Expertin: Herausforderungen für Flughafen Hahn «kein Pappenstiel»

14.05.2014 - 08:10 0 Kommentare

Der defizitäre Flughafen Hahn steht nach Meinung der Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler vor einigen Herausforderungen. Allzu viel politischer Einfluss könne kontraproduktiv sein und rein rationale ökonomische Entscheidungen verhindern.

Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler - © © privat/dpa -

Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler © privat/dpa

Der Flughafen Hahn wird von Querelen gebeutelt, aus den roten Zahlen ist er noch längst nicht geflogen. Die Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler spricht in einem Interview der dpa von einer Herausforderung. Für schwierig hält sie es, wenn wie am Hahn politische Überlegungen eine große Rolle spielen.

Im vergangenen Jahr hat der Flughafen Hahn rund elf Millionen Euro Verlust gemacht, in diesem Jahr wird mit etwa 20 Millionen gerechnet. Bis 2023 muss das nach dem Willen der EU anders werden. Wie kann es gelingen?
Ziegler: Das ist eine Herausforderung, 20 Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Außerdem gibt es Trends, die kontraproduktiv sind. Ryanair hat angekündigt, mehr auf größere Flughäfen zu setzen.

Der Hahn ist nun etwa eine Kooperation mit einem chinesischen Airport eingegangen. Kann das eine Strategie für die Zukunft sein?
Ziegler: Bisher ist die Erfahrung der Wissenschaft, dass Allianzen zwischen Flughäfen nicht so richtig funktionieren - anders als bei Airlines. Wenn es erfolgreiche Allianzen gibt, ist das eher im Bereich externe Aktivitäten - wenn es etwa um Beratungen geht oder das gemeinsame Bieten um einen anderen Flughafen.

Was ist für die Entwicklung des Hahns entscheidend?
Ziegler: Ganz wesentlich wird sein, wie sich die Beziehung zu dem Hauptkunden Ryanair gestaltet, und ob es gelingt, andere Airlines anzulocken. Der Hahn hat den Nachteil, dass nicht viele potenzielle Fluggäste im Einzugsgebiet des Flughafens leben - Stichwort Catchment - und er schwierig zu erreichen ist. Das kann auch bei der Netzwerkplanung von Ryanair eine Rolle spielen.

Warum ist es für sogenannte Regionalflughäfen so schwer, sich im Wettbewerb zu behaupten?
Ziegler: Der Betrieb eines Flughafens mit all seiner Infrastruktur ist teuer und aufwendig. Da braucht man ein gewisses Volumen an zahlungskräftigen Passagieren, und Geschäftskunden sind interessanter als Privatreisende.

Das Land sucht nach einem Investor für den Hahn. Aber machen sich die Regionalflughäfen nicht gerade gegenseitig Konkurrenz bei der Suche nach Geldgebern?
Ziegler: Das stimmt, aber im Vergleich ist der Hahn nicht schlecht positioniert. Er hat schon große Kunden, und er hat sich in der Fracht eine gewisse Expertise erarbeitet. Er hat einige Pfunde vorzuweisen, trotzdem wird es nicht einfach sein.

Am Hahn entspinnen sich schnell politische Diskussionen. Ist das hinderlich auf dem Weg zu einer Neuausrichtung?
Ziegler: Es ist schwierig, wenn politische Überlegungen eine große Rolle spielen. Das verhindert manchmal rein rationale ökonomische Entscheidungen, die für mich als Professorin der Betriebswirtschaft im Vordergrund stehen sollten.

Zur Person:
Yvonne Ziegler ist seit 2006 an der Fachhochschule Frankfurt Professorin für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Internationales Luftverkehrsmanagement. Dort war sie zudem von 2010 bis 2013 Dekanin des Großfachbereichs Wirtschaft und Recht. Zuvor arbeitete sie 15 Jahre für den Lufthansa-Konzern in verschiedenen Führungspositionen im In- und Ausland.

Von: dpa
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