Airline muss zahlen

EU-Gerichtshof: Zahlungspflicht bei erkrankter Crew

12.10.2012 - 12:08 0 Kommentare

Der europäische Gerichtshof hat die Passagierrechte gestärkt. Im Krankheitsfall der Crew und im damit verbundenen Flugausfall kann die Airline sich nicht auf einen "außergewöhnlichen Umstand" berufen. Dem Passagier stehen dann Ausgleichszahlungen zu.

Cockpitcrew in einem Airbus A320 - © © AirTeamImages.com - TT

Cockpitcrew in einem Airbus A320 © AirTeamImages.com /TT

Eine Fluggesellschaft muss damit rechnen, dass ein Pilot krank werden kann. Fällt der Flug zum Beispiel wegen eines Kreislaufkollaps des Kapitäns aus, haben Kunden Anspruch auf eine Ausgleichszahlung nach EU-Recht.

Das Unternehmen kann sich nicht auf einen «außergewöhnlichen Umstand» berufen, durch den es von der Zahlungspflicht befreit wäre, entschied das Landgericht Darmstadt (Az.: 7 S 250/11). Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift «ReiseRecht aktuell» hin.

In dem Fall hatte der Kläger einen Rückflug von Sansibar nach Frankfurt/Main gebucht. Weil der Pilot einen Kreislaufzusammenbruch hatte, verschob sich der Abflug um 24 Stunden. Die Fluggesellschaft argumentierte, es könne die Erkrankung von Crewmitgliedern im Ausland nicht durch vorbeugende Maßnahmen verhindern. Deshalb müsse sie als «außergewöhnlicher Umstand» im reiserechtlichen Sinn betrachtet werden.

Das sah das Gericht nicht so: Die Fluggesellschaft sei nicht nur verpflichtet, eine einsatzbereite Maschine zur Verfügung zu stellen, sondern auch einsatzfähiges Personal. Dem Kläger wurde - der Flugstrecke von 3.500 Kilometern entsprechend - eine Ausgleichszahlung von 600 Euro zuerkannt.

 

Von: airliners.de mit dpa
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