Karl Ulrich Garnadt

"Eurowings wird nun als Wettbewerber ernst genommen"

20.02.2017 - 12:59 0 Kommentare

Eurowings-Vorstand Karl Ulrich Garnadt spricht im airliners.de-Interview über den Start der Air-Berlin-Kooperation sowie die Konkurrenz mit Transavia. Für Ryanair gibt es dabei eine Absage, für Condor nicht.

Karl Ulrich Garnadt - © © dpa - Andreas Gebert

Karl Ulrich Garnadt © dpa /Andreas Gebert

airliners.de: Ryanair hat Ihre Zusammenarbeit mit Air Berlin zuletzt als "verzweifelten Versuch" bezeichnet, anderen Airlines "den Marktzugang zu blockieren". Was sagen Sie dazu?

Karl Ulrich Garnadt: Die Reaktion von Ryanair zeigt doch vor allem, dass sie sich zunehmend mit Eurowings beschäftigen. Vor zwei Jahren haben sie noch ihre Witzchen gemacht und Eurowings ein nahes Ende prophezeit. Heute gibt es keine andere Airline in Europa, die so schnell und dynamisch wächst wie Eurowings. Wir werden in Kürze mehr als 100 Flugzeuge betreiben und als Wettbewerber nun offenbar ernst genommen. Darüber bin ich - mit Verlaub - alles andere als verzweifelt.

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Ryanair sagt, sie wären offen für eine Kooperation, wenn Lufthansa das wünscht. Wünschen Sie?

Garnadt: Wir haben in den Lufthansa-Drehkreuzen ein klares Konzept, und wir sind damit sehr erfolgreich. Ich bin fest überzeugt, dass wir in der Lufthansa Group - mit all unserer Kompetenz, unserer Serviceorientierung und der Leidenschaft unserer Mitarbeiter - ein Angebot machen, an das Ryanair in keiner Weise heranreichen kann. Insofern: Wir brauchen Ryanair nicht.

Würde denn Condor zur Eurowings passen? Vielleicht als Wetleasing-Partner?

Garnadt: Die Konsolidierung in Europas Luftverkehr hat gerade erst begonnen und wird noch an Fahrt gewinnen, das steht für mich fest. Condor wird sicher eine Idee zur Weiterentwicklung haben, aber ich kann nicht für Condor sprechen. Ich kann nur sagen: Eurowings ist als Plattform konzipiert, die Partnern im Zuge der Konsolidierung ein Modell bietet, um erfolgreich in einem größeren, europäischen Verbund operieren zu können. Das ist unser Ziel - und dieses Ziel verfolgen wir konsequent.

Sie haben sich nicht zuletzt mit den neuen Air-Berlin-Kapazitäten für dieses Jahr ohnehin schon viel vorgenommen, oder?

Garnadt: Unser Zeitplan nimmt die Dynamik der Marktveränderungen auf - und damit ein Tempo, das uns viele nicht zugetraut haben. Das liegt aber nicht nur am Zugang der 33 Air Berlin-Flugzeuge. Bei Eurowings in Düsseldorf haben wir gerade eine Umflottung von Bombardier 90-Sitzern auf 23 größere, fabrikneue Airbus A320 abgeschlossen. Allein damit verdoppeln wir annähernd unsere Sitzplatzkapazität. In den nächsten Wochen werden wir Eurowings am Flughafen Wien stark ausbauen. Und wir werden neue Eurowings Basen in München sowie auf Palma de Mallorca eröffnen. Wir wachsen im Sommerflugplan um mehr als 25 Prozent und nehmen erstmals Kurs auf die Marke von 25 Millionen Gästen pro Jahr.

Wie man hört haben Sie jetzt sogar einige Air-Berlin-Flugzeuge bei den Leasinggebern gekauft. Warum?

Garnadt: Das ist ein durchaus industrieübliches Verfahren und im Übrigen das gleiche Modell wie auf der Eurowings-Langstrecke. Kostenseitig war es für die Lufthansa Group definitiv besser, mit den Leasinggebern neu zu verhandeln und einige Flugzeuge zu kaufen. Wir haben ja auch eine Reihe von A320, die schon ein sehr hohes Alter haben. Da war ohnehin Ersatzbedarf.

Wie haben Sie eigentlich den Übergang von Air-Berlin-Strecken auf Eurowings geplant?

Garnadt: Wir haben einen Flugplan aus unserer Sicht der Marktlage erstellt. Dabei gilt es eigene Marktforschung zu betreiben und Vermutungen anzustellen. Denn keiner weiß, was am Ende wirklich von Wettbewerbern geflogen wird. Erst bei der Slot-Konferenz stellt sich dann heraus, was umsetzbar ist und was nicht. Das ist ein eingespielter und sich regelmäßig wiederholender Prozess, der am Ende zu dem Flugplan geführt hat, den wir veröffentlicht haben.

Transavia hat jetzt angekündigt, die deutsche Basis in München aufzugeben. Sehen Sie sich dort schon als Sieger?

Garnadt: Dass die Lufthansa Gruppe insgesamt ein ernstzunehmender Wettbewerber ist, sollte keinen wundern. Möglicherweise hat unsere Ankündigung, mit Eurowings in München stärker auf touristische Angebote zu setzen, bei Transavia einen Denkprozess ausgelöst. Bisher gab es mit Transavia aber nur eine sehr begrenzte Überschneidung im Flugangebot. Da müssen auch andere Gründe mitspielen, die ich aber nicht kenne und entsprechend nicht beurteilen kann.

Wird es in Frankfurt mit Wizz Air und Ryanair also nicht so einfach?

Garnadt: Wir stellen uns diesem Wettbewerb - und wir sind zugleich ein harter Wettbewerber. Was uns allerdings irritiert sind die massiven Preisnachlässe für Airlines, die auf Strecken einsteigen, die es in Frankfurt schon gibt. Das haben wir hinreichend kommentiert, weil wir es nicht für den richtigen Weg halten.

Können Sie denn schon genaueres zu den Eurowings-Plänen in Frankfurt sagen?

Garnadt: Es gibt dazu erste Pläne, aber keine Entscheidung. Im Laufe des Sommers werden wir entscheiden, wie wir uns für 2018 am Flughafen Frankfurt aufstellen - und mit welchem Flugbetrieb.

Vielen Dank.

Von: dh
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