Eurowings einigt sich mit Verdi auf Flugbegleiter-Tarifvertrag

Verdi und Eurowings haben eine Tarif-Einigung für das Kabinenpersonal erzielt. Das freut nicht jeden: Konkurrenzgewerkschaft Ufo spricht von einer "Provokation". Kommt der erste Test für das Tarifeinheitsgesetz?

Flugzeug der Lufthansa-Tochter Eurowings stehen auf dem Flughafen Düsseldorf. - © © dpa - Bernd Thissen

Flugzeug der Lufthansa-Tochter Eurowings stehen auf dem Flughafen Düsseldorf. © dpa /Bernd Thissen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Eurowings haben bei den Tarifverhandlungen für die rund 460 Kabinenbeschäftigte des Lufthansa-Billigfliegers eine Einigung erzielt. Das teilten beide Seiten am Freitagabend mit.

Demnach erhöhen sich die Gehälter der Flugbegleiter zum Oktober 2016 rückwirkend um 2,5 Prozent, ab Oktober 2017 um weitere 2,5 Prozent und zum Oktober 2018 nochmals um 1,25 Prozent. Zudem gibt es Neuregelungen bei der Mehrflugstunden- und Provisionsvergütungen sowie eine eigene Tariftabelle für Purser.

Die Einigung muss noch von den Verdi-Mitgliedern unter den Flugbegleitern der deutschen Eurowings GmbH abgesegnet werden. Der Tarifvertrag gilt nicht für die von der Sunexpress Deutschland bedienten Eurowings-Langstrecke, nicht für Kabinenpersonal der Germanwings und auch nicht für die österreichische Eurowings Europe.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle sprach von einem "sehr guten Ergebnis für alle Flugbegleiter bei Eurowings". Die Gewerkschaft hatte erst Ende November mit einem Streik zu Ausfällen im Flugbetrieb des Billigfliegers gesorgt.

Verdi und Ufo konkurrieren um die Eurowings-Flugbegleiter

Bei der deutschen Eurowings vertreten allerdings gleich zwei Gewerkschaften das Kabinenpersonal: Verdi und Ufo. Die auf Flugbegleiter spezialisierte Spartengewerkschaft hatte Eurowings ihrerseits zuletzt Ende Oktober bestreikt. Genau wie Verdi nimmt auch Ufo für sich in Anspruch, die Mehrheit der Flugbegleiter bei der Fluggesellschaft zu vertreten.

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Eurowings-Personalchef Jörg Beißel sagte, die Einigung mit Verdi sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Lösung der Tarifkonflikte in der Eurowings-Kabine. Das Unternehmen sei bei den Verhandlungen an die "Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren" gegangen. Man werde den erzielten Abschluss "im Sinne der Tarifeinheit" nun auch der Ufo anbieten.

Ufo-Sprecher Nicoley Baublies bezeichnete die Tarifeinigung von Verdi derweil als "massive Provokation" und sprach von einem "Unterbietungstarifvertrag". Ufo hatte zuvor eine Dreier-Schlichtung vorgeschlagen. Jetzt will Ufo den Abschluss im Einzelnen bewerten und über das weitere Vorgehen beraten.

Erster Test für Tarifeinheitsgesetz

Sollten tatsächlich beide Gewerkschaften unterschiedliche Tarifverträg erreichen, könnte Eurowings zu einem ersten Test für das neue Tarifeinheitsgesetz werden. Da nicht klar ist, ob Verdi oder Ufo mehr Mitglieder bei der Fluggesellschaft haben, müsste ein sogenanntes Tarifeinheitsverfahren zur notariellen Klärung in Gang gesetzt werden. Der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitglieder würde dann für alle Kabinenbeschäftigte gelten.

Die Situation bei der Eurowings könnte damit sogar für eine Blaupause für die zahlreichen ungelösten Tarifstreitigkeiten in anderen Teilen des Lufthansa-Konzerns werden. Unter anderem streiken bei der Lufthansa die Piloten, offen sich gleich mehrere Tariffragen.

© dpa, Stefan Puchner Lesen Sie auch: Luftfahrt-Tarifexperte: "Der Geist muss zurück in die Flasche"

Von: dh mit dpa, AFP

Datum: 02.12.2016 - 23:28

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