Luftsicherheits-Forum in Berlin Experten warnen vor Cargo-Stau am Boden

22.11.2011 - 13:10 0 Kommentare

Nach Paketbomben-Funden in Frachtflugzeugen hat die EU die Sicherheitsmaßnahmen auch für Luftfracht ab Deutschland verschärft. Zum Frühjahr 2013 drohen Staus am Boden, denn mit der Umsetzung der neuen Richtlinien gibt es Probleme.

Boeing 747-400F der China Airlines Cargo - © © AirTeamImages.com - Peter Unmuth

Boeing 747-400F der China Airlines Cargo © AirTeamImages.com /Peter Unmuth

Nach dem Fund von zwei Paketbomben in Frachtflugzeugen sind Forderungen nach verschärften Kontrollen von Frachtsendungen wieder in den Fokus der öffentlichen Diskussion gelangt. Doch während das Thema in den Medien in der Regel auf den Versand oder den Transit über „Nicht EU-Staaten“ reduziert wird, müssen zukünftig auch deutsche Exportgüter vor einem Flug „sicher gemacht“ werden.

Die entsprechend aktualisierte EU Verordnung EU-VO300/2008 und das nationale Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG) werden derzeit angepasst und umgesetzt. Mit einem Zertifikat „Bekannter Versender“ sollenExporteure zukünftig versichern, dass ihre Sendungen keine verbotenen oder gefährlichen Stoffe beinhalten. Gleichzeitig garantieren sie eine lückenlos sichere Transportkette zum Flughafen. Sie bürgen somit für ihre Luftfracht.

Die Probleme mit der gesetzlich geforderten „sicheren Lieferkette“ durch „bekannte Versender“ diskutierten Ende letzter Woche die Teilnehmer des 6. Fachkongress „Luftsicherheit“ in Berlin.

Nach Schätzungen von Wirtschaftsverbänden müssten bis zum Stichtag am 25. März 2013 rund 65.000 Exportunternehmen in Deutschland die behördliche Zulassung als „Bekannter Versender“ erlangen.

Allerdings liegen beim zuständigen Luftfahrtbundesamt (LBA) erst 3.200 Anträge zur Zulassung vor, obwohl die Übergangszeit für die herkömmliche Anerkennung von sicherer Luftfracht, die in der Vergangenheit von „Reglementierten Beauftragten“ ausgestellt wurde, im Frühjahr 2013 endet.

Ungeachtet dessen erachten Schätzungen zufolge nicht einmal 10.000 Unternehmen den aufwändigen Prozess der Zertifizierung für dringend nötig, so dass die Anzahl vor Ort zu überprüfender Fracht nach Meinung der Experten perspektivisch nicht ab- sondern extrem zunimmt.

Sollte die verladene Wirtschaft von der Zulassung zum „bekannten Versender“ weiter nur zögerlichen Gebrauch machen, werde es unweigerlich zu Staus und erheblichen Verzögerungen in der Luftfrachtkette kommen, so die Meinung des Forums in Berlin.

Gleichzeitig fehle es beim LBA noch an kompetenten Mitarbeitern zur Validierung der Exporteure und Industrieunternehmen, so dass möglicherweise zum Stichtag nicht einmal diejenigen Unternehmen rechtzeitig zugelassen sind, die bereits einen Antrag gestellt haben.

Fracht ohne Zertifizierung muss von den Fluggesellschaften dann vor dem Verladen sicherheitstechnisch überprüfen, was nicht immer einfach oder je nach Fracht technisch sogar unmöglich ist. Für die Kontrolle von Luftfrachtsendungen sind - anders als bei den Passagierkontrollen - die Fluggesellschaften selbst zuständig.

Von: Wolfang Plantholt für airliners.de
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