Ex-BER-Chef mahnt neues Luftverkehrskonzept für Berlin an

10.12.2018 - 13:04 0 Kommentare

Der frühere Berliner Flughafenchef Schwarz vermisst neue Konzepte für den BER. Die Politik müsse sich mit der Zukunft beschäftigen anstatt mit einem zweiten Untersuchungsausschuss die Vergangenheit erneut zu begutachten.

Der ehemalige Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz. - © © dpa - Bernd von Jutrczenka

Der ehemalige Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz. © dpa /Bernd von Jutrczenka

Ex-BER-Chef Rainer Schwarz hat am Freitag vor dem laufenden Untersuchungsausschuss des Berliner Senats Unverständnis über seine erneute Befragung geäußert. Es sei unverständlich, warum sich der Senat sechs Jahre nach der geplatzten Eröffnung des Flughafens immer noch mit der Vergangenheit beschäftige, sagte Schwarz am Freitag vor dem Ausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus.

Es sei aktuell viel wichtiger, intensiv die Berliner Luftverkehrsstrategie zu diskutieren, so Schwarz. Für ihn als mittlerweile Außenstehenden sei es schwer nachzuvollziehen, dass sich ein zweiter Untersuchungsausschuss nun erneut mit genau denselben Themen beschäftige wie schon einmal vor zwei Jahren.

In der Tat hatte sich der Berliner Senat bereits ausführlich mit dem BER beschäftigt und das Ergebnis seiner Untersuchungen in einem 1200-seigigen Report dargelegt. Der Abschlussbericht des ersten BER-Untersuchungsausschusses war 2016 mit den Stimmen der damals regierenden Fraktionen von SPD und CDU verabschiedet worden.

Aktuell gibt es in Berlin eine rot-rot-grüne Landesregierung. Der neue Untersuchungsausschuss zum BER war mit den Oppositionsstimmen von CDU, FDP und AfD eingesetzt worden. Jetzt waren neben Schwarz auch den damaligen technischen Leiter Manfred Körtgen sowie deren Nachfolger Hartmut Mehdorn und Horst Amman befragt worden.

Als Drehkreuz geplant, zum Billigstandort entwickelt

Die Berliner Politik müsse sich dringend Gedanken machen, welche Alternativkonzepte es für den BER gebe, kritisierte Schwarz vor den Berliner Regionalpolitikern. Es sei aktuell nicht ansatzweise erkennbar, wie sich die Hauptstadtregion zukünftig in Sachen Luftverkehr zu positionieren gedenke.

Der BER sei damals als Umsteigeflughafen sowohl für die Lufthansa mit der Star Alliance als auch für die Air Berlin samt ihrer Oneworld-Partner geplant gewesen. Aus dieser Konkurrenzsituation habe sich das Verkehrskonzept des Standorts abgeleitet. Mit Oneworld sollten neue Langstrecken entwickelt werden, wofür sogar ein A380-Gate gebaut worden sei. Lufthansa habe damals bis zu acht Flugzeuge am BER stationieren wollen, so Schwarz: Auch hieraus hätten sich Langstrecken entwickeln können.

Stattdessen müsse die Politik der Bevölkerung in der Hauptstadtregion nun erklären, warum man einen Flughafen für mehrere Milliarden Euro baue, um dort dann lediglich Lowcostern eine Basis für Billigflüge bieten zu können. Das könne nicht der Anspruch der Hauptstadt einer der größten Industrienationen der Welt an ihre Luftverkehrsinfrastruktur sein. Was fehle seien neue Verbindungen für die lokale Wirtschaft, so der ehemalige Berliner Flughafenchef.

Der BER sollte eigentlich Ende 2011 eröffnen, die Inbetriebnahme wurde aber seitdem wegen Fehlplanungen, Baumängeln und Technikproblemen mehrmals verschoben. Derzeit ist der Oktober 2020 als Starttermin vorgesehen. Die Kosten haben sich - zum Teil auch durch Erweiterungen - mehr als verdreifacht. Eigentümer des Flughafenbetreibers sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund.

Von: dh
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