Eurowings-Europe-Crews: "Lieber zu Ryanair"

02.11.2017 - 08:40 0 Kommentare

Es rumort bei Eurowings Europe: Die Mitarbeiter der Airline warnen ihre potenziellen Neu-Kollegen aus den Reihen der Air Berlin mit schweren Vorwürfen vor ihrem Arbeitgeber. Dieser antwortet umgehend.

Eine Eurowings-Maschine zieht zu Halloween ein "Gruselkostüm" an: Entwickelt sich der Billigflieger durch die österreichische Tochter zu einem neuen Ryanair? Foto: © Eurowings

Mitarbeiter der Lufthansa-Tochter Eurowings Europe warnen in einem Brief das Personal der Air Berlin vor ihren eigenen Jobs. In dem Schreiben, das airliners.de vorliegt, heißt es, viele Mitarbeiter von Eurowings Europe wären bereit, "sofort zu Ryanair zu wechseln". Der irische Billigflieger wird immer wieder für seine Arbeitsbedingungen kritisiert.

Eurowings Europe wurde, so der Vorwurf der Mitarbeiter, als tarifloses Konstrukt in Österreich gegründet, "wo das Streikrecht deutlich schwächer ist". Bei Eurowings Europe gebe es derzeit keinen Betriebsrat, keine Tarifverträge und keinerlei Mitbestimmung durch die Mitarbeiter. "Dies führt dazu, dass der Arbeitgeber machen kann, was er will, was auch maximal ausgenutzt wird."

Bewerbungen

Von den zuletzt rund 8000 Air-Berlin-Mitarbeitern übernimmt Eurowings mit Niki und LGW 1700 direkt. Weitere rund 1300 können sich auf angebotene Stellen bewerben. "Auf die 400 Pilotenstellen kommen inzwischen 1100 Bewerbungen, davon sind 300 von Air-Berlin-Mitarbeiter. Auf die 800 ausgeschriebenen Flugbegleiterjobs liegen uns bereits 1400 Bewerbungen vor, hiervon stammen 450 von Air Berlinern", so Eurowings-Europe-Geschäftsführer Robert Jahn. "Die Bewerberzahlen steigen jeden Tag, bislang haben wir mehr als 400 Air Berlinern eine Einstellungszusage gegeben."

Die Sorge, dass viele Air Berliner bei Eurowings Europe "bei null" anfangen, sei aus Sicht von Eurowings aber unbegründet: Wenn wir die Frage auf einen Kapitän mit 9000 Stunden Erfahrung als Kapitän beziehen, würde er bei uns mit einem garantierten Jahresgehalt von knapp 125.000 Euro einsteigen", rechnet Eurowings auf Anfrage vor. "Bei einem FO mit 9000 Stunden Gesamt-Flugerfahrung liegt das Gehalt bei 84.000 Euro."

Diese Unterschiede gebe es laut des anonymen Briefs keineswegs nur zwischen den verschiedenen Basen, sondern auch innerhalb: Dies seien "Unterschiede beim Gehalt, der Anzahl der Urlaubs- sowie Off-Tage und bei der Art der Bezahlungsgrundlage. "Der Kollege, dem du den Flieger übergibst, bekommt vielleicht mehr Gehalt, mehr Urlaub und mehr OFF für den gleichen Job …"

Beispielsweise beanstanden die Mitarbeiter, dass in einigen Fällen das Grundgehalt sinke, wenn die Person krank ausfalle. "Bei einer Grippe, bei der der Mitarbeiter zwei Wochen krank im Bett liegt, bekommt er 40 Prozent vom Monatsgehalt abgezogen. Hierbei reden wir nicht über Peanuts. Zwei Wochen krank bedeuten teilweise 2000 Euro weniger in einem solchen Monat." Auch gebe es "keinerlei Altersvorsorge" und eine Kündigungsfrist seitens des Arbeitgebers von 15 Tagen, heißt es.

Eurowings reagiert mit Faktencheck

Mit dem Schreiben der Crews beschäftigt man sich auch in Köln. Eilig hat man in Zusammenarbeit mit den Basen in Österreich und Spanien ein Statement von Eurowings-Europe-Geschäftsführer Robert Jahn und Eurowings-COO Michael Knitter sowie einen Faktencheck ausgearbeitet. In letzterem geht Eurowings detailliert auf die Vorwürfe des Mitarbeiter-Briefs ein. Das sechsseitige Papier liegt airliners.de ebenfalls vor.

"Wir berücksichtigen zu 100 Prozent immer lokal einschlägige Regelungen und Gesetze zur Sozialversicherung und zum Arbeitsrecht der Länder, in denen sich ein Flugbetrieb oder eine Betriebsstätte befindet", heißt es von Eurowings. In Spanien, an der Basis am Flughafen Palma de Mallorca gehe man "sogar über das hinaus, was der Gesetzgeber fordert".

Konkret geht es um den Vorwurf einiger Mitarbeiter, Eurowings Europe würde im Krankheitsfall die Gehaltszahlungen einstellen. "Das trifft nicht zu. An den ersten drei Tagen erhalten unsere Mitarbeiter eine Fortzahlung in Höhe von 60 Prozent - das Gesetz sieht hier keine Entgeltfortzahlung vor." Ab dem vierten Tag basiere die Regelung auf den gesetzlichen Vorgaben (60 Prozent). "Auch bei der Handhabung der Kündigungsfristen orientieren wir uns an den gesetzlich gültigen Vorgaben."

Der Arbeitgeber kann - und will - auch ohne Betriebsrat und Kollektivvertrag nicht 'machen was er will', sondern ist umfangreichen gesetzlichen Vorschriften unterworfen, die er zu 100 Prozent befolgt.

Aus der Antwort von Eurowings auf den anonymen Brief von Mitarbeitern der Eurowings Europe

Bei Eurowings sei man "erschüttert" von dem Brief, heißt es aus Unternehmenskreisen. "Hier werden Tarifverhandlungen über die Medien geführt und gleichzeitig mit den Ängsten der Air Berliner gespielt, die ja ohnehin aktuell schon große Zukunftsängste haben", berichtet ein Insider.

Betriebsrat wird neu gewählt

Eurowings Europe hat bis heute keinen Tarifvertrag. Die österreichische Gewerkschaft Vida hat Anfang Oktober ihren seit eineinhalb Jahren andauernden Versuch, einen Kollektivvertrag abzuschließen eingestellt. Es bestand kein Aussicht auf Erfolg, heißt es. "Die von der Geschäftsführung angebotenen Bedingungen sind eine Bruchlandung erster Klasse", so Johannes Schwarcz von Vida.

© AirTeamImages.com, Paul Marais-Hayer Lesen Sie auch: Eurowings verärgert Stammpersonal in Österreich

Man habe Vida die selben Konditionen wie bei der österreichischen Air Berlin-Tochter Niki angeboten, heißt es von Eurowings. Das wurde abgelehnt. Lufthansa hat den Air-Berlin-Ferienflieger gekauft, um ihn für Eurowings abheben zu lassen. Man sei jederzeit wieder bereit, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, heißt es von Eurowings. An diesem Donnerstag finden bei Eurowings Europe Wahlen für einen neuen Betriebsrat statt. Der Termin sei schon seit Langem angesetzt und resultiere nicht aus den aktuellen Umständen, versichert die Kranich-Billigtochter.

Mit der deutschen Eurowings hat sich die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf einen Tarifvertrag für Air-Berlin-Personal geeinigt. Dieser soll ein Wachstum in Deutschland ermöglichen, was für den Konzern vorher nicht problemlos möglich war. Über die Einzelheiten wollen beide Seiten kommende Woche informieren. Ebenso gibt es bereits Regelungen mit Verdi und Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo für die Kabinencrews.

Von: cs
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