EU-Kommission erwägt Sicherheitskontrollen vor Flughäfen

23.03.2016 - 10:12 0 Kommentare

Kommen nach den Anschlägen von Brüssel neue Sicherheitsregularien? Laut Medienberichten erwägt die EU-Kommission die Einführung von vorgelagerten Terminal-Kontrollen. Die Flughäfen bezeichnen das als "unrealistisch und ineffezient".

Ein Fluggastkontrolleur tastet einen Passagier mit einer Handsonde ab - © © dpa, O. Berg -

Ein Fluggastkontrolleur tastet einen Passagier mit einer Handsonde ab © dpa, O. Berg

Als Reaktion auf die Anschläge von Brüssel erwägt die EU-Kommission die Einführung von Sicherheitskontrollen, die bereits vor dem Betreten eines Flughafengebäudes stattfinden sollen. Das berichtet die "Welt".

Demnach sei in der Behörde darauf verwiesen worden, dass der Moskauer Flughafen Domodewo nach einem Selbstmordanschlag 2011 solche Kontrollen erfolgreich eingeführt habe. "Personenkontrollen vor dem Flughafengebäude führen zu Beeinträchtigungen und Kosten, aber sie können einen positiven Effekt auf die Sicherheit haben und sind machbar", zitierte das Medium "hohe Kreise" der Kommission.

Das Airports Council International (ACI) teilte mit, die Landseite der Flughäfen sei öffentlich und gehöre daher - anders als die EU-weit regulierten luftfahrtspezifischen Sicherheitsmaßnahmen auf der Luftseite - in die Sicherheitsverantwortung der nationalen Behörden.

Nach Auffassung des europäisches Airportverbands würden Zutrittskontrollen vor den Terminals die Gefährdung ohnehin nur verschieben. Der Anschlag in Brüssel sei Teil einer Anschlagserie, die verschiedenste öffentliche Bereiche betrifft, so das ACI: Die Einführung zusätzlicher Security-Checks sei vor diesem Hintergrund "unrealistisch und ineffezient".

© EUROFORUM, Stefanie Hergenröder Lesen Sie auch: Flughafenverband warnt nach Brüssel-Attentat vor blindem Aktionismus

Auch der deutsche Flughafenverband ADV warnte bereits vor Erscheinen des Medienberichts vor Aktionismus. Terminal-Zugangskontrollen würden keinen Sicherheitsgewinn bedeuten. Eine Vorverlagerung der Sicherheitskontrollen hält die ADV zudem für technisch und baulich unmöglich, weil bei den meisten Flughäfen schon allein der erforderliche Raum dafür fehle.

Bomben im öffentlichen Terminalbereich gezündet

Die Attentäter am Brüsseler Flughafen Zaventem hatten ihre Bomben nach Behördenangaben in Koffern in den öffentlich zugänglichen Teil der Abflughalle gebracht. "Sie kamen per Taxi mit ihren Koffern, darin waren die Bomben versteckt", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Zaventem, Francis Vermeiren, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Terroristen hätten die Taschen dann auf Gepäckwagen gelegt und seien in das Flughafengebäude gegangen. "Die ersten beiden Bomben explodierten", sagte Vermeiren. Der dritte Täter habe seinen Sprengsatz nicht zur Detonation gebracht. Die Bombe wurde später von Sprengstoffexperten kontrolliert gezündet.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte erneut einen besseren Austausch sicherheitsrelevanter Daten in Europa. Es gebe immer noch "getrennte Datentöpfe der Ausländerbehörden, der Visa-Behörden, der Polizeibehörden, der Nachrichtendienste", sagte er im ZDF. "Es kann nicht sein, dass Datensilos Vorbeugung verhindern."

Flughafen Zaventem soll bald wieder Betrieb aufnehmen

Der Brüsseler Flughafen Zaventem soll am Samstag wieder den Betrieb aufnehmen. Das sagte Flughafensprecherin Anke Fransen. Es sei aber noch nicht sicher, ob die Flüge am Samstag wieder aufgenommen werden könnten. Die Airlines könnten in der Zwischenzeit "alternative Lösungen organisieren".

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: Verschärfte Kontrollen an deutschen Flughäfen nach Anschlägen in Brüssel

An deutschen Flughäfen hat sich die Lage ebenfalls noch nicht wieder normalisiert. In den "sensiblen Bereichen des Flughafens" würden besondere verdeckte und auch offene Sicherheitsmaßnahmen getroffen, sagte Bundespolizei-Sprecher Christian Altenhofen. Genauere Angaben machte er nicht. "Brüssel spielt auf jeden Fall weiter eine Rolle."

Am Dienstag waren bei Anschlägen auf dem Brüsseler Flughafen Zaventem und in einer U-Bahnstation im EU-Viertel der belgischen Hauptstadt über 30 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Zu den Attentaten bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Von: dh, ch, AFP, dpa
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