Europäischer Luftverkehr wächst immer weniger

09.08.2019 - 13:55 0 Kommentare

Die Aussichten der Luftfahrtbranche trüben sich ein. So kann der Passagierluftverkehr in Europa zwar im ersten Halbjahr zulegen, jedoch weniger stark als bislang. Das Cargo-Geschäft rutscht derweil mit dem stärksten Rückgang seit sieben Jahren tiefer in die Krise.

Flugzeug vor Europa-Flagge. - © © Adobe Stock -

Flugzeug vor Europa-Flagge. © Adobe Stock

Der Passagierluftverkehr in Europa ist im ersten Halbjahr 2019 um 4,3 Prozent gewachsen. Das geht aus einem Report des europäischen Flughafenverbandes "Airports Council International Europe" (ACI Europe) hervor. Das Plus lag damit unter dem der Vorjahresperiode, als der Verband noch 6,7 Prozent Zuwachs vermeldete.

Der seit Jahren anhaltende Trend, dass die Zahl der Flugbewegungen - vor allem durch den Einsatz größerer Flugzeuge - weniger stark steigt als die der Passagierzahlen, setzte sich auch im ersten Halbjahr 2019 fort. Der ACI Europe verzeichnet ein Plus von 2,4 Prozent. Im Vorjahr waren die Flugbewegungen noch um 3,5 Prozent gewachsen.

Auf Monatsbasis betrachtet geht der Zuwachs der Starts und Landungen sogar noch deutlich stärker zurück. Nach Angaben von ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec lag das Plus im Dezember 2018 bei 6,2 Prozent während es im Juni diesen Jahres nur noch 1,6 Prozent betrug. Dies zeige, dass die Airlines beim Einsatz von Kapazitäten der Netzwerkentwicklung risikoscheuer geworden seien.

Nach Ländern betrachtet konnte Österreich mit Plus 20 Prozent beim Passagierverkehr besonders stark zulegen. Dies spiegelt sich im Wachstum des größten Flughafens des Landes in Wien, der mit 23,9 Prozent mehr Passagieren weit vorn rangiert.

Unter den größeren Airports kann nur Berlin-Tegel mit 25,2 Wachstum noch mehr aufweisen. Damit ist der Standort auch europaweit Spitzenreiter unter den Airports mit mehr als fünf Millionen Fluggästen. In Deutschland wächst außerdem Düsseldorf mit einem Plus von 10,4 Prozent zweistellig.

Cargo in der Krise

Bei der Luftfracht gab es dagegen heftige Einbußen. Der Cargo-Verkehr ging nach den ACI-Europe-Zahlen um 3,5 Prozent zurück. Im ersten Halbjahr 2018 war er noch um 3,3 Prozent gewachsen. Von den zehn wichtigsten Frachtflughäfen konnten nur zwei ein Plus vermelden: Liège kam auf 6,5 Prozent und Istanbul (IST) auf 0,4 Prozent Wachstum.

Im letzten erfassten Monat Juni betrug das Gesamtminus in Europa laut Jankovec sogar 7,1 Prozent, was die schlechtesten Zahlen seit über sieben Jahren seien. Der Passagierverkehr bleibe normalerweise nicht vollkommen isoliert von derlei Trends in der Luftfracht, weshalb diese Zahlen auf schlechte Aussichten für die kommenden Monate hindeuteten.

Viele Probleme gleichzeitig

Die insgesamt rückläufigen Trends und teilweise schlechten Zahlen begründet der ACI-Europe-Generaldirektor mit vielfältigen ökonomischen, geopolitischen und industrie-spezifischen Problemen. Angesicht der vielen Herausforderungen sei das Wachstum der Passagierzahlen allerdings vergleichsweise widerstandsfähig, so Jankovec.

© Flughafen München GmbH, Lesen Sie auch: Europäische Flughäfen verpflichten sich auf Net-Zero-Emissionen

Als Probleme nennt er unter anderem Handelskriege, den Brexit, steigende Treibstoffkosten, Probleme bei der Flugsicherung, die andauernde Konsolidierungswelle bei den Airlines sowie Verzögerungen von Flugzeugauslieferungen und Groundings. Mit letzterem kann er, auch ohne das Modell konkret zu nennen, nur das Flugverbot der Boeing 737 Max meinen, da kein Grounding anderer wichtiger Passagierjets angeordnet ist.

Der europäische Flughafenverband ACI Europe repräsentiert über 500 Airports in 45 Ländern. Für seinen Airport Traffic Report erfasst er Daten von 242 Flughäfen an denen mehr als 88 Prozent des europäischen Passagierluftverkehrs stattfinden.

Von: hr
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