Eurowings startet Langstrecken ab Frankfurt

05.03.2019 - 16:25 0 Kommentare

Frankfurt wird neben Düsseldorf und München ab kommendem Winter der dritte Eurowings-Langstrecken-Airport. Es ist nicht der erste Lufthansa-Ansatz für günstige Interkontinentalangebote am Heimat-Hub.

Langstreckenflugzeuge von Eurowings. - © © Eurowings -

Langstreckenflugzeuge von Eurowings. © Eurowings

Eurowings wird im kommenden Winterflugplan erstmalig auch in Frankfurt präsent sein und touristische Langstreckenflüge anbieten. Dazu wird der Lufthansa-Billigflieger vier Langstreckenflugzeuge am Drehkreuz der Mutter stationieren, teilte die Lufthansa Group jetzt mit.

Eurowings setzt für die touristische Langstrecke in Frankfurt auf die operativ von Sun Express Deutschland betriebenen Airbus A330-Maschinen. Die Flugzeuge werden dazu im Winter von Düsseldorf nach Frankfurt verlegt.

Lufthansa feedet Eurowings-Langstrecke in Frankfurt

"Es ist für den Konzern der strategisch richtige Schritt, in Frankfurt die Stärken ihrer zwei größten Airlines zu kombinieren", sagte Eurowings-CEO Thorsten Dirks. Mit den Angeboten könne der Konzern vom wachsenden Touristik- und Privatreisesegment am größten deutschen Airport profitieren.

Die ersten Langstreckenziele ab Frankfurt stehen mit Mauritius, Barbados und Windhoek bereits fest. Weitere sollen folgen. Eurowings-Passagiere können als Zulieferflüge Lufthansa-Verbindungen buchen und auch ihr Gepäck durchchecken, erklärte ein Sprecher. Lufthansa werde die neuen Eurowings-Langstreckenziele zudem aktiv mit vermarkten.

Codesharing mit Lufthansa in München

Gleichzeitig kündigte Lufthansa an, auch in München die Eurowings-Langstreckenpräsenz wieder auszubauen. Für den Sommer hatte Eurowings das Engagement in der bayerischen Hauptstadt auf der Langstrecke zuletzt deutlich reduziert.

In einem ersten Schritt werde Eurowings im Winter eine tägliche Bangkok-Rotation aufsetzen. Die Strecke werde dann im Codesharing mit Lufthansa durchgeführt, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Lufthansa stelle dann die eigene Bangkok-Verbindung im Gegenzug ein. In München werden den Angaben nach im Winter drei A330-Jets von Sun Express Deutschlands stationiert. Weitere Routen sollen später bekanntgegeben werden.

Düsseldorf-Basis wird zurückgefahren

In Düsseldorf werden zum Winter dann nur noch vier Airbus A330 der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines für Eurowings an den Start gehen - im Vergleich zu aktuell neun Maschinen.

Die zwei von Brussels bislang eingesetzten A340 sollen bis zum Herbst gegen A330 ausgetauscht werden. Mit den Maschinen werden von Düsseldorf aus aktuell vorrangig Nordamerika-Routen bedient.

Die Neuverteilung in Düsseldorf betrachte man nur als "Zwischenschritt", sagte ein Eurowings-Sprecher zu airliners.de. Die Langstreckenbasis bleibe erhalten. Perspektivisch wolle man sie erhalten und ausbauen.

Ursprünglich war das Interkontinental-Angebot der Lufthansa-Billigtochter 2015 in Köln/Bonn gestartet. Seit dem Winter 2018/19 gibt es dort allerdings keine Eurowings-Langstrecken mehr.

Frankfurt-Entscheidung setzt Condor unter Druck

Die strategische Entscheidung der Lufthansa für den Aufbau einer Langstreckenoperations im Value-Segment setzt insbesondere den Ferienflieger Condor unter Druck, der kürzlich gemeinsam mit den anderen Konzern-Fluggesellschaften von der britischen Mutter Thomas Cook zum Verkauf gestellt wurde.

Von den bislang bekanntgegebenen Eurowings-Zielen in Frankfurt hat Condor sowohl Barbados als auch Mauritius ebenfalls im Angebot. Schon zum Beginn der Langstrecken-Operations in München hatte Eurowings sich klar gegen Condor positioniert. Nun greift Lufthansa ihre ehemalige Ferienflugtochter auf deren Heimatflugplatz an.

Nicht der erste Günstig-Vorstoß in Frankfurt

Der Eurowings-Vorstoß in Frankfurt ist nicht der erste Versuch der Lufthansa, günstigere Touristenflüge auf der Langstrecke am Heimatdrehkreuz zu etablieren. Das Airline-Management nutze vor rund vier Jahren im Tarifstreit mit den Piloten ein Schlupfloch und transferierte acht A340-300-Jets der Lufthansa ins AOC der Regionaltochter Cityline. Das war möglich, indem eine tariflich festgelegte Wet-Lease-Quote aktiviert wurde, die eigentlich sicherstellen sollte, dass die Kranich-Airline nicht in großem Stil geltende Tarifverträge umgeht.

So flogen zeitweise auf acht A340-300-Maschinen unter "LH"-Flugcode in der Kabine reduzierte Crews von Lufthansa und im Cockpit Piloten der Cityline. Die Maschinen trugen eine neutrale "Star Alliance-Lackierung". 2017 einigten sich VC und Management auf andere Sparpunkte, sodass die Vierstrahler bis 2020 zurück zur Classic-Airline sollen.

© AirTeamImages.com, Mario Aurich Lesen Sie auch: Cityline-Piloten gehen für Lufthansa auf Langstrecke

Der Operations-Beginn von Eurowings in Frankfurt ist für Beobachter aber auch so ein großer Schritt. Denn bislang fliegt Eurowings den Heimatflughafen der Mutter noch gar nicht an. Zwar gab es immer wieder Überlegungen, die Tochter auch an den Main zu bringen, doch lehnte es Flughafenbetreiber Fraport wiederholt ab, Eurowings dieselben Rabatte einzuräumen wie anderen "New Entries".

Langer Streit um Gebühren

Ryanair hingegen bekam beim Einstieg am Flughafen Frankfurt die Gebühren reduziert, weil sie neue Strecken brachten. Das führte im Frühjahr vergangenen Jahres zu einem großen Streit zwischen Fraport und Lufthansa. Im gleichen Zeitraum beschloss der Kranich, A380-Jets nach München zu verlegen und dafür deutlich lautere A340-Flugzeuge nach Frankfurt zu schieben.

Als Reaktion auf den Dissens wollte Lufthansa dies aber nicht verstanden wissen. "Es gibt keinen direkten Zusammenhang", sagte ein Konzernsprecher damals und fügte hinzu: "Natürlich wird Wachstum da stattfinden, wo die Voraussetzungen am besten sind, und die Kosten sind ein Faktor."

Kurz nachdem Spohr eine Begrenzung der Slots an großen Flughäfen wie Frankfurt, Hamburg und München als Reaktion auf die Probleme im Sommer ins Spiel brachte und ADV-Präsident Stefan Schulte öffentlich die Wirksamkeit dieser Maßnahme infrage stellte, verkündete der Kranich erneut eine Umstationierung. Auch wolle man das Wachstum in Frankfurt "drosseln".

Von: br, dh, mit dpa
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