EuGH: Anbietende Airline haftet für Verspätungen

04.07.2018 - 12:25 0 Kommentare

Bei Verspätungen eines Wet-Lease-Carriers muss der Auftraggeber die Passagiere entschädigen. Das entschied jetzt der Europäische Gerichtshof im Fall von Tuifly.

Eine Boeing 767-300 der Tui-Airline Thomson Airways. - © © AirTeamImages.com - Simon Willson

Eine Boeing 767-300 der Tui-Airline Thomson Airways. © AirTeamImages.com /Simon Willson

Bei Tuifly gebucht, aber mit Thomson Airways geflogen: Welche Airline muss im Falle von großen Verspätungen Entschädigung zahlen? Dafür ist die Gesellschaft zuständig, die den Flug angeboten hat, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Mittwoch. Der durchführende Carrier ist demnach nicht zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet. (Az. C-532/17).

Thomson Airways flog ab Hamburg in die Karibik

In dem zu entscheidenden Fall buchten Fluggäste bei Tuifly einen Flug von Hamburg nach Cancún in Mexiko. Dafür hatte das Tui-Airline bei der Konzernschwester Thomson Airways ein Flugzeug und Besatzung gemietet. In der Buchungsbestätigung war dies auch vermerkt.

Wegen einer Verspätung von mehr als drei Stunden verlangten die Passagiere von Thomson Airways eine Entschädigung, was die britische Fluggesellschaft aber ablehnte - mit der Begründung, sie sei nicht das ausführende Luftfahrtunternehmen gewesen. Die Kläger zogen vor das Landgericht Hamburg. Dieses legte den Rechtsstreit dem EuGH vor.

Der EuGH entschied nun, dass ein Wet-Lease-Carrier wie in diesem Fall Thomson Airways nicht als "ausführendes Luftfahrtunternehmen" im Sinne der Fluggastrechteverordnung der EU eingestuft werden könne. Die Verordnung 261/2004 sieht vor, dass das "ausführende Unternehmen" für Ausgleichszahlungen wegen Annullierung oder großer Verspätung verantwortlich ist.

Thomson Airways trage jedoch nicht die operationelle Verantwortung für den Flug, so die Luxemburger Richter. Die Entschädigung zahlen müsste im konkreten Fall also Tuifly.

Das endgültige Urteil muss nun das Landgericht Hamburg fällen. Es hatte lediglich ein Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH gerichtet.

Von: pra, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Volker Kauder. Union will Fluggastrechte verschärfen

    Führende CDU-Politiker wollen die Passagierrechte besser durchsetzen - mit mehr Informationspflichten und Strafgebühren. Verbraucherschützer fordern, das Thema beim Luftfahrtgipfel im Oktober zu verhandeln.

    Vom 10.09.2018
  • Nach dem Brexit gehen Großbritannien und die Europäische Union getrennte Wege. Konzerne warnen vor zu viel Brexit-Optimismus

    Thomas Cook und Tui loben die Brexit-Vereinbarung von EU und Großbritannien. Gleichzeitig warnen die Konzerne: Noch sei der Deal nicht durch. Die Zustimmung des britischen Parlaments ist keine ausgemachte Sache.

    Vom 27.11.2018
  • Passagiere warten an einem Schalter von Ryanair. Urteil: Ryanair muss Streikopfer nicht entschädigen

    Die Anwendung der Passagierrechte bleibt nach den jüngsten Arbeitskämpfen bei Ryanair rechtlich umstritten. Nun präsentiert der Billigflieger ein spanisches Urteil zu seinen Gunsten als Erfolg - doch eine Grundsatzentscheidung steht noch aus.

    Vom 10.10.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus