EU-Parlament stimmt Neuregelung für Dienstzeiten von Piloten zu

09.10.2013 - 17:08 0 Kommentare

Die Flugdienstzeiten für Piloten und das Kabinenpersonal können in Europa neu geregelt werden. Das EU-Parlament stimmte heute einem entsprechenden Vorschlag der europäischen Kommission zu.

Cockpit eines Airbus A319 - © © AirTeamImages.com - Olivier Corneloup

Cockpit eines Airbus A319 © AirTeamImages.com /Olivier Corneloup

Piloten in der Europäischen Union sollen künftig nachts nicht länger als elf Stunden fliegen dürfen - 45 Minuten weniger als bisher erlaubt. Einer entsprechenden Verordnung - die auch für das Kabinenpersonal gilt - stimmte das Europaparlament am Mittwoch in Straßburg zu. Pilotengewerkschaften halten die Verkürzung für unzureichend.

Als Nachtflugzeiten soll der Neuregelung zufolge künftig die Zeitspanne zwischen 17.00 Uhr und 05.00 Uhr morgens gelten. Heute ist dies für die Zeitspanne von 19.00 Uhr bis 04.00 Uhr morgens der Fall. Gleichzeitig soll die erlaubte gesamte Flugzeit von derzeit 1300 auf 1000 Stunden pro Jahr verkürzt werden. Die Dauer des Bereitschaftsdienstes wird auf 16 Stunden begrenzt.

Das Europaparlament konnte dem Vorschlag in diesem Fall nur zustimmen oder ihn ablehnen. Es hatte keine Möglichkeiten, die Vorlage nachzubessern. Eine Ablehnung hätte bedeutet, dass die gegenwärtige Regelung bis auf weiteres bestehen bleibt.

Dank der Zustimmung des Parlaments werde es nun "endlich Verbesserungen bei der Sicherheit" geben, betonten die CDU-Abgeordneten Werner Kuhn und Dieter-Lebrecht Koch. Dies gelte nicht zuletzt für die maximal erlaubte Flugzeit von 1000 Flugstunden pro Jahr. Diese Stunden müssten auf zwölf Monate verteilt werden. Die derzeitige Regelung sehe vor, dass Piloten maximal 1300 Stunden pro Kalenderjahr fliegen dürfen. Im Extremfall könne ein Pilot heute von Juli bis Dezember seine 1300 Flugstunden "abreißen" und dann bis zum nächsten Sommer Urlaub machen. Solchen Praktiken werde nun ein Riegel vorgeschoben.

Kritik der Pilotengewerkschaften

Die Grünen und Vertreter der Linken stimmten gegen die Verordnung. Sie bringe zwar einige Verbesserungen, räumte der SPD-Politiker Knut Fleckenstein ein. Von Wissenschaftlern empfohlene Höchstwerte für Flug-und Bereitschaftszeiten würden aber weiter missachtet. Fleckenstein verwies auf fünf Gutachten, die im Auftrag der Europäischen Agentur für Flugsicherheit für die Kommission erstellt wurden. Darin werden Nachtflugzeiten von mehr als zehn Stunden als Gefahr für die Flugsicherheit bezeichnet. Auch Pilotengewerkschaften wie in Deutschland die Vereinigung Cockpit hatten den Kommissionsvorschlag als unzureichend kritisiert.

„Heute ist ein schwarzer Tag für die Flugsicherheit“, erklärte Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit, zum Votum des EU-Parlaments. „Die Neuregelung enthält unverantwortliche Sicherheitslücken. Wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse werden darin schlicht ignoriert.“ Mit diesen Regelungen sei es nicht eine Frage „ob“, sondern nur „wann“ der nächste Unfall aufgrund von Übermüdung passiere, so Schulz.

„Nachdem der Verkehrsausschuss die Regelung abgelehnt hatte, wurde sie durch das EU-Parlament gepeitscht“, teilte Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit, mit. Es sei völlig unverständlich, dass die Parlamentarier dem Votum ihres eigenen Expertengremiums nicht gefolgt sind.

In den USA sei die Nachtflugzeit für Piloten nach einem tödlichen Unfall vor vier Jahren auf neun Stunden begrenzt worden, betonte der deutsche Grüne Michael Cramer. Er kritisierte vor allem, dass Bereitschaftsdienste für Piloten nicht als Arbeitszeiten angerechnet werden. So sei es weiter möglich, dass ein Pilot unmittelbar nach dem Bereitschaftsdienst einen Langstreckenflug startet, ohne vorher geschlafen zu haben.

Bei der Neuregelung handelt es sich um eine Verordnung. Sie muss von den EU-Staaten umgehend und ohne Abänderungen umgesetzt werden.

Von: AFP, airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Schild eines Kontrolleurs am Flughafen. Ein Airport, eine Aufgabe, fünf Unternehmen

    Das Chaos um die Fluggastkontrollen am Flughafen Düsseldorf offenbart ein grundlegendes Problem: Die Bundespolizei regelt die Luftsicherheit, nicht die Flughäfen. Am NRW-Airport sind aktuell fünf Firmen im Einsatz - nicht nur aus Deutschland.

    Vom 21.09.2017
  • Bei Air Berlin ist die Luft raus. Reaktionen zur Air-Berlin-Übernahme

    Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin. Verdi mahnt, dass allen Mitarbeitern eine Perspektive geschaffen werden müsse. Auch Monopolkommissionschef Wambach und Berlins Bürgermeister Müller äußern sich.

    Vom 13.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Fluggesellschaft Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »