EU-Kommission fordert Flugsicherungsreform

17.04.2019 - 08:04 0 Kommentare

Die Flugsicherung wird EU-weit für einen guten Teil der stark angestiegenen Flugverspätungen verantwortlich gemacht. Jetzt legt eine Expertengruppe der EU-Kommission Reformansätze vor. Denn der "Single European Sky" lässt weiter auf sich warten.

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc - © © European Union, 2015 - Francois Walschaerts

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc © European Union, 2015 /Francois Walschaerts

Die Europäische Kommission hat die Empfehlungen einer von ihr eingesetzten Expertengruppe zur Zukunft der Flugsicherung in Europa vorgestellt. Der Bericht der so genannten "Gruppe der Weisen" enthält Vorschläge, wie die Luftraumkontrolle in Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger gestaltet werden kann.

Die Kommission führte auf ihrer Webseite aus, dass sich bei den über elf Millionen Flügen im europäischen Luftraum die durchschnittliche Verspätungsdauer gegenüber 2017 verdoppelt habe. Würde bei der Flugsicherungen alles so bleiben wie bisher, könnten im Jahr 2040 schätzungsweise 1,5 Millionen Flüge pro Jahr aufgrund von Kapazitätsengpässen nicht durchgeführt werden.

Die Ursachen für die aktuellen Verspätungen sind dabei laut der Experten unterschiedlich, hätten aber häufig ihren Grund in nicht optimal genutzten Flugsicherungszonen. Von dort aus würden sich die Probleme auf den ganzen europäischen europäische Luftraum ausdehnen.

Netzwerkmanagement statt Flugsicherungs-Flickenteppich

Zu den Empfehlungen der Expertengruppe gehören eine Umstrukturierung des Luftraums und von Zuständigkeiten, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verstärken und neue Technologien zu implementieren.

Im Rahmen von Eurocontrol könnte demnach ein zentraler Netzmanagement-Ansatz verfolgt werden und Kapazitätsverträge mit nationalen ATC-Anbietern abgeschlossen werden. Das Netzwerkmanagement soll europaweit eine herausgehobene Rolle einnehmen, um sicherzustellen, dass alle Flugsicherungen im gemeinsamen europäischen Interesse handeln. Ebenso soll die Zusammenarbeit mit militärischen Fluglotsen verbessert werden.

Aber die "Gruppe der Weisen" hat noch weiterreichende Forderungen. So soll die EU-Kommission am besten einen gemeinsamen europäischen oberen Luftraum mit einem gemeinsamen Gebührensystem einrichten, um die Nutzung kürzerer Strecken zu fördern.

EU-Flugsicherungsgipfel im September

Die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc begrüßte die Vorschläge: "Aufgrund des Wachstums der Luftverkehrsprognosen ist auch für die Fluggäste mit weiteren Verspätungen zu rechnen." Das sei inakzeptabel. "Wir müssen dringend umweltfreundliche Lösungen einsetzen, die mehr Flexibilität, Skalierbarkeit und Widerstandsfähigkeit ermöglichen. Ich fordere die Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und die Luftfahrt auf, die heute veröffentlichten Empfehlungen zu berücksichtigen."

Die Kommission werde nun vorschlagen, dass die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation Thema auf der Sitzung des Verkehrsrats im Juni würden. Am 12. September organisiert die Kommission zudem eine Konferenz, auf der die Umsetzung des künftigen europäischen Netzmanagements mit der Branche diskutiert werden soll.

Fluggesellschaften machen Druck

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der EU-Kommission gab Ryanair ein schriftliches Statement zum Thema ab: Die Fluggesellschaft unterstütze die Empfehlungen der Experten und hoffe, dass das Chaos am europäischen Himmel beendet werden könne. Die EU-Kommission und die nationalen Regierungen sollten unverzüglich neue Vorschriften zur Umsetzung der Empfehlungen erlassen.

Auch der europäische Airline-Verband A4E äußerte sich zu den Forderungen der "Flugsicherungs-Weisen". Man sei der Ansicht, dass der Bericht in Kombination mit der "Airspace Architecture Study" ein sehr nützliches Instrument sein könne, um kurz- und langfristige Kapazitätsprobleme in Europa anzugehen. Die Fluggesellschaften müssten aber besser in den Prozess der Umsetzung eingebunden werden, um die "Vision in absehbarer Zeit" Wirklichkeit werden zu lassen.

© dpa, Ingo Wagner Lesen Sie auch: Flugsicherung: Kaum Fortschritte beim Single European Sky Aviation Management

Eigentlich arbeiten die Flugsicherungen in Europa schon seit fast zwanzig Jahren an einem "Single European Sky". Auf dem Weg zum einheitlichen Luftraum kommen die Beteiligten aber sehr viel langsamer voran als geplant.

Auch in Deutschland steht das Thema Flugsicherung aktuell auf der politischen Agenda. Nach zwei Luftfahrt-Gipfeln ist aber klar, dass die Personalengpässe bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) ein nicht schnell zu lösendes Problem sind.

Für die erwarteten Verkehrsmengen sind laut DFS rund 200 Lotsen zu wenig an Bord. Vor allem im Center Karlsruhe, das den oberen Luftraum steuert, fehlen so viele Lotsen, dass Verkehr schon in untere Lufträume verlagert wird - dem höheren Kerosinverbrauch zum Trotz.

© dpa, Marius Becker Lesen Sie auch: DFS rechnet frühestens 2020 mit Entlastung

Von: dk, dh
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