Air-Berlin-Deal: EU prüft auf illegale Absprachen

11.12.2017 - 15:24 0 Kommentare

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager prüft bei den verlängerten Untersuchungen rund um die Air-Berlin-Aufteilung Hinweise auf illegale Absprachen. Während Lufthansa Zugeständnisse macht, fordert Ryanair jetzt Slots.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager  - © © European Union , 2017 - Lukasz Kobus

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager © European Union , 2017 /Lukasz Kobus

Die EU-Kommission prüft Hinweise auf illegale Absprachen und Preiswucher bei der Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin durch Lufthansa. "Falls es Hinweise auf eine mögliche gezielte Aktion zu Lasten der Kunden gibt, werden wir das herausfinden" sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager der "Bild"-Zeitung. Die EU werde dazu alle internen Papiere auch aus Vorstandssitzungen und E-Mails auswerten.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann war erst im Februar 2017 als Vorstandsvorsitzender von der Lufthansa zur angeschlagenen Air Berlin gewechselt. Die Übernahme von Air Berlin sei für die Kommission sehr wichtig, weil Lufthansa hier einen seiner größten Konkurrenten kaufen will. "Wir haben von Beginn an die Gefahr gesehen, dass die Preise steigen könnten, deshalb schauen wir da genau hin", sagte Vestager.

Die EU-Kommission hatte die Prüfung der Übernahme der Air-Berlin-Töchter Niki und LGW durch Lufthansa verlängert und erweitert. Die zwischenzeitlich online einsehbare Begründung der Kommission listet neben generellen Wettbewerbsbedenken auch detaillierte Anforderungen auf. Lufthansa hat bereits ihre Bereitschaft angekündigt, unter anderem Slots im größeren Umfang abzugeben.

Ryanair fordert Slots ein

Das reicht der Konkurrenz aber nicht. Ryanair fordert die EU-Kommission nun auf, Start- und Landerechte im freien Wettbewerb zur Verfügung zu stellen. "Wir sind der Meinung, dass die Behörden sicherstellen müssen, dass Ryanair ausreichend Slots aus der Air-Berlin-Pleite angeboten werden", sagte Ryanair-Vertriebsvorstand David O'Brien der Nachrichtenagentur Reuters.

Ryanair könnte "innerhalb eines Jahres" in München, Frankfurt, Düsseldorf und Berlin zehn Maschinen stationieren und "internationale Routen" anbieten. Der irische Billigflieger hält neben der beantragten Übernahmen durch Lufthansa auch die geplante Slot-Übernahme durch Easyjet für fragwürdig und hatte die Teilübernahmen bereits mehrfach als "abgekartetes Spiel" bezeichnet.

Ryanair hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, sich um Slots an deutschen Flughäfen zu bewerben. Der Billigflieger will demnach unter anderem am Flughafen Berlin-Tegel starten. Auch in Düsseldorf will Ryanair starten. Beide Flughäfen sind besonders von der Air-Berlin-Pleite betroffen.

Entscheidung könnte noch vor Weihnachten fallen

Die Entscheidungsfrist auch zur Übernahme weiterer Teile der insolventen Air Berlin läuft bis zum 21. Dezember. Die EU-Kommission könnte sich aber auch noch für eine vertiefte Prüfung des Kartellantrags entscheiden, die dann noch einmal 90 Arbeitstage dauern würde.

Unklar ist, welche Folgen die Prüfungen für die Übernahmekandidaten haben könnte. Sollte die Übernahme der Niki mit ihren rund 20 Flugzeugen nicht genehmigt werden, greift nach Spohrs Worten ein "Plan B". Er sehe vor, die Lufthansa-Tochter Eurowings in der gleichen Größenordnung aus eigener Kraft wachsen zu lassen. Die Flugzeuge gehören der Lufthansa ohnehin bereits.

© AirTeamImages.com, Chris Jilli Lesen Sie auch: Kebekus über Niki: Lufthansa-Deal oder Konkurs

Von: dh mit AFP
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