Ex-Air-Berliner sorgen sich um Altersvorsorge

27.02.2018 - 07:00 0 Kommentare

Ehemalige Air-Berlin-Mitarbeiter beschweren sich nach airliners.de-Informationen bei Insolvenzverwalter Flöther, weil dieser ihre Lebensversicherungen noch nicht freigegeben hat. Der Abwickler reagiert umgehend.

Ehemalige Mitarbeiter der Air Berlin. - © © dpa - Matthias Balk

Ehemalige Mitarbeiter der Air Berlin. © dpa /Matthias Balk

Über die Altersvorsorge von ehemaligen Mitarbeitern der Air Berlin Technik gibt es eine Auseinandersetzung. Dies geht aus anwaltlichem Schriftverkehr zwischen dem Justiziar des Betriebsrats und dem Anwalt von Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther hervor, der airliners.de vorliegt.

Hintergrund ist unter anderem der Versorgungstarifvertrag Nr. 2 von 1990 der damaligen LTU, der den ehemaligen Mitarbeitern der Air Berlin Technik eine Altersvorsorge (via Direktversicherung) zuspricht. In dem Kontrakt ist nach Ansicht des Betriebsrats unter anderem geregelt, dass der Arbeitgeber bei einer "vorzeitigen Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses" die Rechtsstellung des Versicherungsnehmers an den "ausscheidenden Versicherten" abtreten muss.

Gegenseite argumentiert mit Einzelvorgängen

Allerdings sei dies bislang noch nicht geschehen, weswegen die Mitarbeiter, die ihre Kapital- und Lebensversicherungen fortführen wollen, davon sprechen, dass "Flöther die Zahlung ihrer Beiträge blockiere". Dieser müsse die Freigabe zur Fortführung der Versicherung erteilen, andernfalls könnte es sein, dass der Versicherungsschutz nicht greife oder die Versicherer (unter anderem Allianz und Generali) die Verträge gar komplett aufkündigten, sorgen sich die Mitarbeiter.

© dpa, Lesen Sie auch: Das lange Ende der Air Berlin Rückblick

Die Gegenseite argumentiert hingegen, dass es um "12.000 Einzelvorgänge" ginge, die geprüft werden müssten. "Soweit eine unwiderrufliche Bezugsberechtigung vorliegt oder die Unverfallbarkeit des Bezugsrechts eingetreten ist, werden die entsprechenden Versicherungen an die Mitarbeiter freigegeben", heißt es in dem Schreiben.

Aussagen eines Betriebsrats

Dies wertet ein ehemaliger Betriebsrat von Air Berlin Technik als "Verzögerungstaktik" und spricht von einem "Affront" gegen die Mitarbeiter: "Das Leiden der Menschen nimmt kein Ende, nun möchte der Insolvenzverwalter an die Altersversorgung", sagt er zu airliners.de. Flöther suche "offensichtlich nach einem juristischen Schlupfloch, dass es ihm ermöglicht, den Mitarbeitern die jahrzehntelang angesparten Einlagen der Altersversorgung zu entziehen".

Dieses aus meiner Sicht verwerfliche Vorgehen passt zum gesamten Ablauf der Air Berlin Insolvenz

Ehemaliger Mitarbeiter der Air Berlin Technik

Flöther kontert im Gespräch mit airliners.de: "Niemand will irgendjemandem an die Altersversorgung." Bevor er die Versicherungen auf die einzelnen Arbeitnehmer übertragen könne, verpflichte ihn das Insolvenzrecht, diese Einzel-Prüfungen vorzunehmen. "Die Überprüfung selbst folgt dem Inhalt und der Ausgestaltung der jeweiligen Vorsorge-Verträge sowie den Vorgaben des Betriebsrentengesetzes. Letzteres betrifft vor allem die Regeln bezüglich Lebensalter und Betriebszugehörigkeit."

Rufe des Betriebsrats, wonach es nur einige wenige Gruppenverträge gäbe, die geprüft werden müssten, widerspricht der Insolvenzverwalter: "Die Versicherungen verlangen bei jedem Arbeitnehmer die Mitteilung des Austritts- beziehungsweise Beendigungsdatums, um die Versicherungen zu diesem Zeitpunkt übertragen zu können." Da die Überprüfung allerdings "nur wenige Monate" dauere, bestehe kein Grund zur Sorge.

Air Berlin meldete im August vergangenen Jahres Insolvenz in Eigenregie an. Nachdem große Teile des Carriers an Lufthansa und Easyjet verkauft waren, eröffnete das Amtsgericht Charlottenburg am 1. November das Insolvenzverfahren.

Von: cs
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