrsbranche aufwirbelte

14.04.2015 - 15:05 0 Kommentare

Vor genau fünf Jahren legte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull den Flugverkehr in ganz Europa lahm - mit Auswirkungen bis heute: Ein heftiger Streit führte letztlich zur Luftverkehrsabgabe und der Gründung des BDL.

Aschewolke am 16.04.2010 über dem Vulkan Eyjafjallajoekull auf Island.

Aschewolke am 16.04.2010 über dem Vulkan Eyjafjallajoekull auf Island.
© dpa - S. Olafs

Maschinen der Lufthansa stehen in Frankfurt/Main

Maschinen der Lufthansa stehen in Frankfurt/Main
© dpa

Aschewolken (orange) über Deutschland. Aufgenommen am 16.4.2010 um 11:45 UTC

Aschewolken (orange) über Deutschland. Aufgenommen am 16.4.2010 um 11:45 UTC
© dpa (DWD)

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Lufthansa-Vorstand Wolfgang Mayrhuber und Condor-Geschäftsführer Ralf Teckentrup

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Lufthansa-Vorstand Wolfgang Mayrhuber und Condor-Geschäftsführer Ralf Teckentrup
© dpa

Am 14. April 2010 schleuderte der isländische Vulkan Eyjafjallajökull kilometerhohe Aschefontänen in die Luft. Tagelang stand in Deutschland der Luftverkehr still. Der Grund für das von der Flugsicherung ausgesprochene Flugverbot war eine prognostiziert gefährliche Aschekonzentration in der Luft. Bei strahlend blauem Himmel entbrannte ein immer heftigerer Streit um die Messung sowie die Gefahr von Vulkanasche für den Luftverkehr - mit Folgen, die in der Branche bis heute nachwehen.

Der Hauptkritikpunkt der Luftverkehrswirtschaft damals: Das zum Teil flächendeckend verhängte Flugverbot stützte sich einzig auf den Prognosen. Und so begannen die Fluggesellschaften langsam aber sicher, gegen das von der Deutschen Flugsicherung auferlegte Flugverbot zu kämpfen. Der Streit der Branche eskalierte vor allem mit dem damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Dem Minister unterstehen sowohl die Flugsicherung als auch der Deutsche Wetterdienst.

Neuer Minister - gestörtes Verhältnis

Um "Ramsauers Prognose-Wolken" zu widerlegen, starteten sowohl Lufthansa als auch Air Berlin und Condor sogar leere Flüge, die unter Sichtflugbedingungen durchgeführt wurden - eine Lücke im Gesetz. Die technische Überprüfung nach der Landung habe "keinerlei Beeinträchtigungen" gezeigt, hieß es.

Ramsauer positionierte sich allerdings weiter gegen die Fluggesellschaften und wies jegliche Kritik am Flugverbot harsch zurück. "Die Sicherheit steht an oberster Stelle", das gelte für alle am Luftverkehr Beteiligten, so der Minister damals. Es sei mit ihm "politisch nicht machbar", Umsatzeinbußen gegen Sicherheit aufzurechnen.

Diesen Angriff wiederum ließen die Fluggesellschaften nicht unkommentiert. Ein heftiger, über die Medien ausgefochtener Streik entbrannte und vergiftete das Verhältnis der deutschen Luftverkehrsbranche mit dem damals erst knapp ein halbes Jahr amtierenden Bundesverkehrsminister nachhaltig.

© dpa, Lesen Sie auch: Ramsauer kritisiert Luftfahrt-Branche

Auch nachdem erste Messflüge über Deutschland rund eine Woche nach dem Vulkanausbruch bestätigten, dass von der geringen Aschekonzentration in der Luft keine Gefahr für Flugzeuge ausging, sah sich Ramsauer weiter im Recht. Von Fluggesellschaften und Herstellern verlangte er "klare Vorgaben statt frecher Briefe". Es hätte an verbindlichen Mess- und Grenzwerten gefehlt. Die Fluggesellschaften hätten schlicht in der Vorbereitung versagt. Die Standpaukte hatte gesessen.

Eine neue Abgabe, die bleiben sollte

Und so kam es, wie es kommen musste. Frisch verkracht brauchte die Luftverkehrswirtschaft ihren Verkehrsminister keine zwei Monate nach der Ascheproblematik eigentlich wieder an ihrer Seite: Die neue schwarz-gelbe Koalition ging nämlich ihrem Plan nach, eine "ökologische Luftverkehrsabgabe" einzuführen. Im Juni kamen erstmals konkrete Ansätze der geplanten neuen Abgabe an die Öffentlichkeit. Anstatt als Verkehrsminister beim Finanzministerium gegen die neue Abgabe zu intervenieren, stellte sich Ramsauer nun gegen die Branche. Die Luftverkehrsabgabe könne einen "fairen Beitrag dazu leisten, unterschiedliche Kostenlasten zwischen den Mobilitätsformen auszugleichen".

Was nun folgte, war ein Trauerspiel für alle Beteiligten der Luftverkehrswirtschaft: Gegenläufige Ideen wurden laut in der Öffentlichkeit ausgetauscht, jedes Unternehmen ging eigennützig auf die Ministerien zu. Es hieß Lufthansa versus Air Berlin, die großen Flughäfen gegen die kleinen und zum Schluss äußerte sich Fraport sogar öffentlich, dass die Abgabe eigentlich doch gar nicht so schlimm wäre.

Mittlerweile ist klar: Die Abgabe ist gekommen, um zu bleiben. Und die Branche hat daraus gelernt. Mittlerweile gibt es neben dem Flughafenverband ADV und dem Airlineverband BDF den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Der Dachverband soll dabei helfen, bei zentralen Themen wie etwa Fluglärm, Nachtflug, Emissionsabgaben und nach wie vor zur Luftverkehrssteuer mit einer Stimme zu sprechen. Mitglied ist auch dei Deutsche Flugsicherung. Einzig Industriemitglieder sucht man beim BDL vor seinem fünften Jahrestag noch vergeblich.

© BDL, Lesen Sie auch: Klaus-Peter Siegloch neuer BDL-Präsident

Auf Vulkanausbrüche vorbereitet

So hat ein Vulkanausbruch auf Island die deutsche Luftverkehrswirtschaft nachhaltig geprägt und verändert. Mittlerweile gibt es übrigens in Europa einen Notfallplan, wie auf Vulkanausbrücke reagiert wird. Und es existiert ein festgesetzter Grenzwert für Vulkanasche in der Luft sowie Möglichkeiten für eine schnelle Messung. So gibt es in Deutschland ein Infrarot-Laser-Messnetz, mit dem die Konzentration von Vulkanasche bis zu einer Höhe von zwölf Kilometern erfasst werden kann. Zudem steht ein Spezialflugzeug zur Messung bereit.

Dennoch bleibt zu hoffen, dass es nicht so schnell wieder zu einem erneuten Ausbruch kommt. Die gigantische Aschewolke schob sich damals von Island kommend über den Nordatlantik und stürzte den gesamten europäischen Luftverkehr für über eine Woche ins Chaos. Über hunderttausend Flüge fielen aus, überall auf der Welt strandeten Millionen von Passagieren. Die Branche blieb auf Milliardenkosten sitzen.

Zumindest einen Gewinner gibt es dennoch: Den Eyjafjallajökull kennt seit seinen Auswirkungen auf den Luftverkehr wohl jeder - auch wenn ihn immer noch die wenigsten aussprechen können. Fünf Jahre nach seinem Ausbruch ist er ein beliebtes isländisches Touristenziel. An der Südseite des Vulkans eröffnete vor vier Jahren sogar ein Museum. "Die Eruption, die den weltweiten Luftverkehr angehalten hat" - aus der Werbung klingt fast Stolz heraus.

Von: airliners.de mit dpa
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