Eurowings-Kurs verunsichert LGW-Mitarbeiter

Exklusiv 27.07.2018 - 13:30 0 Kommentare

Eurowings wirbt bei ihrer Schwester LGW Piloten ab - dabei fliegen jene Cockpit-Crews bereits unter "EW"-Flugnummer. Dies treibt intern Gerüchte, dass die ehemalige Air-Berlin-Tochter nicht mehr lange bestehen wird.

Dash-8 von Eurowings. - © © AirTeamImages.com - Matthieu Douhaire

Dash-8 von Eurowings. © AirTeamImages.com /Matthieu Douhaire

Wohin steuert die Eurowings-Tochter LGW (Luftfahrtgesellschaft Walter)? Intern ist bereits die Rede davon, dass der Betrieb der ehemaligen Air-Berlin-Tochter, die komplett für Eurowings fliegt, eingestellt werden könnte. Dafür spricht, dass LGW-Piloten nach airliners.de-Informationen gezielt von der Lufthansa-Tochter abgeworben werden.

Eurowings teilt auf Anfrage mit, dass man sich mit LGW auf eine Schlichtung in den Tarifverhandlungen geeinigt hat. "Zu weiteren Entwicklungen äußern wir uns derzeit nicht."

Dash-Piloten können als Co-Pilot auf der A320 anfangen

Es geht in erster Linie um jene 200 Piloten, die die 20 Dash-Turbopropflugzeuge fliegen. Sie sind zu einer "privilegierten Bewerbung" als Co-Pilot für die Airbus-Maschinen von Eurowings aufgerufen, geht aus internen E-Mails hervor, die unserer Redaktion vorliegen.

Wir freuen uns, für alle Kollegen aus dem Cockpit der Q400 jetzt konkret die Möglichkeit zur Umschulung auf den Airbus als Erster Offizier innerhalb der Eurowings-Gruppe anbieten zu können.

Schreiben vom 4. Juli 2018

Die Bewerber durchlaufen die neu ins Leben gerufene "Eurowings Group Qualification", die in Zukunft bei allen Ausschreibungen eingesetzt werden soll. Zunächst war diese veranschlagt mit Flugsimulator-Test (in einer A320, die die Dash-Piloten noch nie geflogen sind) und Assessment-Center. Die übliche Basisuntersuchung sollte entfallen. Doch die genaue Ausgestaltung kommt noch einmal auf den Prüfstand.

Anstellungen nach deutschem Recht

Wenn sie bestehen, werden die Flugzeugführer ordnungsgemäß für den Einsatz in den A320-Flugzeugen von Eurowings (Deutschland), Eurowings Europe oder Germanwings umgeschult. In einem weiteren Schreiben heißt es, dass die Piloten Verträge "nach deutschem Recht" bekämen.

Lufthansa kaufte die LGW für rund 18 Millionen Euro aus der Masse der insolventen Air Berlin. Die wiederum hatte den Dortmunder Regional-Carrier, der seit 2009 unter "AB"-Flugnummer unterwegs war, erst im vergangenen Frühjahr für einen symbolischen Preis übernommen.

LGW nur kurzzeitig attraktiv

Dabei war die LGW laut Beobachtern unmittelbar nach der Air-Berlin-Pleite nur attraktiv, weil sie Fluggerät betrieb, das Eurowings mit ins Portfolio nahm, ohne dieses direkt aufwendig umregistrieren zu müssen. Auch sicherte LGW den Anfang 2017 abgeschlossenen Wet-Lease zwischen Lufthansa und Air Berlin bis Jahresende ab.

Darstellung: airliners.de

Dass die LGW als eigenständige Airline innerhalb der Eurowings Group immer weiter an Einfluss zu verlieren scheint, offenbart wohl auch ein anderer Fakt: Die beiden LGW-Geschäftsführer Felix Genze und Peter Knecht werden zum 1. August durch Francesco Sciortino und Michael Knoth ersetzt. Sciortino ist aktuell Chef von Germanwings, Knoth Head of Finance bei Eurowings - beide werden ihre Vollzeitjobs auch behalten.

Ungleichgewicht bei Germanwings

Hinzu kommt, dass die Marke Eurowings in naher Zukunft laut Insidern stark unter Personaldruck geraten wird. Fortan sollen in den Cockpits der für Eurowings fliegenden Germanwings nur noch Crews sitzen, die nicht von der Konzernmutter Lufthansa kommen. Bislang durften bestimmte Cockpit-Mitarbeiter zur deutschen Lufthansa-Airline wechseln.

Dies ist in Zukunft nicht mehr vorgesehen. Zwar werden so die Personalkosten der Low-Cost-Carrier im Rahmen gehalten. Allerdings herrscht bei Germanwings durch das Fernbleiben neuer Co-Piloten aktuell ein Ungleichgewicht der Cockpit-Crews: Auf 350 angestellte Kapitäne kommen gerade einmal 100 Co-Piloten.

Um für Eurowings auch weiterhin eine Flotte mit bis zu 30 Maschinen betreiben zu können, benötigt man also neue Co-Piloten - beispielsweise die bisherigen Dash-Crews der LGW. Ansonsten wird es mit einem vom Luftfahrt-Bundesamt erwünschten Crew-Faktor von fünf mittelfristig schwierig.

Unruhe bei LGW

All das sorgt für viel Unruhe unter den Mitarbeitern: "Das wirkt alles nur kopflos", sagt ein Beschäftigter. Gerade jene LGW-Piloten, die eigentlich dem Angebot folgen und so von der Dash auf die A320 wechseln wollen, würden verunsichert. Zwar betreibt die ehemalige Air-Berlin-Tochter inzwischen auch selbst Airbus-Jets, doch diese werden airliners.de-Informationen zufolge ausgeflottet werden.

All das könnte laut Beobachtern aber auch ein kluger Schachzug im Tarifstreit mit den mächtigen Luftfahrtgewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo sein, geben Branchenkenner zu bedenken. "Vielleicht wird hier absichtlich ein möglicher Exodus der LGW durchgespielt, um die Verhandlungsposition der Arbeitnehmervertreter zu schwächen."

Immerhin würden sich diese dann für Regelungen bei einer Airline einsetzen, die es bald gar nicht mehr geben könnte. Während das LGW-Cockpit bereits seit mehreren Jahren tarifiert ist, fliegen die Kabinen-Crews bislang noch ohne entsprechende Vereinbarung.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Das ist die Tarifsituation bei Eurowings Überblick

Von: cs
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