Das sind die Gewinner der neuen Eurowings-Strategie

05.12.2014 - 13:06 0 Kommentare

Mit einem Airlineverbund unter der Dachmarke "Eurowings" will Lufthansa im europäischen Billigflugsegment aufholen und sich auf der Lowcost-Langstrecke schon frühzeitig positionieren. Davon profitiert nicht nur der Flughafen Köln/Bonn.

Die Eurowings-Langstrecke wird mit A330-200 geflogen. Im Cockpit: Piloten der Sun Express Germany.

Die Eurowings-Langstrecke wird mit A330-200 geflogen. Im Cockpit: Piloten der Sun Express Germany.
© Lufthansa Group

Blick vom Vorfeld auf den Flughafen Köln-Bonn

Blick vom Vorfeld auf den Flughafen Köln-Bonn
© Köln Bonn Airport

Ein Airbus A319 der Germanwings landet auf dem Flughafen Köln-Bonn.

Ein Airbus A319 der Germanwings landet auf dem Flughafen Köln-Bonn.
© dpa - Oliver Berg

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wagt mit der Einführung der neuen Eurowings einen weiteren großen Schritt beim Konzernumbau. Nach der Übernahme des dezentralen Lufthansa-Direktverkehrs durch die Germanwings geht es jetzt darum, mit einer Lowcost-Expansion in Europa gegen die großen paneuropäischen Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet aufzuholen.

Gleichzeitig will Spohr frühzeitig Flagge auf der billigen Langstrecke zeigen, um sich eine bessere Ausgangssituation im aufkommenden Langstrecken-Lowcost-Markt zu sichern. Dafür schickt er nun zunächst drei Flugzeuge auf die interkontinentale Reise, mit der Option auf mehr. Das Risiko dabei ist überschaubar, denn die Eurowings-Langstreckenflugzeuge werden komplett von der SunExpress Deutschland betrieben.

Damit stehen auch die Gewinner der neuen Lowcost-Strategie fest: So wird die SunExpress Deutschland durch die Wings-Strategie der Lufthansa zu einer Langstreckenairline. Bislang hat der deutsche Ableger der Lufthansa/Turkish-Airlines-Gemeinschaftsairline SunExpress elf Boeing 737-800 in der Flotte, mit denen Ziele rund um das Mittelmer angeflogen werden. Jetzt kam der Auftrag aus der Lufthansa-Konzernzentrale, bis zu sieben Airbus A330-200 für die neue Eurowings zu betreiben.

Auch die heutige Regionalairline Eurowings wird einen Sprung machen und wachsen: Statt aus derzeit 23 Canadair-Regionalflugzeugen soll die Flotte der Fluggesellschaft schon bald aus 23 rund doppelt so großen Mittelstreckenflugzeugen der Airbus-A320-Familie bestehen. Am Boden profitiert derweil vor allem der Flughafen Köln/Bonn.

Flughafen Köln/Bonn sieht "historische" Chance

In den letzten Jahren hatte Köln/Bonn mit einem Passagierrückgang zu kämpfen, jetzt kann Flughafenchef Michael Garvens wieder auf Wachstum setzen: Die Entscheidung, mit der neuen Eurowings nach Köln/Bonn zu kommen, sei "ein zweiter historischer Erfolg".

Dem sechstgrößten Flughafen der Republik war es schon 2002 gelungen, Heimatflughafen für die damals neue Germanwings zu werden. Heute ist Germanwings mit 16 stationierten Flugzeugen und rund vier Millionen Passagieren im Jahr der mit Abstand größte Kunde am Platz.

Mit dem geplanten Eurowings-Langstreckendrehkreuz kann die Passagierzahl nur wachsen, auch wenn erst einmal lediglich drei Airbus A330-200 in Köln/Bonn stationiert werden. Denn es gibt die realistische Chance auf weitere vier Langstreckenflugzeuge und natürlich immer die Option auf mehr.

Entsprechend viel verspricht sich der Flughafen Köln/Bonn, der gerade erst voller Stolz eine Condor-Langstreckenverbindung eröffnet hat und ansonsten vor allem als großer Frachtflughafen eine Rolle in der deutschen Flughafenlandschaft spielt.

Zudem konnte Flughafenchef Garvens mit dem neuen Kunden einen Revierrivalen ausstechen: Zuvor war auch immer wieder Düsseldorf als mögliche Basis für die neue Wings-Plattform genannt worden. Hier hätte sich Eurowings allerdings neben Air Berlin als größter Airline vor Ort auch noch mit deren Partner Etihad sowie Emirates in eine direkte Konkurrenzsituation gebracht.

Mit verschiedenen Fluggesellschaften als Basis auf Europa-Expansion

Man sollte allerdings nicht den gedanklichen Fehler machen, die neue Eurowings auf Köln zu fixieren. Auch wenn die Langstrecke hier fliegt und die kommerzielle Steuerung aller Wings-Fluggesellschaften hier angesiedelt werden soll, muss Spohr mit der neuen Lowcost-Marke in ganz Europa wachsen.

Während nämlich die Konkurrenten auf der Mittelstrecke in den letzten Jahren zu paneuropäisch operierenden Großfluggesellschaften mit hunderten Flugzeugen und Basen im gesamten Kontinent gewachsen sind, hat es die Lufthansa mit ihrer bisherigen und vergleichsweise kleinen Billigflug-Ambition Germanwings kaum über die Grenzen Deutschlands hinaus geschafft. Die neue Eurowings soll nun schon bald neben Basen in Deutschland auch von der Schweiz und aus Belgien heraus operieren.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa schickt Eurowings auf die Langstrecke

Die neue Marke "Eurowings" ist dabei als "Plattform" konzipiert, auf der mehrere Fluggesellschaften ihre Leistungen anbieten sollen. Welche weiteren Lufthansa-Konzernfluggesellschaften sich der neuen Marke noch anschließen werden, bleibt abzuwarten. Bislang sind es die genannten Germanwings, Sun Express Deutschland sowie die Eurowings. Die übernimmt übrigens keine Führungsrolle oder ähnliches sondern trägt lediglich mehr oder weniger zufällig den selben Namen wie das neue gemeinsame Marketingkonstrukt.

© AirTeamImages.com, Lesen Sie auch: Lufthansa setzt bei Touristikzielen nicht nur auf Eurowings

Ob das Wings-Konzept für die Lufthansa insgesamt ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Vor dem Hintergrund, dass Lufthansa gleichzeitig auch unter eigenem Namen neue Wege geht, um sich im internationalen Konkurrenzkampf zu behaupten, wird sich erst noch zeigen müssen, wen die Spohr-Strategie als Verlierer zurücklassen könnte.

Von: airliners.de
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