Eurowings-Piloten kritisieren Veto ihrer Gewerkschaft

Nachdem die Pilotengewerkschaft VC überraschend die Tarifeinigung mit der deutschen Eurowings hat scheitern lassen, erheben die Piloten der Lufthansa-Tochter in einem Brief nun schwere Vorwürfe gegen die Arbeitnehmervertreter.

Airbus A320 der Eurowings. - © © AirTeamImages - HAMFive

Airbus A320 der Eurowings. © AirTeamImages /HAMFive

Piloten der deutschen Eurowings üben nach der gescheiterten Tarifeinigung zwischen der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Lufthansa-Tochter scharfe Kritik an ihren Arbeitnehmervertretern. Das überraschende Veto des VC-Vorstands verlagere Arbeitsplätze ins Ausland, heißt es in einem offenen Brief an die Gewerkschaft, der airliners.de vorliegt.

"Die Gewerkschaft, die unsere Interessen und Rechte schützen und vertreten soll, vernichtete schlagartig jede Hoffnung auf Wachstum, jede Hoffnung auf Ruhe und Frieden", heißt es in dem Schreiben. Das VC-Veto hindere jahrelang treue Mitglieder an ihren Karrierechancen.

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Die Piloten der deutschen Eurowings seien "ebenfalls vollwertige Mitglieder" und bräuchten eine Gewerkschaft, die "nicht irgendwelche übergeordneten Ziele verfolgt". Die VC-Piloten bei der deutschen Eurowings müssten sich nun mit ihrem Arbeitgeber verbünden, "der dem Personal mehr Karrierechancen wünscht als die eigene Gewerkschaft".

Beförderungen der Co-Piloten hinfällig

Der Vorstand der Pilotengewerkschaft hatte am Montag kurz vor Ablauf der Widerspruchsfrist sein Veto gegen den von der VC-Tarifkommission mit dem Lufthansa-Konzern ausgehandelten "Tarifvertrag Wachstum" für die deutsche Eurowings eingelegt. Dieser sollte es ermöglichen, dass der deutsche Eurowings-Flugbetrieb unter anderem Piloten der Air Berlin in Deutschland einstellen kann. In der Folge sollte die Flotte der deutschen Eurowings ausgebaut werden. Für die Bestandspiloten hätte das zum Teil Beförderungen zum Kapitän bedeutet.

Nach dem Veto gilt nun aber für den deutschen Eurowings-Flugbetrieb weiter ein Tarifvertrag, der noch bis 2019 läuft. Allerdings lässt dieser Vertrag lediglich eine Bereederung von maximal 23 Flugzeugen bei der Eurowings GmbH zu - diese de facto Grenze ist bereits erreicht. Mit dieser Klausel will die Pilotengewerkschaft das höhere Tarifniveau bei Lufthansa schützen und eine weitere Verlagerung an Eurowings behindern. Nach Expertenschätzung sind mehr als 60 Prozent der VC-Mitglieder Lufthansa-Piloten.

Zwei Möglichkeiten für ehemalige Air-Berlin-Piloten

Lufthansa ist nun gezwungen, das bereits beschlossene Wachstum bei Eurowings in Flugbetrieben im Ausland stattfinden zu lassen. Davon gibt es einige. Neben der Eurowings Europe in Wien hat Lufthansa die österreichische Niki gekauft, die ebenfalls bald für Eurowings abheben soll. Zudem gibt es Brussels Airlines in Belgien, die demnächst für Eurowings ab Düsseldorf auf die Langstrecke gehen soll.  

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Die Ablehnung der zuvor von ihrer Tarifkommission ausgehandelten Neuregelung muss die Gewerkschaft nun nicht nur ihren Mitgliedern bei der deutschen Eurowings erklären. Piloten der Air Berlin, die zum Teil ebenfalls bei der VC organisiert sind, müssen sich entweder bei der bislang tariflosen Eurowings Europe in Österreich bewerben oder zur Easyjet wechseln, die in Berlin eine Basis eröffnen will und dafür bereits mit Verdi Rahmenbedingungen inklusive Übergangslösung ausgehandelt hat.

Update 10. November 2017: Die VC wollte auf Nachfrage den Brief erst einmal nicht kommentieren, da sie die Echtheit des Schreibens nicht bestätigt habe. Der Verfasser des Briefs versicherte gegenüber airliners.de, dass mehr als die Hälfte der Eurowings-Piloten den Inhalten des Schreibens zugestimmt hätten.

Von: cs, dh

Datum: 09.11.2017 - 12:59

Adresse: http://www.airliners.de/eurowings-piloten-veto-gewerkschaft/42808