Expertin: Flughafen Hahn droht Bedeutungsverlust

03.11.2016 - 09:44 0 Kommentare

Ab dem Frühjahr will Ryanair auch vom Flughafen Frankfurt aus fliegen. Das könnte den 100 Kilometer entfernten Airport Hahn in Bedrängnis bringen, sagt eine Expertin. Der Flughafen selbst und seine Gesellschafter geben sich entspannt.

Passagiermaschinen stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn - © © dpa - Thomas Frey

Passagiermaschinen stehen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn © dpa /Thomas Frey

Der Start von Europas größtem Billigflieger Ryanair in Frankfurt könnte aus Expertensicht den nur gut 100 Kilometer entfernten Flughafen Hahn in neue Turbulenzen bringen. Verliert der Airport im Hunsrück nun weitere Passagiere? Dort hat Ryanair einst seine erste deutsche Basis eröffnet. Nun kreisen die Iren ihren Airport Hahn ein: Von Köln/Bonn und Luxemburg startet Ryanair bereits - und Frankfurt kommt Ende März hinzu. Das Einzugsgebiet für die Hahn-Flüge der Airline könnte dadurch immer mehr schrumpfen.

Zur Ankündigung von Ryanair, genauso wie vom Hunsrück künftig von Frankfurt aus die spanischen Ziele Mallorca, Alicante und Malaga sowie das portugiesische Faro anzusteuern, sagt Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler: "Das dürfte eher schlecht sein für den Flughafen Hahn. Deswegen sucht er auch relativ verzweifelt nach einem Investor." Der bislang staatliche Airport ist defizitär und steht zum Verkauf. Das Bieterverfahren geht in die entscheidende Phase.

Nach Einschätzung der Professorin für Betriebswirtschaft an der Frankfurt University of Applied Sciences wird der Hahn an Bedeutung verlieren, weil Europas größte Billigfluggesellschaft nun mehr größere Airports anvisiert. "Das ist tragisch, weil Ryanair im Hunsrück Hauptkunde ist und sich nicht so leicht ersetzen lässt."

Flughafen-Sprecherin: "Keine Panik"

Der Airport Hahn, der sich Frankfurt-Hahn nennt, wiegelt ab - genauso wie Ryanair und auch das Land Rheinland-Pfalz als Mehrheitsgesellschafter. "Keine Panik", sagt Flughafen-Sprecherin Hanna Koch. "Wir haben von Ryanair positive Signale bekommen, dass unser Sommerflugplan 2017 nicht von Frankfurt betroffen ist." Dann biete der Billigflieger genauso wie im Sommer 2016 wohl wieder um die 41 Strecken vom Hunsrück aus an. "Wer für 2017 bei uns gebucht hat, muss sich keine Sorgen machen", versichert die Sprecherin.

Statt um Verdrängung gehe es um zusätzliche Angebote im Rhein-Main-Gebiet. "Unser Eindruck ist, dass Ryanair vor allem eine Kampfansage an andere Airlines in Frankfurt macht", erklärt Koch. "Es hat für Ryanair keinen Sinn, die eigene Basis Hahn anzugreifen." Es gehe um den aggressiven Konkurrenzkampf der Fluggesellschaften. "Für die Kunden steigt damit natürlich die Zahl der Flughäfen, die sie erreichen können."

Ryanair-Marketingchef David O'Brien stößt ins selbe Horn: Auf das Engagement seiner Airline im Hunsrück werde die neue Basis in Frankfurt keinen Einfluss haben. Zugleich erwartet er in der Main-Metropole einen raschen Anstieg der Passagierzahl.

Vertrag gerade erst verlängert

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sieht denn auch in der Landung von Ryanair in Frankfurt keinen Angriff auf den Hahn. "Das müsste uns, glaube ich, kaum umtreiben." Das Ministerium verweist außerdem auf den gerade erst um fünf Jahre verlängerten Abfertigungsvertrag zwischen Ryanair und dem Hahn.

Auch Luftfahrtexpertin Ziegler sieht in dem Abkommen erstmal eine gute Nachricht. "Das sieht ja so aus, dass Ryanair nicht plant, dort bald wegzugehen." Langfristig sei Frankfurt aber eine Gefahr für kleine Flughäfen. "Ryanair wird den Start dort auch als Test sehen. Die Lufthansa wächst eher verhalten und das künftige dritte Terminal in Frankfurt muss gefüllt werden, das sind Chancen für Ryanair."

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Streit um Rabatte für Ryanair am Frankfurter Flughafen

Könnte Ryanair eine Doppelstrategie verfolgen mit billigen Flügen vom abgelegeneren Flughafen Hahn und weniger preiswerten Strecken von der Bankenmetropole Frankfurt? Ziegler sagt: "Das wäre verwunderlich, weil Ryanair einen Ruf als Billig-Airline zu verlieren hat. Sie wird wohl auch in Frankfurt sehr preisaggressiv reingehen."

Ab Ende November könnte Landesdarlehen greifen

Frankfurt-Hahn und Frankfurt/Main - kann es da nicht künftig bei Ryanair-Flügen zu Verwechslungen kommen? Die Iren beugen vor: Die Main-Metropole nennen sie im Internet einfach Frankfurt International. Größere Sorgen gibt es am Hunsrück-Flughafen. Denn bis Ende November ist der laut Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro noch flüssig, dann könnte ein Landesdarlehen greifen. Dafür ist aber eine positive wirtschaftliche Prognose nötig.

Nach einem gescheiterten ersten Versuch, den Airport zu verkaufen, will die Landesregierung im zweiten Anlauf eine Bruchlandung verhindern. Aus sechs Bietern wählen Experten derzeit die potenziellen Käufer mit den größten Chancen auf einen erfolgreichen Kauf aus. Berater Martin Jonas sagt: "Das wird ein ganz mühsamer Prozess." Er warnt: "Ein Scheitern der Verhandlungen jenseits dieses Zeithorizonts November wäre ja faktisch automatisch ein Gang in die Insolvenz."

Von: Jens Albes und Oliver von Riegen, dpa, gk
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Schriftzug am Hunsrück-Flughafen Hahn. Flughafen Hahn erwartet Frachtplus

    Mehr Fracht, aber weniger Passagiere: Der Airport Hahn gibt eine detaillierte Prognose fürs Gesamtjahr. Sorgenvoll blickt man am Hunsrück auf die Luxemburg-Aktivitäten der Kundin Ryanair.

    Vom 28.11.2017
  • Blick auf den Flughafen Frankfurt. Verkehrszahlen: Frankfurt wächst im November

    Der Flughafen Frankfurt legt die Verkehrszahlen vor: Er ist im November deutlich gewachsen. Zieht man die Streiktage aus dem Vorjahresmonat ab, ergibt sich immer noch ein zweistelliges Plus.

    Vom 12.12.2017
  • Fraport rechnet für 2017 mit 64 Millionen Flugästen am Frankfurter Flughafen. Frankfurter Flughafen sieht sich auf gutem Weg

    Fraport zieht eine positive Bilanz und rechnet in diesem Jahr mit 64 Millionen Flugästen am Airport Frankfurt. Verantwortlich ist auch die Öffnung des Flughafens für Low-Cost-Carrier.

    Vom 08.12.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Flughafen Frankfurt Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »