Sanktionen angedroht

EU will Single European Sky durchsetzen

11.10.2012 - 14:33 0 Kommentare

Man sieht sie nicht - aber auch den Himmel über Europa durchziehen Grenzen. Die Flugüberwachung der EU-Staaten hat Mängel, kritisiert Brüssel. Die Länder sollen die Flugsicherung endlich gemeinsam durchführen.

EU Verkehrskommissar Siim Kallas - © © dpa -

EU Verkehrskommissar Siim Kallas © dpa

Verspätungen, Ausfälle, Stau am Himmel: Der Flugverkehr über Europa wird nach Ansicht der EU-Kommission durch zu viele unnötige Komplikationen behindert. Unzureichend sei vor allem die Abstimmung bei der Flugsicherung. Die Brüsseler Behörde will die Staaten nach jahrelangen Verzögerungen nun zum Handeln drängen. «Wir werden [...] nicht zögern zu handeln und es sieht so aus, als seien Vertragsverletzungsverfahren notwendig», sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Donnerstag auf Zypern.

So haben sich die Staaten verpflichtet, in sogenannten «Luftraumblöcken» zusammenzuarbeiten. Traditionell ist jedes der 27 Länder für die eigene Flugsicherung zuständig. Stattdessen sollen sich nun mehrere Länder einen gemeinsam betriebenen Luftraum (Functional Airspace Block-FAB) teilen. Bis Ende des Jahres sollte das funktionieren. Doch die Umsetzung hinke hinterher, klagt der Kommissar.

«Es scheint einen Mangel an politischen Willen zu geben, was die FABs angeht», sagte Kallas. «Es reicht nicht, wenn die FABs nur auf dem Papier existieren.» Allen Ländern drohten Verfahren wegen Verletzung der EU-Verträge, warnte die EU-Kommission. Bereits im Februar könnte es dazu kommen.

Ohne eine Reform drohe eine Überlastung des Luftraums und der Flughäfen, mahnt die Brüsseler Behörde - zumal die Zahl der Flüge bis 2030 von derzeit zehn auf 17 Milliarden im Jahr ansteigen werde. Verspätungen und Flugausfälle seien die Folge.

Von einer europäischen Organisation der Flugsicherung versprechen sich die Planer viel. Erheblich mehr Flüge seien möglich, die Sicherheit steige. Zudem würden die Kosten des Flugverkehrsmanagements um 50 Prozent gesenkt und die Umweltauswirkungen - etwa durch Umwege - um zehn Prozent verringert. Als Vorbild gelten die USA, wo die doppelte Anzahl von Flügen bei ähnlichen Kosten und mit nur einem Drittel der Kontrollzentren bewältigt werde.

«Der Single European Sky ist zu wichtig, als dass ein Scheitern hingenommen werden kann», erklärte Kallas. Der Verkehrskommissar kündigte an, 2013 neue Gesetzesvorschläge zu machen, um die Umsetzung zu beschleunigen. Die EU-Kommission soll mehr Macht bekommen, die Ziele auch durchzusetzen. Die Vorschläge müssten von den Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament genehmigt werden, bevor sie in Kraft treten könnten.

BDL fordert schnelle SES-Umsetzung

„Es ist ein Trauerspiel, dass der europäische Luftraum nach wie vor national zersplittert ist “, sagte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch am Donnerstag in Berlin. Er begrüßte die Ankündigung von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas, die Umsetzung des SES durch die Mitgliedsstaaten zu forcieren.  

Die europäischen Staaten hätten ein Instrument in der Hand, das den Klimaschutz schnell fördern und zugleich der europäischen Luftfahrt helfen könne, sagte Siegloch. Hier dürfe es keine weiteren nationalen Verzögerungen geben. „Mit einem einheitlichen Luftraum können die CO2-Emissionen in der europäischen Luftfahrt um bis zu zwölf Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig können rund fünf Milliarden Euro pro Jahr gespart werden:  Das ist gut für unsere Fluggesellschaften und unsere Passagiere.“

Von: dpa, BDL, airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Bis zur vollständigen Etablierung der BDLS-Strukturen erfolgt die themenbezogene Kommunikation laut Mitteilung durch den Fachverband Aviation im BDSW. BDLS nimmt Arbeit auf

    Neuer Verband: Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) soll die wirtschaftspolitischen Interessen aller 23 Mitglieder auf nationaler und europäischer Ebene vertreten. Als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband legt der BDLS laut Mitteilung die Richtlinien der Tarifpolitik fest und koordiniert die Tarif­verhandlungen.

    Vom 13.09.2017
  • DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle. Deutlich mehr Behinderungen durch Drohnen

    Die Deutsche Flugsicherung legt neue Zahlen zur Häufigkeit von Drohnen am deutschen Himmel vor. Gleichzeitig fordert sie erneut eine Ortung via Mobilfunk. Doch die Industrie stellt sich quer.

    Vom 13.09.2017
  • Eine Lufthansa-Maschine über den Dächern von Flörsheim am Main (Hessen). Umweltbundesamt sieht Handlungsbedarf beim Fluglärm

    Der Fluglärmbericht des Umweltbundesamtes sieht Handlungsbedarf gegen den Krach am Himmel. Als mögliche Maßnahmen werden unter anderem Lärmkontingente vorgeschlagen. Der BDL kritisiert den Bericht.

    Vom 25.07.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Flugsicherung Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »