Experten sollen Tegel-Weiterbetrieb vorbereiten

08.08.2017 - 09:27 0 Kommentare

Die Berliner FDP stellt ein Team auf, das Maßnahmen für den 25. September erarbeiten soll - der Tag nach dem Volksentscheid: Soll der Flughafen Tegel trotz BER weiterbetrieben werden?

Das Hauptgebäude und der Tower des Flughafens Berlin-Tegel - © © dpa - Jörg Carstensen

Das Hauptgebäude und der Tower des Flughafens Berlin-Tegel © dpa /Jörg Carstensen

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, will eine Expertenkommission berufen, die den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel prüfen und vorbereiten soll: "Die Kommission soll sich am Dienstag konstituieren", so Czaja.

Dem Team sollen der frühere NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (ehemals SPD), die Fraport-Aufsichtsrätin Margarete Haase, der ehemalige EADS-Vorstand Axel Arendt und der frühere Leiter der Lufthansa-Flugplanung und Berliner-Flughafen-Geschäftsführer Hans-Henning Romberg angehören.

Um den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel gibt es seit Monaten eine kontroverse Debatte. Der rot-rot-grüne Senat hält an dem Planfeststellungsbeschluss fest, Tegel spätestens ein halbes Jahr nach dem Start des neuen Hauptstadtflughafens BER zu schließen. Vor allem die FDP und nun auch die CDU wollen dagegen Tegel offen halten - sie befürchten Kapazitätsprobleme am BER.

Standpunkt soll noch einmal diskutiert werden

Der Bund, als Miteigentümer des Flughafens, hatte sich wie auch die Länder Berlin und Brandenburg klar zur Schließung Tegels bekannt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzte sich allerdings kürzlich für einen Weiterbetrieb des City-Airports ein. Kommende Woche soll auf einer Sondersitzung der Gesellschafter über die Meinung des Ministers gesprochen werden.

Am 24. September können die Berliner darüber abstimmen, ob sich der Senat für den Weiterbetrieb des Airports Tegel einsetzen soll. Nach Angaben von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup würde eine notwendige Grundsanierung des City-Airports aus den 1970er Jahren mehr als eine Milliarde Euro kosten. Außerdem wären bei einem Doppelbetrieb in Tegel und Schönefeld jährlich 100 bis 200 Millionen Euro Betriebskosten zusätzlich fällig.

Der Volksentscheid zum Flughafen Tegel ist rechtlich nicht bindend. Dennoch soll die Meinung der Bürger nicht in den Wind geschlagen werden, sagt Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) nun im Interview mit dem "Tagesspiegel": "Das kann ich versprechen", versicherte der Politiker.

Bei einem positiven Votum der Bürger für Tegel werde der Senat prüfen, welche Bedingungen dafür nötig wären. Senatssprecherin Claudia Sünder sagte auf Anfrage, dabei handele es sich nicht um einen Kurswechsel Müllers. Der Regierende Bürgermeister stelle lediglich klar, dass ihm die Meinung der Bürger nicht egal sei. "Das ist eine Frage der Wertschätzung", betonte Sünder. Noch vor Kurzem hatte Müller gesagt, der Volksentscheid werde nichts ändern.

Finanzsenator spricht von "Gefälligkeitsgutachten"

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) kritisierte unterdessen die aus seiner Sicht unrealistischen Prognosen zum künftigen Passagieraufkommen. Tegel-Befürworter arbeiteten mit Blick auf den Volksentscheid mit "überoptimistischen Gefälligkeitsgutachten", sagte der SPD-Politiker.

Der Senat gehe auf Basis aktueller Prognosen der Flughafengesellschaft von einem Anstieg des Passagieraufkommens in Berlin von 33 Millionen (2016) auf 55 Millionen Fluggäste im Jahr 2040 aus. "Die kann man ganz gut im BER abfertigen mit den zwei unabhängigen Rollbahnen", meinte Kollatz-Ahnen.

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: BER-Eröffnung könnte sich weiter verzögern

Die irische Fluggesellschaft Ryanair prognostiziert 90 Millionen Flugpassagiere für das Jahr 2050. Kollatz-Ahnen machte deutlich, dass er bereits 55 Millionen Passagiere für eine ambitionierte Prognose hält. Das vorausgesagte Wachstum gehe größtenteils auf die Low-Cost-Carrier zurück. Bei klassischen Full-Cost-Carriern wie Lufthansa oder Air Berlin werde nur geringes Wachstum erwartet. "Das heißt: Selbst wenn man eine deutliche Zunahme der Billigflieger unterstellt, sind 55 Millionen schon ganz schön viel."

Von: cs mit Material von dpa-AFX und dpa
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