EU-Tests decken Sicherheitsmängel am Airport Köln/Bonn auf

Waffenteile und Bombenzubehör: Bei einem EU-Test sollen Prüfer am Flughafen Köln/Bonn gefährliche Gegenstände durch die Sicherheitsschleuse gebracht haben. Der private Sicherheitsdienst lobt dagegen die Qualifikation der Beschäftigten.

Ein Fluggastkontrolleur tastet am Flughafen Köln/Bonn mit einer Handsonde einen Passagier ab.  - © © dpa - Oliver Berg

Ein Fluggastkontrolleur tastet am Flughafen Köln/Bonn mit einer Handsonde einen Passagier ab. © dpa /Oliver Berg

EU-Kontrolleure haben einem Bericht des WDR-Magazins "Westpol" zufolge erneut Sicherheitslücken an einem großen deutschen Airport aufgedeckt. Am Flughafen Köln/Bonn brachten sie bei einer Reihe von Tests Anfang Februar demnach in mehreren Fällen Waffen oder Zubehörteile für eine mögliche Bombe unentdeckt durch die Sicherheitsschleuse.

Bei verdeckten Tests, in dem die EU-Kontrolleure als normale Reisende auftraten, sei es in sechs von zwölf Versuchen gelungen, gefährliche Gegenstände durch die Kontrollen zu schmuggeln. Bei offenen Tests mit vorherigem Hinweis an das Sicherheitspersonal fielen die verbotenen Gegenstände sogar nur in drei von zwölf Versuchen auf, heißt es in dem WDR-Bericht.

Bei den Flughafenkontrollen hat die Bundespolizei die Aufsicht. Die Arbeit an den Sicherheitsschleusen übernehmen aber vielerorts private Unternehmen. Dem WDR zufolge stehen den 600 Bundespolizisten bundesweit rund 9000 Mitarbeiter privater Firmen gegenüber. Das kritisiert die Bundespolizeigewerkschaft schon seit längerem - sie fordert, die Kontrollen wieder der Bundespolizei zu übertragen.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) verteidigte anlässlich des WDR-Berichts die Arbeitsteilung zwischen Bundespolizei und privaten Passagierkontrolleuren. Diese habe sich bewährt, hieß es in einer Mitteilung.

Flughafenverband begrüßt Überprüfungen

Der Flughafenverband ADV, der den Airport Köln/Bonn zu seinen Mitgliedern zählt, begrüßte die aktuellen Überprüfungen. "Diese gehören zu einer funktionierenden Sicherheitsarchitektur", teilte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel mit. "Sofern hier Handlungsbedarf besteht, müssen die privaten Sicherheitsdienstleister die aufgezeigten Mängel umgehend abstellen."

Es sei schon erstaunlich, wie Prüfberichte, die nach EU-Recht ganz klare Verschlusssachen seien, immer wieder an die Öffentlichkeit gelangten, sagte BDSW-Hauptgeschäftsführer Harald Olschok. Die bei Tests gewonnen Erkenntnisse würden selbstverständlich genutzt, das bestehende System permanent zu verbessern, so Olschok weiter.

Der für den Flughafen zuständige private Sicherheitsdienst Kötter Aviation Security unterstrich dagegen in einer Erklärung, dass seine Mitarbeiter bei den regelmäßigen Überprüfungen durch die Bundespolizei mehr als 98 Prozent aller Tests bestanden hätten. "Insofern sind wir überrascht durch Ergebnisse nach Tests durch EU-Inspektoren am Flughafen Köln/Bonn", erklärte Unternehmenschef Klaus Wedekind laut Mitteilung.

Sicherheitsfirma kritisiert Kriterien

Kötter spricht sich auch für unangekündigte Teste aus, kritisiert aber die unterschiedlichen Kriterien bei EU- und bei nationalen Tests. Nach der EU-Kontrolle vom Februar habe Kötter sofort gehandelt und die Mitarbeiter weiter fortgebildet, sagte Wedekind. Das Unternehmen gehe aber angesichts der guten Ergebnisse bei den Tests durch die Bundespolizei weiter von "sehr guten Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" aus.

Ende Mai 2015 hatte die EU-Kommission Deutschland bereits wegen möglicher Mängel bei den Sicherheitskontrollen an Flughäfen verklagt. Ende 2014 hatten Prüfer Sicherheitsrisiken an deutschen Flughäfen aufgedeckt - unter anderem in Düsseldorf und Frankfurt/Main.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Schwere Sicherheitsmängel am Flughafen Frankfurt am Main

Laut Medienberichten gelang es den Prüfern bei jedem zweiten Versuch, Waffen oder gefährliche Gegenstände durch die Passagierkontrolle zu schmuggeln. Als Hauptgrund wurde die schlechte Schulung des Personals der beauftragten Unternehmen genannt.

Von: ch, AFP, dpa

Datum: 18.04.2016 - 09:39

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