Eurowings verärgert Stammpersonal in Österreich

13.10.2017 - 08:01 0 Kommentare

Seit Wochen bereitet sich Eurowings auf die Integration der Air-Berlin-Mitarbeiter vor - mit mehreren Gewerkschaften wurden schon Tarifeinigungen erzielt, die auch das Personal der insolventen Konkurrentin einschließen. Doch nun scheren die eigenen Crews aus. 

A320 der Eurowings Europe. - © © AirTeamImages.com - Paul Marais-Hayer

A320 der Eurowings Europe. © AirTeamImages.com /Paul Marais-Hayer

Die Mitarbeiter der drei Eurowings-Auslandsbasen Wien, Salzburg und Palma de Mallorca kritisieren die aus ihrer Sicht ungerechte Personalpolitik bei der Lufthansa-Tochter. So schrieben die Crews der von der österreichischen Eurowings Europe betriebenen Stationen einen Brief an die Geschäftsführung.

In dem Schreiben, das airliners.de vorliegt, kritisieren die Mitarbeiter, dass Piloten der Air Berlin zu den "deutschen Konditionen" an deutschen Basen bei der österreichischen Eurowings Europe eingestellt würden und die Vergütung des Bestandspersonals hingegen nicht angepasst werde. "Dies empfinden wir als Schlag ins Gesicht", heißt es.

Offenbar weniger Gehalt

Eurowings-Europe-Mitarbeiter verdienen laut des Schreibens weniger als die in Deutschland angestellten Kollegen. "Wer unsere Arbeit nur mit 60 Prozent von dem honoriert, was die Kollegen an den anderen Basen erhalten, der darf sich am Ende nicht wundern wenn unsere Leistung auch dementsprechend geringer ausfällt."

Zudem bemängeln sie, dass die Piloten der insolventen Konkurrentin bevorzugt behandelt würden: "Eine Stationierung an den neuen attraktiveren Standorten soll bevorzugt den neuen Mitarbeitern der ehemaligen Air Berlin vorbehalten sein, die 'zu den aktuell bei uns gezahlten Konditionen nicht an eine Eurowings-Europe-Basis im Ausland wechseln würden'."

Damit habe Eurowings einen "einmaligen Vorgang in der Geschichte der Unternehmenswelt" geschaffen: "Neues Personal wird besser vergütet und behandelt und dem Stammpersonal diese Anpassung verweigert."

Eurowings weist die Vorwürfe entschieden von sich. Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr hat in einem Interview gerade erst betont, dass auch ein Eurowings-Pilot bis zu 150.000 Euro pro Jahr verdienen könne - "also mehr als 12.000 Euro im Monat". Auch die Eurowings-Tochter in Österreich zahle an ihren Standorten in Wien und Palma de Mallorca "attraktive und marktfähige Gehälter", teilte das Unternehmen mit.

Zudem habe Eurowings Europe - nach einer aktuellen Analyse der Marktbedingungen - die Vergütungen in Kabine und Cockpit kürzlich erst spürbar erhöht. "Die erwähnten Gehaltsunterschiede von 30 Prozent sind schlicht falsch", teilte der Carrier auf Anfrage mit.

Kollektivvertrag lässt weiter auf sich warten

Eurowings stellt aktuell schon Piloten der Air Berlin ein. Diese kommen aber bei der tariflosen Schwester in Österreich, Eurowings Europe, unter. Mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und den Arbeitnehmervertretern der Verdi einigte sich Eurowings zuletzt schon auf Tarifverträge, die auch die Anstellung von Air-Berlin-Crews mit einschließt.

Laut Tarifexperte Eckhard Bergmann umschifft Eurowings so das Aushandeln eines neuen Tarifvertrags mit der Vereinigung Cockpit (VC): "Aktuell sind 23 A320 von der Eurowings in Düsseldorf bereedert. Sobald sich diese Zahl ehöht, kann die VC den aktuellen Tarifvertrag kündigen und auf einen neuen pochen." Verhandlungen dazu seien am 20. September erfolglos abgebrochen worden. "Deshalb werden die Piloten jetzt bei Eurowings Europe angestellt, obwohl sie in Deutschland zum Einsatz kommen." Nach EU-Recht stelle das kein Problem dar.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Air-Berlin-Mitarbeiter bei Eurowings: In die (Tarif-) Flucht geschlagen Aviation Management

Eurowings Europe hat bislang keinen Kollektivvertrag. Die Notwendigkeit eines solchen sei laut der Mitarbeiter durch die aktuelle Vorgehensweise ausdrücklich gegeben. Die österreichische Gewerkschaft Vida drängt seit längerem auf einen Abschluss. Nun teilt sie mit, dass die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit unterbrochen wurden.

Von: cs
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