Ausblick

So will Eurowings 2018 wachsen

28.12.2017 - 08:00 0 Kommentare

Die Lufthansa-Tochter Eurowings will im kommenden auf 210 Maschinen wachsen. airliners.de stellt dar, wo das Wachstum stattfinden soll. Das Aus der Air Berlin ist dabei nicht der einzige Punkt.

Maschinen der Eurowings Europe am Flughafen Wien: Der Billigflieger will zukünftig mit 210 Flugzeugen starten. - © &Copy; AirTeam Images - Chris Jilli

Maschinen der Eurowings Europe am Flughafen Wien: Der Billigflieger will zukünftig mit 210 Flugzeugen starten. &Copy; AirTeam Images /Chris Jilli

Eurowings hat Anfang des Jahres angekündigt, dass sie zukünftig mit einer Flotte von 210 Maschinen planen. Operations-Geschäftsführer Michael Knitter hat im airliners.de-Interview die angepeilte Flottenstärke noch einmal bestätigt, merkte allerdings an, dass durch den geplatzten Niki-Deal die Zielmarke wahrscheinlich erst später erreicht werden kann. Die ersten Schritte seien dank des LGW-Zukaufs erfolgt, die Airline setze aber auch auf organisches Wachstum.

© Eurowings, Lesen Sie auch: "Wir stellen jetzt auch in Deutschland ein" Interview

Aktuell betreibt die Eurowings Deutschland 23 Maschinen, mehr waren wegen des aktuell noch gültigen Tarifvertrags mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bisher nicht ohne Weiteres möglich. Der Vertrag beinhaltete ein gewerkschaftsseitiges Sonderkündigungsrecht, sollten über 23 Flugzeuge für die Eurowings Deutschland starten. Allerdings erklärte die VC vor Kurzem, dass sie nicht weiter auf die Klausel bestehe.

Mit der Einigung über den "Tarifvertrag Wachstum", können von nun an ohne Konsequenzen mehr Flugzeuge von der Eurowings Deutschland bereedert werden. Knitter kündigte an, dass nun auch ehemalige Air Berliner dort angestellt würden. Vorangegangen waren lange Verhandlungen, die Eurowings Mitte Dezember zu Tarifabschlüssen mit den drei branchenrelevanten Gewerkschaften VC, Verdi und Ufo brachte.

Wachstum von vielen Seiten

Im Zentrum der Planungen steht, nach aktueller Sachlage, der Ausbau der in Wien beheimateten Eurowings Europe. Vor zwei Jahren gegründet, ist sie bis heute tariflos, allerdings heißt es aus Gewerkschaftskreisen, beide Seiten führen aktuell wieder Gespräche über einen Kollektivvertrag und seien "optimistisch, bald eine Einigung zu erzielen".

Bis zur Einigung mit der VC sah Eurowings vor, dass der größte Teil des Wachstums in Österreich stattfinden sollte: "Einsatzort in Deutschland, angestellt in Österreich", wie es Knitter sagte. Derzeit betreibt Eurowings Europe lediglich acht Maschinen der A320-Familie an den Basen Wien, Salzburg, und Palma de Mallorca.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Gewerkschaften und Eurowings nähern sich an

Wohin die Reise für die Germanwings geht, ist weiter offen. Mit der Umstellung auf den aktuellen Winterflugplan fliegt der Billigflieger nicht mehr unter eigenem Flugcode ("4U"), sondern nutzt den der deutschen Eurowings ("EW"). Die Flotte besteht aus über 40 Maschinen der A320-Familie, die schon bald zu Eurowings übergehen könnten.

Air-Berlin bringt viele neue Kapazitäten

Noch bevor Air Berlin Insolvenz anmeldete, hatte ein Wet-Lease über 38 Maschinen mit dem Lufthansa-Konzern gegolten: Fünf Maschinen flogen für Austrian Airlines und die restlichen 33 für Eurowings (de facto flottete Eurowings zwischen Februar und August bereits 32 Maschinen ein).

Dieser Wet-Lease wurde im Herbst von einem neuen Vertrag mit Air Berlin über 13 Maschinen ersetzt. Gleichzeitig wurde einer mit LGW geschlossen: über Kapazitäten von 17 Turbopop-Maschinen und den 13 A320-Flugzeuge der Air Berlin, die seit Anfang Dezember nach und nach umregistriert und zur LGW übergehen sollen. LGW löst damit voraussichtlich Ende 2017 Air Berlin ab.

Auch die Dash-Maschinen der Regionalfluggesellschaft sollen für Eurowings weiter im Einsatz bleiben, sagte LGW-Chef Felix Genze im Interview mit airliners.de. Denn LGW wird im Januar für 18 Millionen Euro vom Lufthansa-Konzern gekauft und an Eurowings angeschlossen. Dafür gab die EU-Kommission nach Phase eins des Fusionskontrollverfahrens kürzlich grünes Licht. Allerdings hatte das Bundeskartellamt schon angekündigt, sich die innerdeutsche Marktmacht der Lufthansa noch einmal genauer anschauen zu wollen.

© dpa, Lesen Sie auch: Spohrs Pläne für Air Berlin

Niki-Rückzug dämpft Wachstumsziel

Nachdem die EU-Kommission deutliche Bedenken gegen die geplante Übernahme der Niki durch die Lufthansa signalisierte, zog die Lufthansa den Kauf des österreichischen Ferienfliegers zurück. Zur Flotte der mittlerweile insolventen Airline gehören rund 20 Maschinen der A320-Reihe. Laut Eurowings sind vier Maschinen bereits im Besitz der Airline, die aktuell zum Verkauf steht.

Sollte ein Investor gefunden werden, sieht eine EU-Richtlinie vor, dass Eurowings das Fluggerät der Niki dem neuen Betreiber zu marktüblichen Konditionen zur Verfügung stellen muss. Durch den Ausstieg fehlt der Lufthansa-Billigplattform der direkte Zugriff auf die rund 20 Maschinen.

Eurowings bringt mehr Kapazitäten auf die Langstrecke

Neben dem innereuropäischen Verkehr, erweitert Eurowings zunehmend das Langstrecken-Angebot, vorrangig bei touristischen Destinationen, aber auch einige nordamerikanische Business-Ziele stehen auf dem Flugplan. Eine wichtige Stellung nimmt dabei mittlerweile der Flughafen Düsseldorf ein.

Bislang wurde die Eurowings-Langstrecke komplett aus Köln/Bonn bedient. Doch nach der Pleite der Air Berlin werden viele Long-Haul-Destinationen von der Lufthansa Billigtochter auch vom größten NRW-Airport aus geflogen. Ähnliches gilt für den Berliner City-Airport Tegel, und auch vom Flughafen München sollen bald Flieger auf die Langstrecke starten.

Die meisten Langstrecken werden mit sieben Maschinen der Sun Express im Wet-Lease für Eurowings durchgeführt. Die Schweizer Charter-Gesellschaft Privat Air fliegt seit Dezember mit einer Boeing 767 für Eurowings eine USA-Strecke. Ab 2018 wird auch Brussels Airlines für die Schwester auf der Langstrecke starten, bestätigte Knitter im airliners.de-Gespräch bisherige Vermutungen:

© AirTeamImages.com, Rudi Boigelot Lesen Sie weiter: Brussels Airlines soll für Eurowings auf der Langstrecke abheben

Weiter unklar sind die Pläne über die Integration des belgischen Carriers. Die Übernahme der Brussels wurde im Dezember 2016 abgesegnet. Aktuell zählt Eurowings die rund 50 Flugzeuge von Brussels komplett zur eigenen Flotte. Die ursprünglich für Anfang 2018 angekündigten Pläne zur Brussels-Integration in Eurowings verzögern sich wegen der kurzfristigen Air-Berlin-Aufteilung nach airliners.de-Informationen allerdings noch. In einem ersten Test fliegt Brussels aktuell schon die Strecke Berlin-Brüssel für Eurowings.

Fazit: Eurowings - keine klassische Airline

Alles in allem fliegen aktuell sieben Airlines für Eurowings: Eurowings Deutschland, Germanwings, Eurowings Europe, Air Berlin, LGW, Sun Express und in geringem Maße auch Brussels. Damit ist Eurowings laut Branchenkennern keine klassische Airline im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Zusammenschluss verschiedener Carrier und wächst darüber.

Die Ereignisse des Jahres - von der Air-Berlin-Pleite über die geplatzte Niki-Übernahme bis zur Integration der Brussels - haben der Fluggesellschaft ein überdurchschnittliches Wachstum beschert mit einer angebotenen Kapazität von über 160 Maschinen:

Wer für Eurowings fliegt

12/2017 2018
Eurowings (Deutschland) 23 x A320 >23 x A320
Eurowings Europe 11 x A32X 11 x A32X + 20 von Niki*
Germanwings 46 x A32X 46 x A32X
Air Berlin 13 x A320 -
LGW 17 x Dash-8 17 x Dash-8, 13 A320
Sun Express 7 x A330 7 x A330
Brussels** (36 x A32X, 10 x A330) (36 x A32X, 10 x A330)
gesamt*** 163 183

Anmerkungen:
Zudem betreiben aktuell unter anderem auch Helvetic Airways, Privat Air und Tuifly einzelne Maschinen für Eurowings, die nicht in die hiesige Rechnung eingegangen sind.
*=Sofern sich bis Ende 2017 ein neuer Investor für Niki findet, muss EW diese Flugzeuge laut EU weiterverleasen
**=Diese Flugzeuge zählt Lufthansa bereits zur Eurowings-Flotte, obwohl sie hauptsächlich für Brussels fliegen
***=Inklusive aller Eventualitäten.

Von: br
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