Überblick

Das ist die Tarifsituation bei Eurowings

25.05.2018 - 08:03 0 Kommentare

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo nimmt Tarifverhandlungen mit der Eurowings-Airline LGW auf. Dies zeigt: An die Lufthansa-Billigplattform docken nicht nur Flugbetriebe an, sondern auch verschiedene Arbeitnehmervertreter.

Fliegendes Personal von Eurowings: Unterschiedliche Tarifierung. - © © Eurowings -

Fliegendes Personal von Eurowings: Unterschiedliche Tarifierung. © Eurowings

Wenn am Freitag (25. Mai) Gespräche der Flugbegleitergewerkschaft Ufo mit der Eurowings-Spitze wegen LGW beginnen, könnte an deren Ende das Dickicht geltender Regelungen bei der Lufthansa Low-Cost-Plattform noch undurchsichtiger werden. Die ehemalige Air-Berlin-Tochter fliegt 20 Dash- und 13 Airbus-Maschinen für Eurowings. Und genau da liegt laut Gewerkschaft eines der Probleme.

Bislang gibt es kein einheitliches Tarifwerk für LGW-Flugbegleiter. Aktuell würde das Senioritätsprinzip immer wieder unterwandert - weil beispielsweise bisher eine klare Trennung zwischen Dash- und Airbus-Kollegen bestehe, erläutert Ufo-Tarifexperte Uwe Hien im Gespräch mit airliners.de. Die Gewerkschaft dringt auf ein Ende dieses "Zwei-Klassen-Personalstamms"; beide Flugzeuge zu fliegen, wäre laut Hien die Lösung.

"Da sind zum einen jene Mitarbeiter, die zur LGW kamen, als diese noch eigenständig war und 'nur' im Auftrag für Air Berlin flog", so der Ufo-Experte. Auf der anderen Seite stünden jene neuen Mitarbeiter, die nach dem Kauf durch den inzwischen insolventen Carrier im Frühjahr vergangenen Jahres eingestiegen sind. "Letztlich sind durch den Übergang zu Eurowings die völlig intransparenten Konditionen bei LGW von Air Berlin mitgewandert. Wir haben den Eindruck, dass die neue und die alte LGW-Welt nicht harmonisiert ist."

Piloten verhandeln bereits Neuregelungen

Anders als Ufo für die Kabine verhandelt die Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten der LGW schon länger mit dem Eurowings-Management über ein neues Tarifwerk. Einen ersten umfassenden Vorschlag hat man dort nach eigenen Angaben im Februar unterbreitet. Seit dem stocken die Gespräche. Auch in dieser Woche wurde eine Verhandlungsrunde ergebnislos abgebrochen.

"Es scheint, als sei das Management der Eurowings Gruppe nach wie vor der Überzeugung, man müsse nur lang genug Schreckensszenarien beschwören, um die Tarifkommission zu einem weniger als halbherzigen Kompromiss zu überreden", heißt es in einem internen Schreiben der VC-Tarifkommission, das airliners.de vorliegt. Demnach sei das Eurowings-Management der Auffassung, dass keine Notwendigkeit für einen neuen Tarifvertrag bestünde, "da LGW über kurz oder lang keine Airbus-Maschinen mehr fliegen soll", heißt es aus Kreisen.

Eurowings verweist darauf, dass man durch viele Gespräche mit allen Gewerkschaften bereits einen breiten Tariffrieden im Unternehmen geschaffen haben: Nahezu alle zwölf Flugbetrieben seien bereits tarifiert, heißt es auf Anfrage von airliners.de. "Wir haben da sehr viel Ordnung geschafft."

So sind die anderen Eurowings-Flugbetriebe tarifiert

Bei Eurowings gelten für alle unter EW-Flugcode operierenden Betriebe (Eurowings Deutschland, Eurowings Europe, Germanwings, LGW, Sun Express Deutschland, Brussels Airlines) unterschiedliche Tarifverträge mit zum Teil verschiedenen Gewerkschaften:

Quelle: Gewerkschaftsangaben, Darstellung: airliners.de

  • Für das Kölner Markenkonstrukt Eurowings ist unter anderem die in Düsseldorf beheimatete Eurowings Aviation unterwegs. Bei ihr haben für die Piloten die VC und für die Flugbegleiter Ufo Tarifverträge abgeschlossen - unter anderem den "Tarifvertrag Wachstum". Außerdem ist in beiden Bereichen Verdi aktiv.
  • Die in Österreich beheimatete Eurowings Europe betreibt unter anderem die Eurowings-Basen in München, Palma de Mallorca, Salzburg und Wien. Bei ihr versucht die Dienstleistungsgewerkschaft Vida seit rund zwei Jahren einen (wie es im Österreichischen heißt) Kollektivvertrag abzuschließen. Ende April vermeldete die Gewerkschaft einen Durchbruch, der Ende Juni schriftlich in einem Vertrag fixiert werden soll. Ein Papier, das airliners.de vorliegt, deutet daraufhin, dass beispielsweise der Abrechnungsturnus grundlegend von jährlich auf monatlich geändert worden ist. Das noch zu finalisierende Werk soll rückwirkend zum 1. März gelten.
  • Ebenfalls für Eurowings fliegt noch die ehemalige Lufthansa-Billigtochter Germanwings. Erst vor Kurzem hat das Management einer Bestandsgarantie bis Ende Juni 2022 zugestimmt. Unabhängig davon sind bei Germanwings VC und Ufo mit Tarifwerken für Mitarbeiter, die seit 2018 eingestellt werden, vertreten. Für das Bestandspersonal gilt darüber hinaus der Lufthansa-Konzerntarifvertrag.
  • Die von der insolventen Air Berlin übernommene LGW ist seit 2013 fürs Cockpit tarifiert. Hier ist bislang nur die VC vertreten, arbeitet allerdings gerade mit dem Management an neuen Regelungen, die beispielsweise ebenfalls die Erweiterung der reinen Dash-Flotte um Airbus-Maschinen beinhaltet.

  • Der deutsche Teil der Sun Express bedient den Großteil der Eurowings-Langstrecke. Von Ufo und VC gab es Anfang des Jahres den Vorstoß, dort Betriebsratswahlen durchzuführen, um schlussendlich Tarifverträge aushandeln zu können. Die Airline beanstandete die Wahlen vor Gericht, weil das angewendete "Betriebsverfassungsgesetz, das in Deutschland die Etablierung von Betriebsräten regelt, auf einen Flugbetrieb keine Anwendung findet". Die Kammer muss den Sachverhalt nun endgültig regeln.
  • Das Portfolio der Eurowings-Flugbetriebe wird seit Neuestem von Brussels Airlines abgerundet. Der belgische Carrier bedient zunächst mit drei Maschinen die Langstrecke ab Düsseldorf. Bislang ist er für die dortige Operations untarifiert - in Belgien werden Flugbegleiter und Piloten dort von den drei Gewerkschaften ACLVB, ACV und BBTK vertreten.

Sonderfall München

Eine ungewöhnliche Position nimmt die Basis in München im Eurowings-Tarifgefüge ein. So wird die dortige Station von Eurowings Europe betrieben, sprich die Zuständigkeit der deutschen Arbeitnehmervertreter ist nicht gegeben. Gleichzeitig ist wegen tarifrechtlicher Grenzen auch die österreichische Gewerkschaft Vida außen vor.

Damit ergibt sich eine besondere Konstellation: Ufo hat für das Kabinenpersonal zumindest herausgehandelt, dass wenn die Basis auch 2019 nicht unter deutschem AOC beheimatet ist, dort eine Personalvertretung gegründet und anschließend Tarifverhandlungen aufgenommen werden können. Verdi strebt in den kommenden Wochen konkrete Verhandlungen ebenfalls unter anderem für das Kabinenpersonal an. Die VC will dort auch Tarifpartner werden. Allerdings erscheint derzeit fraglich, ob Eurowings Europe diese Basis Mittel- und langfristig betreiben soll. Eine Schwierigkeit dabei stellt anscheinend das Doppelsteuerabkommens dar.

All diese Angaben beziehen sich lediglich auf fliegendes Personal (Cockpit und Kabine). Mitarbeiter der Bereiche Boden und Technik werden tarifrechtlich vor allem von Verdi vertreten - in erster Linie bei der Düsseldorfer Eurowings.

Von: cs
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