EU-Rechnungshof fordert automatische Entschädigung für Passagiere

08.11.2018 - 17:55 0 Kommentare

Die Passagierrechte in der EU werden nur ungenügend umgesetzt, stellt der Europäische Rechnungshof in einem Bericht fest. Die Behörde mahnt eine Verschärfung der Regeln und bessere Informationen an.

Anzeigetafel am Flughafen Stuttgart.

Anzeigetafel am Flughafen Stuttgart.
© dpa - Wolfram Kastl

Anzeige von Flügen - die meisten wurden gestrichen.

Anzeige von Flügen - die meisten wurden gestrichen.
© dpa

Zwei Passagiere informieren sich auf den Anzeigetafeln am Flughafen.

Zwei Passagiere informieren sich auf den Anzeigetafeln am Flughafen.
© dpa - Fredrik Von Erichsen

Die Rechte von Flug- und Fahrgästen in der EU werden in der Praxis nicht ausreichend umgesetzt. Nur eine Minderheit der Berechtigten verlangt und erhält Ausgleichszahlungen, die meisten fühlen sich schlecht informiert. Zu diesen Ergebnissen kommt ein Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Der Bericht fordert die EU-Kommission auf, die Öffentlichkeit besser über die verbrieften Rechte zu informieren und die Vorgaben für die Beförderungsunternehmen zu verschärfen. Flug-, Bus- und Bahngesellschafen sollen für Transparenz bei Störungen sorgen und ihre Kunden rascher entschädigen.

Automatische Zahlungen und mehr Transparenz gefordert

So sollen die Beförderungsunternehmen ihren Kunden Ausgleichsleistungen künftig automatisch, also ohne besonderen Antrag, auszahlen, schlägt der Rechnungshof vor. Voraussetzung ist, dass bei der Buchung die erforderlichen Angaben gemacht werden. Zudem sollen die Reisenden bei Störungen binnen 48 Stunden über die Ursachen informiert werden, insbesondere darüber, ob außergewöhnliche Umstände vorlagen.

Der Bericht fordert zudem feste Mindeststandards für Unterstützungsleistungen und Betreuung und weniger Ausnahmeregelungen bei den Flug- und Fahrgastrechten. Bis Ende 2021 soll die EU-Kommission Vorschläge zur Umsetzung dieser Regelungen machen.

Die Kommission wird angemahnt, schon im kommenden Jahr ihre Aufklärungsarbeit in Sachen Passagierrechte zu verstärken. Auch müssten die nationalen Durchsetzungsstellen mehr Kompetenzen bei der Durchsetzung von Ansprüchen erhalten, heißt es.

Umfangreiche Studie

Das Prüfungsteam des Rechnungshofes hat nach eigenen Angabe zehn EU-Ländern besucht, darunter auch Deutschland. Zusätzlich wurden zwei Umfragen unter Flug- und Fahrgästen durchgeführt. Der Titel des Berichts ist die Kernaussage der Ergebnisse: "Die Fahr- und Fluggastrechte der EU sind umfassend, ihre Durchsetzung ist für die Reisenden jedoch nach wie vor schwierig".

So zeigte sich, dass sich nur 38,6 Prozent der Befragten gut oder vollständig über ihre Rechte informiert fühlen. 32 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bei Störungen Ausgleichsleistungen oder andere Arten von Unterstützung beantragt beim Beförderungsunternehmen hatten.

Gründe, aus denen bei Reisestörungen keine Ansprüche gestellt wurden

Grafik: © Europäischer Rechnungshof

Der Europäische Rechnungshof richtet sich mit seinen Berichten unter anderem an das Europäische Parlament und den Rat der EU. Seine Empfehlungen haben keine bindende Wirkung, werden aber nach eigenen Angaben zum weitaus größten Teil umgesetzt.

Von: pra
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